Nahost-KonfliktIsrael braucht Sicherheitsgarantien

Hinter einem von Ägypten gekündigten Gasabkommen mit Israel steckt Kritik am Friedensvertrag von Camp David. Für Israel ein fatales Signal, kommentiert Steffen Richter. von 

Grenze zu Ägypten

Ein israelischer Soldat an der Grenze zu Ägypten, August 2011  |  © Reuters

Der Arabische Frühling hat in Israel von Beginn an keine Begeisterung hervorgerufen. Im Gegenteil, das Land sieht sich heute in seinen Sorgen angesichts der Umbrüche in den arabischen Staaten bestätigt. Nördlich von Israel, in Syrien , herrscht Bürgerkrieg, und Experten für dieses Land sagen, würde dort gewählt, käme wohl die syrische Variante der Muslimbrüder an die Macht. Sofern es so weit kommt und das Land nicht unkontrolliert zerfällt. Im Libanon steht weiterhin die militärisch gerüstete Islamistenmiliz der Hisbollah . Und auch im Süden schließt sich die Kündigung der Gaslieferungen aus Ägypten nahtlos an die israelischen Befürchtungen an.

Das ist gewiss zunächst eine ökonomische und keine sicherheitspolitische Angelegenheit. Ohne das Gas aus Ägypten wird es in Israel zwar zunächst Energieengpässe geben, doch schon bald wird Israel eigene Gasfelder vor der Küste erschlossen haben und die Röhren aus dem Sinai sowieso nicht mehr benötigen.

Anzeige

Gut möglich ist auch, dass die in Kairo zurzeit noch herrschenden Generäle das unter den Ägyptern äußerst unbeliebte Handelsabkommen mit Israel aus blankem Populismus gekündigt haben. Denn das Energiegeschäft mit Israel aus dem Jahr 2005 ist auch hochpolitisch. Günstlinge des vertriebenen und unbeliebten Mubarak haben offenbar in korrupter Weise daran verdient. Die Gasleitungen auf dem Sinai wurden zum Frühindikator für die Probleme im Süden Israels, denn gleich mit Beginn der Anti-Mubarak-Proteste wurden sie regelmäßig bombardiert. Anschläge, die von erheblichen Sicherheitsproblemen auf dem Sinai kündeten, die die aktuelle Militärregierung nicht in den Griff bekommt. Im August starben infolge mehrerer koordinierter Terrorattacken nahe dem israelischen Badeort Eilat an der Grenze zum Sinai 8 Menschen, 25 wurden verletzt.

Mehrheit der Ägypter will Camp David nicht

Auf die Sicherheitsprobleme reagiert Israel mit dem Bau eines Zauns zum Sinai. Doch über dem Gas und dem Sinai dräut die viel weiterreichende Frage des politischen Zerwürfnisses beider Staaten, die über den Friedensvertrag von Camp David aus dem Jahr 1979 miteinander verbunden sind. Das Gros der Ägypter ist Israel gegenüber negativ eingestellt, und inzwischen ist auch bekannt, dass die Mehrheit Camp David nicht weiterführen will. Entsprechend ausweichend äußern sich die ägyptischen Präsidentschaftskandidaten über die Zukunft des Vertrages, beispielsweise der chancenreiche Muslimbruder Mohammed Mursi .

Das erste Parlament der Post-Mubarak-Ära wird jetzt von den Islamisten der Muslimbruderschaft und der Salafisten-Bewegung dominiert, und der nächste Präsident wird wahrscheinlich nicht eben israelfreundlich sein. Das muss zwar nicht die Aufkündigung von Camp David bedeuten, doch käme es tatsächlich zum Äußersten, müssten die Europäische Union und die USA für die Aufrechterhaltung eines Friedensabkommens sorgen. Israel braucht Sicherheitsgarantien, allein aufgrund seiner geografischen Lage.

Eine gute Lösung wäre dann ein gänzlich neuer Friedensvertrag. Einer, der von der gewählten Regierung Ägyptens mit Israel ausgehandelt wird und nicht mehr mit der Ära Mubarak in Verbindung steht. Zudem wird Ägypten ohne ökonomische Hilfe aus dem Ausland nicht auskommen. Der Westen kann diese leisten und dabei Bedingungen zur Hilfe auch an ein Sicherheitsabkommen mit Israel knüpfen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. "Unterscheiden sie bitte zwischen Palästinenser und den Söhnen und Töchtern Abrahams (Araber)."

