AtomstreitObama setzt gegenüber Iran auf Diplomatie

US-Präsident Barack Obama lehnt einen militärischen Angriff gegen den Iran binnen kurzer Zeit ab. Auch ein Militärschlag gegen das Regime in Syrien wäre ein "Fehler". von afp

US-Präsident Barack Obama bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus

US-Präsident Barack Obama bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus  |  © Mandel Ngan/AFP/Getty Images

US-Präsident Barack Obama sieht keinen Anlass für eine schnelle Entscheidung über einen möglichen Angriff auf iranische Atomanlagen . "Die Vorstellung, dass wir in der nächsten Woche oder in zwei Wochen oder einem Monat oder zwei Monaten eine Entscheidung treffen müssen, wird nicht durch die Fakten gedeckt", sagte Obama in Washington . Dagegen setzte der Präsident auf eine Rückkehr des Iran an den Verhandlungstisch.

Der Iran spüre den Griff der Strafmaßnahmen "erheblich", sagte der Präsident im Weißen Haus. "Die Welt ist vereint, der Iran ist politisch isoliert." Außerdem gebe es Anzeichen, dass Teheran an den Verhandlungstisch zurückkehre , sagte Obama bezogen auf das neue Gesprächsangebot der UN-Vetomächte und Deutschlands an Teheran . Zugleich stellte der Präsident klar, dass ein Militärangriff als letzte Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei. "Wir werden nicht tolerieren, dass der Iran Atomwaffen bekommt", sagte Obama.

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Netanjahu tendiert zu Angriff auf den Iran

Der Westen verdächtigt Teheran, nach Atomwaffen zu streben, was die iranische Regierung zurückweist. Israel fühlt sich durch das iranische Atomprogramm in seiner Existenz bedroht. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Montagabend in einer Rede vor der israelfreundlichen Lobbyorganisation AIPAC in Washington auf das Selbstverteidigungsrecht seines Landes gepocht. "Niemand von uns kann es sich leisten, viel länger zu warten", sagte er. Israel habe vergeblich darauf gewartet, dass Diplomatie und Sanktionen wirkten.

Obama wies in seiner Pressekonferenz auch die Kritik der Republikaner an seiner Iran-Politik zurück. Das "Getöse" der republikanischen Präsidentschaftsbewerber sei nicht hilfreich, um den Atomstreit zu lösen, sagte Obama. Angesichts der "Lässigkeit", mit der seine Gegner über einen Krieg mit dem Iran redeten, mahnte der Präsident: "Das ist kein Spiel."

Der republikanische Bewerber Mitt Romney hatte der AIPAC-Konferenz gesagt, als Präsident zum "Einsatz unserer militärischen Macht" gegen den Iran bereit zu sein. Sein innerparteilicher Rivale Rick Santorum verlangte ein Ultimatum für die Regierung in Teheran. Sollten die Iraner dann nicht ihre Atomanlagen zerstören, "werden wir das selbst machen".

Leserkommentare
  1. Selbst Obama setzt auf "Diplomatie"...

    Ich schätze bald weiß die ganze Welt wer wo die Kriegstreiber sind!

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  2. Sanktionen und Diplomatie koennen nur dann einen Krieg vermeiden, insbesondere einen moeglichen Atomkrieg, wenn sich wirklich alle wichtigen Staaten an diesen Sanktionen beteiligen. Der Oelhunger dieser Welt koennte leicht eine gschlossene diplomatische Front gegen Iran verhindern.

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    • Karl63
    • 07. März 2012 10:03 Uhr

    Grundsätzlich verfolgen Europa, die USA, Russland und China im Nahen Osten unterschiedliche Individualinteressen. Der Punkt ist jedoch, über die Globalisierung sind diese so eng wirtschaftlich miteinander verflochten wie nie zuvor in der jüngeren Vergangenheit. Der Punkt größter Verwundbarkeit der Globalisierung ist das Erdöl, denn dieses ist momentan noch absolut unabdingbar, um die Warenströme rund um den Globus zu bewegen. Der Iran hat klar damit gedroht im Falle einer militärischen Auseinandersetzung den Transport von Erdöl durch den Persischen Golf zu blockieren. Selbst wenn dies nur temporär von Erfolg sein sollte, würde dies die Preise am Weltmarkt für Erdöl sehr rasch nach oben treiben - damit wären sofort alle Nationen, die irgendwie am globalen Handel beteiligt sind auf der Verliererseite.
    Insofern kann momentan auch niemand ernsthaft Interesse an einem militärischen Schlagabtausch zwischen dem Israel und dem Iran haben, denn dessen Folgen würden die die globalisierte Ökonomie (ohne Ausnahme) sehr empfindlich treffen.
    Europa spielt dabei eine ganz zentrale Rolle, denn es kann als Handelspartner dem Iran auch eine ganze Menge bieten, so denn dessen Verzicht auf die Bombe glaubwürdig nachweisbar wird. Sofern die Amerikaner (die CIA) recht haben und der Iran bereits 2003 sein militärisches Nuklearprogramm gestoppt hat, führt kein Weg an Verhandlungen vorbei.

