Syrien: Annans Mühe wird vergeblich sein
Waffenruhe oder weitere Gewalt: Kann der UN-Friedensplan von Kofi Annan den syrischen Bürgerkrieg beenden? Michael Thumann beschreibt die wahrscheinlichsten Szenarien.
Nach einem Jahr des hemmungslosen Beschusses von Demonstrationszügen, Dörfern und Stadtteilen stimmt der syrische Diktator Baschar al-Assad einem Friedensplan des UN-Sondergesandten Kofi Annan zu. Damit verpflichtet sich der Machthaber von Damaskus, "schwere Waffen" und "Truppenkonzentrationen" aus bevölkerten Gebieten abzuziehen. UN-Beobachter sollen die Waffenruhe überprüfen. Der Plan mit dem Segen des UN-Sicherheitsrats sieht vor, dass "sämtliche Parteien" die Gewalt einstellen und einen "politischen Prozess" einleiten. In ihm würden "das legitime Streben und die Sorgen des syrischen Volkes" behandelt werden. Die Kröte für die Opposition: Assad soll vorerst an der Macht bleiben.
Kann dieser Plan funktionieren? Werden sich der Diktator und die bewaffnete Opposition an die Waffenruhe halten? Wenn sie es tun, könnte Syrien vor dem Abgrund des Bürgerkriegs gerettet werden. Wenn sie es nicht tun, würde eine internationale Intervention dringlicher werden. Was sind die wahrscheinlichsten Szenarien?
Im März trafen sich an einem anderen Schauplatz der arabischen Revolution – in Kairo – Aktivisten, Politiker und Diplomaten aus dem Nahen Osten und Europa. Die Hamburger Körber-Stiftung hatte zum renommierten Bergedorfer Gesprächskreis geladen, der die Zukunft der arabischen Aufstände diskutierte – und natürlich Syrien. Um die Chancen des Friedensplans einschätzen zu können, muss man die Zahlen kennen, die ein Mitglied der oppositionellen Lokalen Koordinationskomitees Syriens in Kairo präsentierte.
Waffenruhe ist überfällig
Der Binnenkrieg hat geschätzt bereits bis zu 10.000 Todesopfer gefordert. Rund 250.000 Menschen sind auf der Flucht, bis zu 100.000 verhaftet. Dörfer sind zerstört, ganze Großstadtteile zerschossen. Verhaftungen, Folter beim Verhör, willkürliche Erschießungen, Plünderungen und gezielte Zerstörung von Häusern seien an der Tagesordnung. Es fehle an medizinischer Betreuung, an psychologischer Hilfe, an Unterkünften und Schutz vor weiterer Verfolgung.
Das Ausmaß der Katastrophe zeigt, wie überfällig eine Waffenruhe ist. Kofi Annan reist dafür zu Recht um die Welt. Im besten Falle würde Baschar al-Assad nun also seine Truppen zurückziehen, UN-Beobachter, Journalisten und medizinische Helfer ins Land lassen – und sich auf Verhandlungen über seinen Rückzug von der Macht einlassen. Doch hat er das vor? Fühlt er sich nicht vielmehr gestärkt, nachdem er der Opposition mithilfe russischer und iranischer Waffen seine Überlegenheit demonstrierte?
Wahrscheinlicher ist das Negativszenario, nachdem Assads Truppen die Repression fortführen und versuchen, die Opposition mit allen Mitteln auszuschalten. Wahrscheinlicher ist auch, dass die Opposition nach Mord, Folter und Vertreibung sich nicht darauf einlassen wird, Assads einstweiliges Verbleiben an der Macht durch Verhandlungen anzuerkennen. Fraglich ist, ob sich die Parteien je an eine Waffenruhe halten würden. Zu vielfältig ist das Truppengewirr, das Assad ins Feld geschickt hat, zu zersplittert sind die Opposition und ihre Kämpfer im Feld. Einer droht immer weiterzuschießen.
