Ein israelischer Soldat an der Grenze zu Ägypten, August 2011 © Reuters

Der Arabische Frühling hat in Israel von Beginn an keine Begeisterung hervorgerufen. Im Gegenteil, das Land sieht sich heute in seinen Sorgen angesichts der Umbrüche in den arabischen Staaten bestätigt. Nördlich von Israel, in Syrien , herrscht Bürgerkrieg, und Experten für dieses Land sagen, würde dort gewählt, käme wohl die syrische Variante der Muslimbrüder an die Macht. Sofern es so weit kommt und das Land nicht unkontrolliert zerfällt. Im Libanon steht weiterhin die militärisch gerüstete Islamistenmiliz der Hisbollah . Und auch im Süden schließt sich die Kündigung der Gaslieferungen aus Ägypten nahtlos an die israelischen Befürchtungen an.

Das ist gewiss zunächst eine ökonomische und keine sicherheitspolitische Angelegenheit. Ohne das Gas aus Ägypten wird es in Israel zwar zunächst Energieengpässe geben, doch schon bald wird Israel eigene Gasfelder vor der Küste erschlossen haben und die Röhren aus dem Sinai sowieso nicht mehr benötigen.

Gut möglich ist auch, dass die in Kairo zurzeit noch herrschenden Generäle das unter den Ägyptern äußerst unbeliebte Handelsabkommen mit Israel aus blankem Populismus gekündigt haben. Denn das Energiegeschäft mit Israel aus dem Jahr 2005 ist auch hochpolitisch. Günstlinge des vertriebenen und unbeliebten Mubarak haben offenbar in korrupter Weise daran verdient. Die Gasleitungen auf dem Sinai wurden zum Frühindikator für die Probleme im Süden Israels, denn gleich mit Beginn der Anti-Mubarak-Proteste wurden sie regelmäßig bombardiert. Anschläge, die von erheblichen Sicherheitsproblemen auf dem Sinai kündeten, die die aktuelle Militärregierung nicht in den Griff bekommt. Im August starben infolge mehrerer koordinierter Terrorattacken nahe dem israelischen Badeort Eilat an der Grenze zum Sinai 8 Menschen, 25 wurden verletzt.

Mehrheit der Ägypter will Camp David nicht

Auf die Sicherheitsprobleme reagiert Israel mit dem Bau eines Zauns zum Sinai. Doch über dem Gas und dem Sinai dräut die viel weiterreichende Frage des politischen Zerwürfnisses beider Staaten, die über den Friedensvertrag von Camp David aus dem Jahr 1979 miteinander verbunden sind. Das Gros der Ägypter ist Israel gegenüber negativ eingestellt, und inzwischen ist auch bekannt, dass die Mehrheit Camp David nicht weiterführen will. Entsprechend ausweichend äußern sich die ägyptischen Präsidentschaftskandidaten über die Zukunft des Vertrages, beispielsweise der chancenreiche Muslimbruder Mohammed Mursi .

Das erste Parlament der Post-Mubarak-Ära wird jetzt von den Islamisten der Muslimbruderschaft und der Salafisten-Bewegung dominiert, und der nächste Präsident wird wahrscheinlich nicht eben israelfreundlich sein. Das muss zwar nicht die Aufkündigung von Camp David bedeuten, doch käme es tatsächlich zum Äußersten, müssten die Europäische Union und die USA für die Aufrechterhaltung eines Friedensabkommens sorgen. Israel braucht Sicherheitsgarantien, allein aufgrund seiner geografischen Lage.

Eine gute Lösung wäre dann ein gänzlich neuer Friedensvertrag. Einer, der von der gewählten Regierung Ägyptens mit Israel ausgehandelt wird und nicht mehr mit der Ära Mubarak in Verbindung steht. Zudem wird Ägypten ohne ökonomische Hilfe aus dem Ausland nicht auskommen. Der Westen kann diese leisten und dabei Bedingungen zur Hilfe auch an ein Sicherheitsabkommen mit Israel knüpfen.