NationalfeiertagUngarn demonstrieren für und gegen Orbán

Ihren Nationalfeiertag begehen die Ungarn wieder einmal getrennt. Ministerpräsident Orbán wetterte vor seinen Anhängern gegen die EU. Seine Gegner forderten Reformen. von dpa

In Ungarn haben am Nationalfeiertag jeweils Tausende für und gegen den rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orbán demonstriert. Tausende Unterstützer der Regierung versammelten sich auf dem Kossuth-Platz vor dem Parlament in Budapest . Zudem waren etwa 2.000 Demonstranten aus Polen angereist. Ihre "Solidaritätsdemonstration" wurde von der polnischen Wochenzeitung Gazeta Polska organisiert. Diese steht der nationalkonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von Jaroslaw Kaczynski nahe.

"Wir Ungarn sind das Volk der Freiheitskämpfer", sagte Orbán vor seinen Anhängern. "Die Eurokraten sehen uns selbst heute noch scheel an, aber am Ende werden wir recht behalten." Als "guten Ratschlag" an die EU sagte er weiter: "Wenn wir uns nicht besinnen, dann wird auch Europa zur Kolonie des modernen Finanzsystems."

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Etwa einen Kilometer entfernt hatten sich Regierungsgegner an der Elisabethbrücke versammelt. Sie forderten die Rücknahme des umstrittenen Mediengesetzes und anderer Maßnahmen, die ihrer Ansicht nach den Abbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nach sich gezogen haben. "Das Recht ist unser Schutz gegen die Tyrannei", sagte der frühere Datenschutz-Obmann Laszlo Majtenyi. Zu der Kundgebung aufgerufen hatte die Internet-Initiative "Eine Million für die Pressefreiheit".

Einige Redner kritisierten das Klima der Unduldsamkeit und Intoleranz, das in Ungarn vorherrschend geworden sei. "Ich bin Ungar, ich bin Jude, ich bin Zigeuner, ich bin ein Arier-Mischling", sagte der Rapper Dopeman. Der Musiker war von der Internet-Initiative nach einer Abstimmung im Web zum "alternativen Staatspräsidenten" gekürt und bei der Kundgebung symbolisch ins Amt eingeführt worden. Studenten- und Lehrervertreter verlangten eine Abkehr von der ultrakonservativen Hochschul- und Unterrichtspolitik der Regierung.

Am 15. März gedenken die Ungarn des Ausbruchs der Revolution von 1848 gegen die Habsburger-Herrschaft. Der Aufstand wurde vom österreichischen Kaiserhaus mithilfe von Truppen des zaristischen Russlands nach anderthalb Jahren niedergeschlagen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Europäische Union | Ungarn | Klima | Musiker | Pressefreiheit | Polen
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