Damit bleiben die Interventionsszenarien aktuell, die auch auf dem Bergedorfer Gesprächskreis in Kairo diskutiert wurden. Eine Vertreterin der syrischen Opposition behauptete, "keine Intervention ist der schnellste Weg zum Bürgerkrieg". Aber wie könnte das Eingreifen aussehen? Ein Teilnehmer der Golfstaaten beschrieb sie wie folgt:
1. Moralische Einmischung, indem die internationale Gemeinschaft der Opposition den Rücken stärkt.
2. Politische Intervention zur Vereinigung der Opposition.
3. Logistische Hilfe, indem man die Anti-Assad-Front mit Geld und Waffen unterstützt.
Internationale Truppen? Niemand der Araber und Europäer am Tisch plädierte offen für eine Intervention im irakischen oder afghanischen Stil. Der saudische Teilnehmer ging am weitesten, indem er sagte, sein Land würde Teil "jedweder Art von Eingreifen" sein. Doch welcher? Von der Notwendigkeit "humanitärer Korridore", "sicherer Häfen" und "Pufferzonen" war die Rede. Dabei bestanden die Europäer am Tisch auf der Notwendigkeit der "Legitimität" jeder Intervention. Der legitime Weg führt über den UN-Sicherheitsrat. Und da sitzen Russland und China, die hartnäckig Assad und damit ihre eigenen autoritären Regime schützen.
Kofi Annan versucht, aus dieser Gemengelage das Beste zu machen. Deshalb werden die Großmächte versuchen, seinen Plan in den nächsten Wochen durchzusetzen. Wenn er scheitert, wofür viel spricht, wird neu nachgedacht, sicherlich wieder über eine Intervention. Bis dahin werden weitere Zehntausende Syrer verhaftet, vertrieben oder getötet sein.







Ich habe lediglich allgemein meine Meinung zum Ausdruck gebracht!
Die unverständlich heftigen Reaktion lassen mich annehmen, dass ich wohl nicht so falsch lag. Frei nach dem Motto: Getroffene Hunde Bellen!
Und ich habe übrigens nirgendwo geschrieben, dass einige hier Diktatoren verherrlichen. Nehmen sie das alles nicht so persönlich, und legen sie mir bitte keine Worte in den Mund.
"... was wüden sie brauchen wenn ihr Staatschef es auf sie Persöhnlich abgesehen hat?"
Asyl.
Wurde aber glaube ich von der EU für Syrer generell abgelehnt. Die wollen sich natürlich die gewaltbereiten Islamisten nicht freiwillig ins Land holen und finden es besser, wenn die vor Ort ordentlich destabilisieren. Das kommt den Interessen der NATO wesentlich mehr entgegen, als sich mit Problemsyrern rumzubalgen.
aber Durchblick ist nicht jedermanns Sache.
Soll heißen, Sie haben den Durchblick. Toll, wie manche Menschen argumentieren. Dann blicken Sie mal schön durch - den anhaltenden Nebel der Despotien-Verherrlichung. Viel Spass dabei.
Soll heißen, Sie haben den Durchblick. Toll, wie manche Menschen argumentieren. Dann blicken Sie mal schön durch - den anhaltenden Nebel der Despotien-Verherrlichung. Viel Spass dabei.
Die syrische Regierung kann den Friedensplan gar nicht alleine umsetzen. Ein Waffenstillstand z.B. kann nicht nur von einer Kriegspartei ausgerufen werden, während die andere munter weiterballert oder die Kampfpausen dazu nutzt, Truppen zu bewegen und in andere Stellungen zu bringen.
Genau das ist es ja, was einige Kommentatoren hier skeptisch zu hinterfragen versuchen, da die Aufständischen relativ klar sagen, dass sie nicht am Frieden, sondern einem Umsturz mit allen Mitteln interessiert sind.
Prima, ist ja mal ne klare Ansage. Dann müssen die das aber auch selbst durchziehen. Es kann nicht sein, das wieder einmal einseitig eine Partei unterstützt wird, für die die Regeln, die man der anderen Seite aufzwingt, nicht gelten.
Der Friedensplan kann nur Aussicht auf Erfolg haben, wenn beide Parteien gleichermaßen in die Pflicht genommen werden. Doch wie soll das bitteschön aussehen? Die konkreten Vorstellungen der UN dazu, die würden mich brennend interessieren.
Wenn man das Verhalten der Contras verfolgt und sieht, wie dieses in den Leitmedien orchestriert wird, dann habe ich
den Eindruck, dass der UN-F.plan gar nicht ernst genommen und absichtl. sabotiert wird.
Im Beitrag wird in Verneinung der Tatsache, dass eine UN-Res. mit einseitiger Verurteilung und möglicher milit. Einmischung Dritter im S.rat gescheitert ist, die Uhr 2 Wochen zurückgedreht. Um wieder von der berüchtigten "humanitären Hilfe von aussen" zu phantasieren.
Gemeint ist der ganze Abschnitt von-bis:
"Damit bleiben die Interventionsszenarien aktuell,
(...)