    Abgesehen davon, dass Ihre Abgrenzung von Palaestinensern und Arabern unklar und abwegig ist: nach Ihrer o.g. Definition sind die Juden also auch Araber. Vielen dank, dass Sie das geklaert haben :-)

    So viel Unwissenheit ist schon fast erheiternd.

    Antwort auf "Palästinenser??"
  2. ist im Prinzip gar nichts falsch.

    Allerdings verstoesst eine Vertragspartei (Israel) staendig dagegen.

    Antwort auf "Abkommen?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wodurch?

  3. Wir wollen zunächst festhalten: es hat in der Vergangenheit Verhandlungen gegeben (auch VOR der Regierung Netanyahu) und auch diese waren nicht erfolgreich. Sicher aus vielen Gründen und ich sage ja nicht, dass NUR die Pal. verantwortlich sind. Aber ich denke, es ist auch nicht richtig, NUR die Israelis für verantwortlich zu halten.

    Rabin (der im Übrigen eine Menge neue Siedlungen hat bauen lassen) ist nicht von der "israelischen Rechten" umgebracht worden, sondern von einem Einzeltäter. Was sagt das? Nichts!

    Antwort auf "entschuldigung, rudi"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    herr rabin ist in der zeit vor dem anschlag in der rechten presse gezielt diffamiert und entmenschlicht worden. indem man jemandem das menschsein abspricht (und das auch noch öffentlich und in der zeitung!) setzt man standards, an denen ein attentäter sich orientiert. einzeltäter? ja. billigung durch teile der rechten? ebenfalls ja.
    und das sagt eben sehr wohl etwas aus.

    im übrigen liegt es mir fern, irgend jemand alleine verantwortlich zu machen. allerdings, und das muss ich doch loswerden, erscheinen mir die zugeständnisse, die die palästinenser bisher gemacht haben deutlich substantieller als die israelischerseits, um es einmal vorsichtig zu formulieren.
    israel zum beispiel sieht jerusalem als unteilbare hauptstadt israels, ewig israelisch, niemals verhandelbar. dass das den palästinensern ähnlich ernst ist, dass sie jerusalem als ihre hauptstadt sehen werden sie wenn schon nicht gutheissen, so doch wenigstens intellektuell nachvollziehen können.

  4. Wodurch?

    Antwort auf "An dem Abkommen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

  5. @1: "Ungehemmter Siedlungsbau auf fremden Grund, Landraub, Wasserraub bei den Palästinensern etc. sind eben keine gute Grundlage für ein friedliches Zusammenleben..." Das sehen viele Israelis auch so. Liebe Zeit-Redaktion, vielleicht sollten Sie einmal die Kritiker der Netanjahu-Regierung in Haaretz lesen - oder gar mal in der ZEIT zu Wort kommen lassen. Nicht alle Israelis sind fanatische Siedlungsbauer. Eine differenzierte Darstellung der Politik des Likud stünde einem liberalen Blatt gut zu Gesicht. Hier ein paar Zitate aus Haaretz zur Einstimmung: "Israeli and world leaders must stop using the Holocaust for political goals" = Headline eines Artikels vom 18.04.2012. "...Netanyahu's Israel is building the delegitimization of the country. We are lumping together not only our enemies, but also friends and Jews wherever they are..." >> Haaretz 20.04.2012

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hier ein paar Zitate aus Haaretz zur Einstimmung:
    Was hat das Geschreibsel einer kleinen liberalen Minderheit für Auswirkungen auf die Politik einer Regierung, die aus Parteien besteht die als Mischung aus Taliban und NPD zu bezeichnen noch sehr freundlich wäre (z.B. Schas)?

    Die Antwort darauf gibt die Realität der Siedlungspolitik.

  6. herr rabin ist in der zeit vor dem anschlag in der rechten presse gezielt diffamiert und entmenschlicht worden. indem man jemandem das menschsein abspricht (und das auch noch öffentlich und in der zeitung!) setzt man standards, an denen ein attentäter sich orientiert. einzeltäter? ja. billigung durch teile der rechten? ebenfalls ja.
    und das sagt eben sehr wohl etwas aus.

    im übrigen liegt es mir fern, irgend jemand alleine verantwortlich zu machen. allerdings, und das muss ich doch loswerden, erscheinen mir die zugeständnisse, die die palästinenser bisher gemacht haben deutlich substantieller als die israelischerseits, um es einmal vorsichtig zu formulieren.
    israel zum beispiel sieht jerusalem als unteilbare hauptstadt israels, ewig israelisch, niemals verhandelbar. dass das den palästinensern ähnlich ernst ist, dass sie jerusalem als ihre hauptstadt sehen werden sie wenn schon nicht gutheissen, so doch wenigstens intellektuell nachvollziehen können.

