Die Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hat die vollständige Kontrolle über das umkämpfte Viertel Baba Amro in der Stadt Homs erlangt. Die letzten Stützpunkte der Rebellen seien gefallen, hieß es aus Sicherheitskreisen in Syriens Hauptstadt Damaskus . Aktivisten sprachen von einem "taktischen Rückzug", bestätigten aber, dass nur noch wenige Einheiten der Rebellen in Baba Amro verblieben.

Assad hatte zuvor den Beschuss auf das Viertel erneut verstärkt. Dem katarischen Nachrichtensender Al Jazeera zufolge sind dort inzwischen Tausende Regierungssoldaten im Einsatz. Aktivisten schilderten Angriffe durch Artillerie und Panzer . Die Rebellen rund um die Freie Syrische Armee, einen Zusammenschluss aus Deserteuren, hatten Baba Amro zuvor fast einen Monat lang gegen die Angriffe von Regierungstruppen behauptet.

Bei den Gefechten kamen auch am heutigen Donnerstag nach Angaben von Aktivisten wieder mindestens 17 Zivilisten ums Leben. Soldaten nähmen Hausdurchsuchungen vor, zudem gebe es Festnahmen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London . Aus den Sicherheitskreisen in Damaskus hieß es dagegen, die Soldaten verteilten in Baba Amro Lebensmittel und brächten Verletzte in Sicherheit.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz teilte mit, dass die syrischen Behörden den Transport von Lebensmitteln und Medikamenten nach Baba Amro genehmigt hätten. Bedürftige könnten nun wohl in Sicherheit gebracht werden, sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes. Ein Waffenstillstand in Syrien sei wegen der besorgniserregenden humanitären Lage geboten.

Mehrere Länder erklärten sich zu Waffenlieferungen bereit

Dass die Oppositionellen nun ihren Widerstand aufgeben mussten, lag laut eigenen Angaben auch daran, dass die Vorräte an Waffen und Munition ausgingen. Hierauf will der Syrische Nationalrat (SNC) nun offenbar reagieren. SNC-Chef Burhan Ghaliun kündigte an, die syrischen Rebellen im Kampf gegen Assad mit Waffen unterstützen zu wollen. Die Ausrüstung solle über ein neues militärisches Büro in der Türkei nach Syrien gebracht werden, sagte Ghaliun. Die Unterstützung müsse dringend besser organisiert werden, verlangte er zugleich.

Laut SNC haben sich mehrere Länder bereit erklärt, die Regimegegner mit Waffen zu versorgen. Allerdings sollten direkte Lieferungen von einzelnen Ländern vermieden werden, sagte Ghaliun. "Es geht darum, die Zivilisten zu verteidigen und nicht darum, einen Krieg zu starten." Die Bewegung sei als "friedliche Revolution" gestartet. Nun habe sich die Situation geändert – und dem müsse mit neuen Mitteln Rechnung getragen werden.

Das geplante militärische Büro soll die Funktion eines Verteidigungsministeriums der Rebellen übernehmen. Die Gründung sei mit den Deserteuren, die sich in der Freien Syrischen Armee zusammengeschlossen haben, abgestimmt, hieß es.

Vor allem Vertreter der arabischen Öl-Monarchien hatten in den vergangenen Tagen eine Bewaffnung von Rebellen für wahrscheinlich gehalten und indirekt dafür geworben. Die USA hatten dies hingegen abgelehnt .

Die Vereinten Nationen geben die Zahl der Toten bei dem seit elf Monaten anhaltenden Aufstand inzwischen mit mehr als 7.500 an.