Geschickt zieht Kofi Annan seine Kreise um Damaskus immer enger. Erst wies er die kompromisslose syrische Opposition in die Schranken, dann konfrontierte er Diktator Bashar al-Assad mit seinem Sechs-Punkte-Friedensplan. Anschließend erreichte er in Qatar einen Aufschub der angekündigten Waffenlieferungen.

Diese Woche nun warb der UN-Vermittler mit Erfolg in Russland und China für seine Mission, beide Mächte waren zuvor zwölf Monate lang die eisernen Blockierer im UN-Sicherheitsrat gewesen. Und in Bagdad kommen am Donnerstag alle arabischen Machthaber außer Assad zu ihrem ersten Gipfel nach Beginn des Arabischen Frühlings zusammen. Ganz oben auf die Tagesordnung haben die 21 Staatschefs die Gewalt des syrischen Regimes gegen sein eigenes Volk gesetzt.

Assad hat schon vieles angekündigt

Angesichts dieses akuten Rundum-Drucks hat sich Bashar al-Assad ein wenig Erleichterung verschafft, indem er jetzt Kofi Annans Friedensplan nach längerem Hin und Her offiziell akzeptierte. Ob der Diktator seinen Worten auch Taten folgen lässt, daran allerdings gibt es erhebliche Zweifel . Was hat er unter dem Eindruck der Proteste nicht schon alles an Reformen angekündigt – und dann doch einfach nur seine Armee weiter feuern lassen.

Folgt er diesmal wirklich den Forderungen Annans im Namen der Weltgemeinschaft, muss er seine Truppen und Panzer aus allen Wohngebieten zurückziehen, die Gefangenen freilassen, Journalisten freien Zugang gewähren und mit der Opposition Gespräche über die künftige Machtverteilung aufnehmen. Dann aber werden die Menschen in Syrien nicht mehr zu halten sein. Dann wird sich die Wut gegen das Regime frei entladen – und Assad rasch hinwegfegen.

Erschienen im Tagesspiegel