    Antwort auf "Realität "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Man kann lange darüber streiten, wer welchen Anteil hat. Ich stehe hier ja nicht, und sage, dass die Israelis nicht auch ihren Anteil am bisherigen Scheitern der Verhandlungen haben. Grundsätzlich scheint mir aber, dass die israelische Seite (und insbesondere auch die Bevölkerung) wesentlich klarer darüber ist, dass eben nur ein Kompromiss die Lösung des Konfliktes bringen kann - das sind die Vorteile der Demokratie.
    Im Grunde weiß jeder, dass Jerusalem eine Art Teilung durchmachen wird als Teil einer möglichen Lösung.

  7. 215. [...]

    Gezielte aussergesetzliche Ermordungen fremder Staatsangehoeriger in Drittstaaten, Bombardierung ziviler Ziele in Gaza und Libanon mit Kriegswaffen, die international verpoent sind, Verhaftung tausender "Terroristen", die teilweise jahrzehntelang widerrechtlich und ohne Gerichtsverhandlung festgehalten werden, Nichtachtung so ziemlich saemtlicher UN-Resolutionen, Nichtunterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags, Piraterie in internationalen Gewaessern seit den siebziger Jahren, illegale Annektierung fremden Staatsgebietes, ethnische Saeuberung der Westbank und grossangelegter Bau illegaler Siedlungen, Veranstaltung von gelegentlichen Massakern an Zivilisten in Nachbarlaendern durch Israel und vieles mehr - und dann haben Sie noch die Chuzpe, sich darueber zu mokieren, dass die Nachbarn sich dadurch "gestoert" fuehlen...

    [...]

    Gekürzt Bitte verzictehn Sie auf Unterstellungen und Beleidigungen. Danke, die Redaktion/se

    Antwort auf "Wirklich seltsam"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie ergehen sich hier in persönlichen Beleidigungen, nur weil ich andere Auffassungen als Sie haben.
    Ihre Darlegung des Konfliktes ist - wie immer - einseitig und unsachlich. Was soll das bringen? Wen gedenken Sie zu überzeugen?

  8. Sie ergehen sich hier in persönlichen Beleidigungen, nur weil ich andere Auffassungen als Sie haben.
    Ihre Darlegung des Konfliktes ist - wie immer - einseitig und unsachlich. Was soll das bringen? Wen gedenken Sie zu überzeugen?

    Antwort auf "[...]"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Meinungen". Sondern um die schlichte Anerkennung von Fakten, und nahezu alle Stichpunkte, die Doktor_Faust aufzählt, sind Fakten mit wenig Interpretationsspielraum. Man kann diese Fakten leugnen, ignorieren, mit anderen Fakten moralisch aufrechnen oder sie anders verschlagworten, es spielt keine Rolle. Diese Dinge sind geschehen und geschehen munter weiter, es sind reale Vorgänge in unserer Welt: Ein schwaches, unterdrücktes Volk wird als übermächtiges Böses dargestellt, ein wohlhabendes, militärisch weit überlegenes und von mächtigen Verbündeten unterstütztes Volk als Opfer.

    Ihre psychoanalytischen Spekulationen hingegen stehen ziemlich dürftig da, alleine schon, weil sie weder beweis- noch widerlegbar sind. Vorgänge wie die Bombardierung von Wohnvierteln mit Phosphorbomben sind knallharte, überprüfbare und wohldokumentierte Fakten. Vielleicht sollte man für eine "Meinung" erstmal diesen Fakten Rechnung tragen und dann Spekulationen darüber aufbauen.

    Wenn Sie allerdings genannte Fakten miteinbeziehen, fällt Ihre ulkige Annahme, Israel sei an Frieden überhaupt interessiert, ganz schnell zusammen wie ein Kartenhaus. Barak, Lieberman und Netanjahu sind daran interessiert, noch ganz schnell Landgewinne einzustreichen, bevor Israel durch externen Druck dazu gezwungen wird, seine aggressive Siedlungspolitik einzustellen - selbst, wenn bis dahin noch Jahre vergehen sollten.

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.

    die Ihnen nicht passen, sind also unsachlich.

    Und Ihre Geschichtslegenden, die sich von Propaganda der israelischen Rechtsradikalen nicht in einem Komma unterscheiden, halten Sie fuer "ausgewogen".

    Das haben wir also geklaert. Vielen Dank fuer diese Klarstellung.

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Europäische Union | Hisbollah | Israel | Mohammed Mursi | Anschlag | Bürgerkrieg
Service