US-WahlkampfDie Vagina-Monologe der Republikaner

Im Streit mit dem Iran geht es um Krieg, Amerika braucht neue Jobs – doch die US-Republikaner streiten lieber über andere Themen. Der Wahlkampf wird zum Kulturkampf. von 

Rush Limbaugh

Rush Limbaugh  |  © Win McNamee/Getty Images

Warum bloß debattiert Amerika mitten im Wahlkampf über Sex, Hurerei und die Anti-Baby-Pille? Während die republikanischen Kandidaten um Delegierte werben, findet für viele offenbar ein viel interessanteres Programm statt: Rush Limbaugh, der bekannteste konservative Radio-Talker der USA , hat eine Studentin tagelang als Prostituierte und Schlampe bezeichnet und sie aufgefordert, Pornovideos von sich ins Internet zu stellen. Da sich Limbaugh aber als Stimme der Tea Party, des rechtspopulistischen Flügels der Republikaner geriert, werden nun alle Kandidaten gedrängt, dazu Stellung zu nehmen.

Das tun sie nur ungern, denn sie fürchten sich vor dem rechten Rand. Dabei ist dies nur die neueste Blüte eines immer schriller werdenden Kulturkampfes, bei dem sich beide Seiten als Verteidiger der Moral sehen. Manchen wird das zu viel. "Wann werden die Republikaner endlich mit ihren Vagina-Monologen aufhören", stöhnte Dana Milbank in der Washington Post .

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Angefangen hatte alles vor ein paar Wochen, als die Obama -Regierung ein Gesetz einbrachte, wonach Krankenversicherer verpflichtet sind, die Pille zu bezahlen. Daraufhin gab es einen Aufschrei bei katholischen Institutionen und Universitäten, die die Pille aus religiösen Gründen ablehnen: Das Gesetz verletze das Verfassungsrecht auf Religionsfreiheit. Sie gewannen die Unterstützung der Republikaner, allen voran die von Rick Santorum.


Santorum, ein ultrakonservativer Katholik, der seine Söhne auf eine Privatschule geschickt hat, die dem Opus Dei verbunden ist, führt einen Wahlkampf , als sei er der lange Arm des Papstes in Amerika – und ist damit durchaus erfolgreich. Auch andere Republikaner meldeten sich zu Wort: Newt Gingrich , ebenfalls Katholik, warnte, Obama bedrohe die Religionsfreiheit, und Michele Bachmann fürchtet, Obama werde Amerikanerinnen zwingen, die Pille zu nehmen, um eine Ein-Kind-Politik wie in China durchzusetzen.

Flugs fand unter dem Vorsitz des Republikaners Darrell Issa ein Hearing im Repräsentantenhaus zu dem umstrittenen Gesetz statt, bei dem keine Frau reden durfte, angeblich weil es keine qualifizierten Frauen dazu gebe. Daraufhin luden die Demokraten eine Studentin der katholischen Georgetown University in Washington ein, Sandra Fluke, die einen Vortrag über die Lage an ihrer Uni hielt.

Die Pille mit Viagra verwechselt

Nun schlug die Stunde von Limbaugh. Er beschimpfte die Studentin über Tage in seiner Sendung – die von mehr als 600 Radiostationen verbreitet und von 20 Millionen Amerikanern gehört wird – als Nutte und erging sich in schleimigen Fantasien über ihr Sexualleben. Sie müsse dermaßen viel Sex haben, dass sie kaum noch laufen könne und brauche wohl deshalb so viele Anti-Baby-Pillen, sodass die ihr zu teuer würden, meinte er. Offenbar verwechselte er die Pille mit Viagra, das vor dem Akt gezielt eingenommen wird.

Dabei gilt Limbaugh kaum als eine Bastion katholischer Moral. Der frühere Disc Jockey ist übergewichtig, trinkt und raucht. Er ist in vierter Ehe kinderlos verheiratet und wegen Drogenmissbrauchs vorbestraft.

Nun verdient Limbaugh seinen Lebensunterhalt als "Shock Jock", der vor keiner Tabuverletzung zurückschreckt: Auf Obama dichtete er das Spottlied "Barack, the Magic Negro" und meinte, Schwarze seien Schuld am Wall-Street-Crash. Er verglich die damals 13-jährige Chelsea Clinton mit einem Hund, nennt Feministinnen "Feminazis" und verteidigte die Folter in Abu Ghraib mit den Worten, Soldaten müssten auch mal Spaß haben dürfen. Michael Steele, der – inzwischen zurückgetretene – Chairman der Republikaner sah sich einmal gezwungen, sich bei Limbaugh zu entschuldigen, nachdem der ihn tagelang im Radio beschimpft hatte. Steele hatte gesagt, Limbaugh sei nicht die Stimme der "Grand Old Party".

Leserkommentare
  1. "Einzig Ron Paul sagte, Limbaugh schade mit seiner unflätigen Art und Weise der konservativen Bewegung. Er hätte sich ehrlich entschuldigen sollen, nicht bloß wegen der Anzeigenkunden, so Paul."

    Tja, das hat Paul wieder mal gut auf den Punkt gebracht.

