Hat Wladimir Putin auf der Siegesfeier wirklich geweint? Diese Frage beschäftigte am Sonntagabend die Russen, nachdem dem künftigen Präsidenten auf der Großkundgebung zur Feier seines Wahlsiegs in Moskau eine Träne die Wange hinuntergelaufen war. Die Tränen waren "echt, aber echt wegen des Winds", sagte Putin, als er in seiner Wahlkampfzentrale befragt wurde. Doch nicht alle waren von der Erklärung Putins überzeugt, der sich dem Volk gerne mit entblößtem Oberkörper beim Fischen und Jagen als starker Mann Russlands präsentiert.

"Moskau glaubt den Tränen nicht" schrieb der Blogger Slawik Zehner auf dem Kurznachrichtendienst Twitter in Anspielung auf einen berühmten sowjetischen Film von 1980, der am Sonntag im Fernsehen lief. Alexej Nawalny , der die Protestbewegung gegen Putin mitorganisiert, reagierte mit Ironie. "Heute hatte unser Führer wahren Grund zum Weinen", sagte er dem Fernsehsender Doschd. "Er schaute sich um und sagte sich: 'Mein Gott, was habe ich getan?'". Putin gewann die Präsidentenwahl nach vorläufigen Ergebnissen mit 64 Prozent der Stimmen.