Die Bundesregierung hat von der russischen Führung verlangt, alle Vorwürfe wegen Unregelmäßigkeiten bei der Präsidentschaftswahl auszuräumen, sich aber mit weiterer Kritik zurückgehalten. Die "Umstände" der Präsidentenwahl hätten in vielem nicht dem entsprochen, "was wir aus anderen Teilen Europas kennen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert . Trotzdem wolle Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) mit dem designierten Präsidenten Wladimir Putin die strategische Partnerschaft mit Russland weiterentwickeln.

Viele internationale Probleme könnten nur gemeinsam mit Russland gelöst werden, sagte Seibert. Das drängendste dieser Probleme sei Syrien . Merkel wolle noch am Montag mit Putin telefonieren, um ihm "Erfolg" zu wünschen. Zu dessen "großen Aufgaben" gehöre die Modernisierung des Landes, die nicht nur eine wirtschaftlich-technische, sondern auch eine politisch-gesellschaftliche sein müsse.

Die Europäische Union forderte Russland auf, sich mit den beklagten Mängeln der Wahl auseinanderzusetzen. Die EU teile den Eindruck der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ( OSZE ), sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton . Die OSZE hatte Unregelmäßigkeiten in jedem drittem Wahllokal aufgeführt. 

Der bisherige Regierungschef Putin hatte bei der Wahl am Sonntag nach Angaben der Wahlkommission fast 64 Prozent der Stimmen erhalten. Seine vier Herausforderer landeten weit abgeschlagen bei weniger als 20 Prozent. Putin will im Mai seine dritte Amtszeit als Präsident antreten – er war zwischen 2000 und 2008 bereits acht Jahre lang Staatsoberhaupt. In den vergangenen vier Jahren hatte er das Amt des Ministerpräsidenten inne.

Deutschland erwartet Reformen

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte die russische Führung ebenfalls auf, alle Vorwürfe der Wahlfälschung zu prüfen. "Es liegt ja im russischen Interesse selbst, all diesen Kritikpunkten nachzugehen und sie aufzuarbeiten." Der frühere Außenminister Frank-Walter Steinmeier ( SPD ) appellierte an Putin, weitere Reformen auf den Weg zu bringen. Die Erwartungen an eine Demokratisierung Russlands seien gestiegen, sagte der SPD-Fraktionschef. Der Vorsitzende des Auswärtigen Bundestagsausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), warf der russischen Führung zwar vor, bisherige Versprechen nicht eingehalten zu haben, sagte aber zugleich: "Putin ist im Amt. Wir müssen mit ihm zusammenarbeiten."

Der Wahlsieger Putin forderte selbst die Aufklärung aller angeblichen Manipulationen. "Ich hoffe, dass die Zentrale Wahlkommission angemessen reagieren wird", sagte Putin laut der Agentur Itar-Tass. Der Regierungschef drohte mit personellen Konsequenzen, falls Fälschungen nachgewiesen würden. Der Wahlkampf sei allerdings nicht schmutzig gewesen, sagte Putin.

Opposition kündigt Proteste an

Zugleich bot er seinen unterlegenen Konkurrenten eine Zusammenarbeit an. Auch der scheidende Kremlchef Dmitri Medwedew signalisierte der Opposition überraschend Entgegenkommen. Der Präsident wies die Justiz an, bis zum 1. April die Verurteilung des inhaftierten Kremlgegners und Ex-Ölmanagers Michail Chodorkowski zu prüfen.

In der Bevölkerung wächst der Widerstand gegen Putin. Seit Wochen waren bereits Zehntausende Menschen aus Protest gegen angebliche Wahlfälschungen bei der Parlamentswahl im Dezember und Putins dritte Amtszeit als Präsident auf die Straße gegangen. Für den Abend haben sie erneute Proteste angekündigt.