  3. Der fast bedenkenlose Umgang mit der Atombombe und AKW-Bombardierung ist ein brisantes Thema, sowie die allgemein akzeptierte Rechtfertigung von Präventivschlägen und unvermeidlichen Kollateralschäden von der guten Seite. Eigentlich gibt es gar keinen Angriff mehr, sei dann sie kommen vom Gegner, wenn der sich wehrt ist das zusätzlich Heimtücke, Kriege werden nicht mehr erklärt und es fallen eben nur die hochwillkommenen humanitären Bomben.

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  4. Es ist gut, dass er die Stimme der Vernunft ist in einem Meer aus Hysterie. Die Fakten geben keinen Kriegsgrund her, sagt er.
    Man kann nur hoffen, dass er seine Landsleute überzeugen kann.
    Letztlich kann ein Krieg aber nicht verhindert werden, wenn statt echter Verhandlungsbereitschaft von beiden Seiten nur
    taktiert wird. Hier kann wirksam nur der amerikanische Präsident vorangehen, aber das kann er nicht vor einer Wahl tun.

  5. Militär die Lage sieht, zeigt

    http://www.niacouncil.org...

    (auf Vergrößern klicken)

    Dort sind einige Generäle und weitere, die sich nicht für einen sofortigen Krieg gegen den Iran öffentlich aussprechen und auf vor allem auf diplomatische Lösungen der Angelegenheit setzen.

    Es ist allerdings nur eine kleine Gruppe innerhalb und die Mehrheit des Militärs wird wohl für einen sofortigen Schlag gegen den Iran sein.

    Großes Lob eben den sog. "MSM" und sonstigen "Einschwörer". Das ist zynisch gemeint...

  6. Obama setzt auf Diplomatie,hat sich aber andererseits bereits die Möglichkeit der nichtintervention,durch seine unmissverständlichen Drohungen und Beistandsbekundungen für Israel,entzogen.
    Da wird es schwer,mit dem Iran,in einem Klima der Wertschätzung,des Verständnisses und Respekts,Verhandlungen aufzunehmen.
    Niemand verhandelt gerne die eigene Position wenn die Angriffsdrohung wie ein Damoklesschwert über einem hängt.
    Schließlich wollen auch die iranischen Vertreter ihr Gesicht wahren.Was im Angesicht der Geschichte,in der die USA dem Iran schließlich übel mitgespielt haben,nur zu verständlich ist.
    Nethanjahu und Obama täten gut daran,dem iranischen Volk mit dem Respekt gegenüber zu treten den sie selbst für ihre Völker erwarten.
    Ein Präventivkrieg ist sowieso keine Option,dass sollten so erfahrene Politiker wie Nethanjahu und Obama eigentlich wissen.
    Wenn der Iran die Bombe wirklich will wird er sie früher oder später haben.Ein Angriffskrieg würde diesen Wunsch nur mehr Unterstüzung in der Bevölkerung geben und die Bemühungen um die Bombe würden vervielfacht.

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    "Da wird es schwer,mit dem Iran,in einem Klima der Wertschätzung,des Verständnisses und Respekts,Verhandlungen aufzunehmen. [...]Nethanjahu und Obama täten gut daran,dem iranischen Volk mit dem Respekt gegenüber zu treten den sie selbst für ihre Völker erwarten".

    Genauso könnte man sagen, Herr Ahmadinedschad täte gut daran, dem israelischen Volk mit Respekt gegenüber zu treten, statt dessen wird seine martialische, verächtliche Rhetorik einfach ignoriert.

    Zitat Ahmadinedschad: "The Zionist regime is a center of microbes, a cancer cell and if it exists in one iota of Palestine it will mobilize again and hurt everyone."

    http://www.ynetnews.com/a...

    Wo ist denn da das Klima der "Wertschätzung, des Verständnisses und Respekts"?

  7. Der einfache Mensch möchte Leben, Bildung, Information und reisen können.

    Die Planspiele der Politiker sollte man besser in eine virtuelle Welt abschieben. Dort richten sie weniger Unheil an.

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  8. Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Barack Obama | Iran | Benjamin Netanjahu | Atomprogramm | Atomwaffe | Israel
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