Polizeikräfte vor dem Haus, in dem sich der mordverdächtige Mohammed M. verschanzt hat. © Getty Images

Es ist entsetzlich. Wieder läuft ein Fanatiker Amok, diesmal sind in Frankreich drei Soldaten, ein Rabbiner und drei jüdische Kinder die Opfer . Der mutmaßliche Mörder, Mohamed M., inszeniert auch einen Showdown, bei dem Polizisten verletzt werden. Man hält die Hände vors Gesicht und fragt sich: Geht das immer so weiter? Wer läuft als Nächster los und schießt um sich?

Offenbar zum dritten Mal innerhalb eines Jahres hat jetzt eine Art Ein-Mann-Terrorgruppe in Europa gewütet.

Was in Toulouse und Montauban passiert ist, ähnelt dem Verbrechen, das der Norweger Anders Breivik im vergangenen Juli verübt hat – sowie dem in Deutschland beschämend wenig betrauerten Attentat des Kosovaren Arid Uka , der im März 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US- Soldaten erschoss und zwei weitere schwer verletzte. Drei radikalisierte Ego-Shooter haben großes Leid verursacht.

Terroristen scheren sich nicht um das Alter ihrer Opfer

Zu dieser Sorte radikalisierter Gewaltverbrecher, die ihren Nachbarn nicht weiter auffallen und nur schwer zu stoppen sind, muss man ebenso die Thüringer Terrorgruppe zählen, die mordend durch Deutschland zog – und jede öffentliche Selbstbezichtigung unterließ. Auch die zwei libanesischen Kofferbomber, die 2006 in Köln Sprengsätze in Regionalzügen deponierten, handelten in eigenem Auftrag. Die Sicherheitsbehörden hatten keine Chance, den Beinahe-Anschlag der beiden Nobodys zu verhindern. Ähnlich war es im Fall des weitgehend unauffälligen, über das Internet radikalisierten Arid Uka. Es ist auch fraglich, ob die norwegische Polizei in der Lage war, den abgeschottet lebenden Breivik frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen.

Zu befürchten ist, dass sich durch solche Taten weitere Extremisten und andere Irre animiert fühlen, auch als Killer größtmöglichen Schrecken zu verbreiten. Eine neue Ära des Terrors?

Es erscheint beinahe zweitrangig, welche Motive die Täter nennen. Amoklauf und Terrorismus werden eins. Utøya und Frankfurt und Toulouse erinnern an Winnenden und Erfurt . Die Gewalt wirkt entgrenzt. In Toulouse hat sie, vom Täter nicht nur in Kauf genommen, sondern in eiskalter Absicht, wieder Kinder getroffen – angeblich, um den Tod palästinensischer Kinder zu rächen. Als wenn das ein legitimer Grund sein könnte.

Breivik hatte auf Utøya sogar 69 Jugendliche hingerichtet. Terroristen scheren sich zwar selten um das Alter ihrer Opfer, doch eine mit eigener Hand verübte Hinrichtung von Kindern und Jugendlichen zeugt von exzessiver Grausamkeit.