US-Präsident Barack Obama weiß nach dem Rückzug des Republikaners Rick Santorum so gut wie sicher, mit wem er es im Wahlkampf zu tun bekommt. Sein Gegner wird Mitt Romney heißen. Bereits kurz nach Santorums Verzicht verschickte Obamas Wahlkampfteam eine E-Mail an die Unterstützer des Präsidenten, in der es hieß: "Je mehr die Amerikaner von Mitt Romney sehen, desto weniger mögen sie ihn und desto weniger vertrauen sie ihm." Romney wurde bezichtigt, sich die Präsidentschaft mit negativer Wahlwerbung erkaufen zu wollen. Bei einem Auftritt in Palm Beach Gardens ( Florida ) sagte Obama, dass nun zwei völlig unterschiedliche politische Visionen aufeinanderträfen. Bei der Wahl am 4. November gebe es wahrscheinlich den größten Kontrast zwischen den Kandidaten seit fast fünf Jahrzehnten.

Nachdem Romney seinen schärfsten innerparteilichen Konkurrenten los ist, hat er seine Partei aufgerufen, sich auf den Wahlkampf gegen Obama zu konzentrieren. Romney nannte Santorum einen "fähigen und würdigen Mitbewerber". Er beglückwünschte seinen erzkonservativen Rivalen zu dessen Erfolgen in den Vorwahlen: "Er hat sich als eine wichtige Stimme in unserer Partei und in unserer Nation bewiesen." Romney versuchte in seiner ersten Reaktion auf Santorums Rücktritt, die deutlich gewordenen Differenzen vergessen zu machen: "Wir beide erkennen, dass es am wichtigsten ist, die Fehler der vergangenen drei Jahre zu überwinden und Amerika zurück auf den Pfad des Wohlstands zu führen."

Gründe für das Ende seiner Kampagne nannte Santorum in seiner Rede vor Anhängern in Gettysburg im US-Bundesstaat Pennsylvania nicht. Er sagte auch nicht, ob er Romney oder einen der verbliebenen Bewerber Ron Paul oder Newt Gingrich unterstützen wird. Der Name des mutmaßlichen Präsidentschaftskandidaten Romney kam Santorum nicht über die Lippen. Santorum deutete jedoch an, dass er seine politische Karriere fortsetzen will: "Obwohl dieses Präsidentschaftsrennen für mich vorbei ist und wir unseren Wahlkampf ab heute einstellen, ist unser Kampf noch nicht vorbei." Er wolle "weiter für die Amerikaner kämpfen, die aufgestanden sind und die uns beflügelt haben".

Möglicherweise hat der Rückzug mit seiner Familie zu tun: Santorums dreijährige Tochter Isabella leidet unter einem seltenen genetischen Defekt und war am Wochenende in eine Klinik gebracht worden. Der 53-jährige Senator verlor allerdings zuletzt in Umfragen deutlich; ein Sieg in seinem Heimatstaat Pennsylvania bei der Vorwahl am 24. April erschien unwahrscheinlich. Seine Wahlkampfkasse war längst nicht so gut gefüllt wie die von Romney. Für den Favoriten des Partei-Establishments kommt die Vorentscheidung zur rechten Zeit: Ein sich lange hinziehendes parteiinternes Ringen um die Nominierung hätte seine Finanzen empfindlich geschwächt und die Trennung zwischen der Parteiführung und den Erzkonservativen an der Basis befördert.

Um auf dem republikanischen Nominierungsparteitag Ende August gekürt zu werden, muss ein Bewerber bei den Vorwahlen mindestens 1.144 Delegierte hinter sich bringen. Der Webseite realclearpolitics.com zufolge erreichte Romney bislang 656 Wahlmännerstimmen, Santorum dagegen erst 272. Die Delegierten, die Santorum bislang hinter sich brachte, dürften für Romney stimmen, sagte der Politikprofessor Jamie Chandler vom Hunter College.

Obama liegt vor Romney in den Umfragen

In jüngsten Umfragen liegt Obama klar vor Romney. Einer am Dienstag von der Washington Post veröffentlichten Erhebung zufolge würde der Amtsinhaber den Ex-Gouverneur derzeit mit 51 zu 44 Prozent schlagen , wenn sich die beiden in einer Wahl gegenüberstünden. Bei den Beliebtheitswerten hatte Obama sogar einen Vorsprung im zweistelligen Bereich. Allerdings traute eine Mehrheit der Befragten Romney eine bessere Wirtschafts- und Haushaltspolitik zu.

Obama nutzte seine Reise nach Florida, um für seine Steuerpläne zu werben, die einen Mindestsatz für Millionäre von 30 Prozent vorsehen. Diese nach dem Multimilliardär Warren Buffet benannten Regel solle zu mehr sozialer Gerechtigkeit führen. Derzeit führen viele Einkommensmillionäre einen deutlich geringeren Prozentsatz ab. Romney, der Obamas Steuerpläne ablehnt, kam im vergangenen Jahr lediglich auf 14 Prozent.

Die Wall Street hat obendrein in den Kandidaten Romney viel Geld investiert. Seine Spenderliste liest sich wie ein Who is who der Finanzwirtschaft: Manager samt Angehörigen und ihnen verbundene Komitees von Goldman Sachs , JPMorgan Chase, Morgan Stanley , Credit Suisse , Citigroup und Bank of America haben reichlich gespendet. Allein die Chefs der Börsenschwergewichte, die allesamt mit Staatsgeld vor dem Ruin bewahrt wurden, zahlten 1,8 Millionen Dollar für Romney.

Unter den 20 größten Spendern für Obama war 2011 mit Goldman Sachs nur eine Wall-Street-Firma. Sie gab für den Präsidenten eher magere 64.000 Dollar, während sie Romney fast eine halbe Million spendete. "Er ist einer der ihren", sagt Viveca Novak vom Center for Responsive Politics, das die Wahlkampf-Finanzierung analysiert. Die Finanzwirtschaft glaube die Ziele Romneys zu kennen: "Da erstaunt es nicht, dass sie ihn unterstützt."