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    Naja, Sie bejubeln Ron Paul, weil er die moderate Stimmer einer konservativen Bewegung ist, dass Ron Paul geistig im 20. Jahrhundert lebt, Romney im späten 19. Jahrhundert und Santorum im 14. Jahrhundert, qualifiziert doch keinen für die Präsidentschaft.

    Nicht ohne Grund steht die IT-Welt geschlossen hinter den liberalen Demokraten.

    • FabMax
    • 10. März 2012 0:42 Uhr

    Paul ist genauso wie Santorum ein christlicher Fundamentalist.

    • kyon
    • 09. März 2012 13:01 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Nutzen Sie die Kommentarbereiche bitte, um sachliche Argumente und Meinungen auszutauschen. Danke. Die Redaktion/au.

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    Kommentar 2: "Die spinnen, die Amerikaner!"

    Diesen US-Kulturkampf versteht man als Deutscher kaum. Ich war 10 Jahre in den USA, und selbst von da aus habe ich nicht recht verstanden, warum man "creation science" statt der Evolution an den Schulen lehren will. (Alle meine US-Freunde fanden das übrigens auch merkwürdig.)

    Wenn man aber die Inhalte austauscht, haben wir die Flucht vor der Sachdebatte ins Emotionale auch hier. Während es bei der Eurofrage um Hunderte von Milliarden geht, steht Deutschland Kopf ob der Frage, ob Wulff eine Hotelrechnung von 700 Euro bezahlt hat und ob ihm 200.000 Euro im Jahr zustehen. In der Sarrazin-Debatte tobt der Sturm darum, ob Sarrazin die Erblehre der Nazis vertritt, nicht, welche von seinen Statistiken stimmen oder nicht stimmen, und man kann sich einige Beleidigungen anhören, wenn man auf der jeweils falschen Seite ist.

    Die Sachfragen sind eben zu komplex, zu zahlenhaft-trocken und kaum eindeutig zu entscheiden. Lieber debattieren wir Sachen, für die wir stark empfinden und wo wir uns emotional sicher sind. Für die Amis sind das Fragen der Familie, der Religion und der Sexualität. Für Deutsche sind es Fragen der Nazi-Vergangenheit und von Status/Hierarchie/Einkommensgerechtigkeit. Die Angst vor Abstieg ist in beiden Fällen ein Motivator.

    Ja, sie spinnen, die Amis. Sie sind nicht die Einzigen.

    • Panic
    • 09. März 2012 13:03 Uhr

    Danke dafür.

  2. ...ist schon so großartig, dass ich mich sogar zu einem Kommentar VOR dem Lesen verleiten lasse :D
    Freu mich, den Artikel jetzt zu lesen. :D

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    Ist zu hoffen, dass ein Kandidat der REPs übrig bleibt, der so unwählbar ist, das Obama noch einmal ran muss. (So sehr er auch Gefangener der Wallstreet bleiben wird.)

    4." Allein die Headline...
    ...ist schon so großartig, dass ich mich sogar zu einem Kommentar VOR dem Lesen verleiten lasse :D"

    Die headline ist Sexismus pur,dass sie hier übernommen wird,zeigt,nun steckt wohl immer noch in so einigen männlichen Wesen ein "kleiner Sexist".
    Im übrigen wenn die Ägypter Islamisten und Salafisten wählen,(was ja hier durchgeht unter"gemäßigter Islamismus")
    dann können die Amerikaner ja wohl auch wählen was sie wollen.

  3. wow... diese Studentin sollte sich geehrt fühlen, von diesem Schmock beleidigt worden zu sein... andernfalls hätte man offenbar etwas grundlegend falsch gemacht...

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    • Cando
    • 09. März 2012 16:18 Uhr

    ... hätte das wohl noch Überschrift geheißen. Auch hätte man in einer deutschsprachigen Zeitung wohl von einer Anhörung anstatt einem Hearing gesprochen.

    Ach wie sehr vermisse ich die guten alten Zeiten.

    /Moralapostel ende.

  4. Opfer ihrer evangelikalen Prediger und bornierter Rednecks, die meinen "Freiheit" bedeutet Abwesenheit von Staat, Steuern und Schwulen.

  5. Der Unterschied zwischen iranischen und amerikanischen Religionsfanatiker: Die ersteren haben ihre Diktatur bereits verwirklicht ....

  6. wie das Umfeld eines möglichen republikanischen Präsidenten tickt....und ein Großteil der Wählerschaft.

    Wieder einmal sind es bigotte "Religiöse", die sich
    hier austoben und ihre Ideologie am liebsten auf den
    Rest der Welt übertragen möchten.

    Man kann nur auf eine Wiederwahl Obama's hoffen,
    und darauf, dass es ihm irgendwie gelingen wird,
    in einer zweiten Amtsperiode befreiter als bislang
    zu agieren.

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    • xpeten
    • 09. März 2012 17:11 Uhr

    wäre sowohl für die Amerikaner, als auch für die Welt von Vorteil, nur - ich sehe da schwarz:

    Die Auseinandersetzung der Demokraten mit den Republikanern erinnert doch stark an einen Sandkasten voller Kleinkinder: die einen bauen Burgen, die anderen machen sie kaputt.

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