3. Logistische Hilfe, indem man die Anti-Assad-Front mit Geld und Waffen unterstützt."
Die I.szenarien sind eben nicht aktuell, sondern Geschichte.
Aktuell ist der von Annan initierte UN-Friedensplan, der von der Intern. Gemeinschaft off. befürwortet wurde.
"Der Binnenkrieg hat geschätzt bereits bis zu 10.000 Todesopfer gefordert. Rund 250.000 Menschen sind auf der Flucht, bis zu 100.000 verhaftet."
Bitte keine Zahlenmystik nach dem Motto "Wer bietet mehr...".
Die offizelle UN-Schätzung der O.zahl beträgt 9.000.
Und laut dem Sprecher des türk. A.ministeriums S. Unal ist bisher ein F.lager für knapp 15k Personen eingerichtet. Ingesamt bereitet sich die Türkei auf die Ankunft von 45k F. vor.
"Die Kröte für die Opposition: Assad soll vorerst an der Macht bleiben."
Keine Kröte. Die Forderung, dass sich die syr. Regierung selber abschafft, ist lediglich eine Utopie, die in der Realpolitik nichts verloren hat.
>> Bitte keine Zahlenmystik nach dem Motto "Wer bietet mehr...". <<
Es geht m.E. nach darum, nur ja den Eindruck einer Deeskalation zu vermeiden und auf jeden Fall das Bild eines Landes komplett im Aufstand, am Rande des Zerfalls, zu malen.
Die Zahl 250.000 Flüchtlinge, da hat irgend jemand, vermutlich wieder ein "Aktivist", in die Welt gesetzt. Und sie wird wie ein Faktum wiedergegeben.
Die Art und Weise, wie die Presse diesen Konflikt begleitet, dass sollte man sich mal in Ruhe anschauen, wenn das Ganze vorbei ist.
>> Bitte keine Zahlenmystik nach dem Motto "Wer bietet mehr...". <<
Es geht m.E. nach darum, nur ja den Eindruck einer Deeskalation zu vermeiden und auf jeden Fall das Bild eines Landes komplett im Aufstand, am Rande des Zerfalls, zu malen.
Die Zahl 250.000 Flüchtlinge, da hat irgend jemand, vermutlich wieder ein "Aktivist", in die Welt gesetzt. Und sie wird wie ein Faktum wiedergegeben.
Die Art und Weise, wie die Presse diesen Konflikt begleitet, dass sollte man sich mal in Ruhe anschauen, wenn das Ganze vorbei ist.
Sorry, aber mit derartigen Quellen überzeugen Sie niemanden.
Das stimmt, wenn nicht sofort was unternommen wird, werden bestimmt noch weitere tausende Menschen sterben.
Deshalb sollten erstens die westlichen Länder unverzüglich aufhören diese verleugnete Opposition in Istanbul und die sog. FSA zu unterstützen.
Assad hätte eigentlich schon längst die Lage unter Kontrolle, wenn diese Revolution nicht von außen gesteuert würde.
Dann wäre es bestimmt nicht zu den vielen toten gekommen.
Außerdem wie soll Assad seine Armee zurückziehen, wenn z.B. Rastan immer noch von Terroristen belagert und dessen Einwohner misshandelt wird.
Ich glaube, Deutschland würde es auch nicht passen, wenn hierzulande etwa bewaffnete Gruppen, die sich angeblich als Opposition bezeichnen, eine Stadt oder Dorf belagern.
Deserteure der "Freien Syrischen Armee" haben nach eigenen Angaben einen General der Luftwaffe aus dem Hinterhalt getötet. Die Zeit berichtete? Annan will versuchen die Rebellen auch zu einem beidseitigen Waffenstillstand zu überreden.
http://derstandard.at/133...
Deserteure der "Freien Syrischen Armee" haben nach eigenen Angaben einen General der Luftwaffe aus dem Hinterhalt getötet. Die Zeit berichtete? Annan will versuchen die Rebellen auch zu einem beidseitigen Waffenstillstand zu überreden.
http://derstandard.at/133...
sagt mir eigentlich alles.
Paßt zu den Meldungen von vor ein paar Tagen, als es hier hieß, Kofi Annan habe seine Mission erfolglos beendet.
Hätte die R2P-Gemeinde gerne, ich weiß.
Aber eigentlich habe ich hier intelligentere Artikel erwartet, die zum Beispiel die Erfahrung berücksichtigen, daß diplomatische Missionen zur Schlichtung (bürger-)kriegerischer Auseinandersetzungen im Allgemeinen mehr Zeit beanspruchen...
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