US-Wahlkampf: Warum Romneys Konkurrenten nicht aufgeben
Mitt Romney ist als Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner quasi gesetzt, doch seine Mitbewerber machen weiter. Wieso eigentlich?
© Don Emmert/Getty Images

Ron Paul, Rick Santorum, Mitt Romney und Newt Gingrich bei einer Fernsehdebatte
Wer rechnen kann und die Umfragen liest, weiß nach dem Dreifachsieg von Mitt Romney bei den jüngsten Vorwahlen der US-Republikaner: Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur ist gelaufen. Sein ärgster, aber weit zurück liegender Konkurrent Rick Santorum beschwört zwar tapfer, es sei erst Halbzeit. Doch der Favorit hat sich nun bereits mehr als 650 der Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im August gesichert, 1.144 sind die nötige Mehrheit.
Santorum hat gerade einmal knapp 270 Delegierte auf seiner Seite, die übrigen Kandidaten sind noch deutlicher abgeschlagen: Newt Gingrich zählt rund 140, Ron Paul nicht einmal 70 Delegierte.
In den ausstehenden Staaten dürfte Romney nach aktuellen Umfragen weitere Erfolge verbuchen. Er hat das Geld, inzwischen auch die Unterstützung wichtiger republikanischer Fürsprecher und ist auch organisatorisch bestens aufgestellt. Seinen Vorsprung wird keiner der Konkurrenten mehr aufholen können.
Dennoch wollen Santorum, Gingrich und Paul Romney das Feld nicht überlassen. Die Stimmen werden lauter, die ihnen vorwerfen, damit der Partei zu schaden. Denn eigentlich könnte der zermürbende interne Kampf um die Kandidatur nun beendet sein.
Die Republikaner könnten sich geschlossen hinter dem eigentlich unausweichlichen Kandidaten versammeln, um ihn gegen Präsident Obama für die Wahl im November zu stärken. Der Amtsinhaber hat sich inzwischen selbst schon auf Romney als Gegner eingeschossen, auf wen auch sonst. Was also steckt wirklich hinter dem unbeirrbaren Durchhaltewillen der geschlagenen Bewerber?
Ron Paul macht weiter, weil er kann
Am einfachsten lässt sich noch die Motivation Ron Pauls erklären. Dabei hatte der libertäre Außenseiter seiner Partei von Beginn an nicht den Hauch einer Chance auf die Nominierung. Für ihn geht es nicht darum, zu gewinnen, wie er selbst längst eingeräumt hat. Dafür liegen seine Einstellungen auch zu weit ab vom politischen Mainstream.
Viel wichtiger ist für den exzentrischen Kongressabgeordneten aus Texas die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit, die seine mittlerweile dritte Kampagne mit sich bringt. Seine Anhänger mögen ihm nicht zu einem Sieg verhelfen können, doch schafft es der 76-Jährige wie kein zweiter, eine regelrechte Bewegung hinter sich zu versammeln, deren Enthusiasmus geradezu legendär ist.
Das schier unermüdliche Engagement seiner Anhänger legt auch eine solide, wenn auch kleine finanzielle Basis für Pauls Bemühungen. Er macht im Grunde weiter, weil er es kann und weil er etwas zu sagen hat. So lange das möglich ist, genießt er die Plattform, die ihm der Wahlkampf bietet. Und sammelt dabei genug Delegiertenstimmen, dass man ihn nicht als völlig irrelevante Stimme abtun kann. Die Krönung wäre für Paul, wenn er auf dem Parteitag im August seine Überzeugungen in einer großen Rede verteidigen könnte.
Newt Gingrich macht weiter, weil er muss
Für Newt Gingrich ist es hingegen wirklich vorbei. Als starkes Signal dafür machten US-Medien zuletzt eine vermeintliche Kleinigkeit aus: Wenn sich Anhänger bei den Wahlkampfveranstaltungen mit dem Kandidaten ablichten lassen möchten, gibt es das Erinnerungsfoto neuerdings nicht mehr kostenlos. Ob die geforderten 50 Dollar das schrumpfende Budget seiner Kampagne retten werden, ist allerdings fraglich.
Gingrich ist nahezu pleite und musste deshalb vor Kurzem ein Drittel seiner festen Mitarbeiter entlassen. Aus dem gleichen Grund wird man ihn nicht mehr sonderlich viel reisen sehen und eine Verlagerung seiner Werbestrategie weg von teuren Fernsehspots erleben. Jüngst zogen sich auch die letzten beiden verbliebenen Reporter zurück, die seine Kampagne noch permanent begleiteten. Gingrich ist einfach zu unwichtig geworden.




Weil Nachgeben, Rationalität und Ensicht nicht zu den Attributen religiöser Fanatiker zählt.
....auch.
Der amerikanische Wahlkampf ist rücksichtslos, respektlos, gierig und....faszinierend!
Rücksichtslos ist die Art und Weise mit der sich die Kandidaten der GOP gegenseitig diskreditieren die in Deutschland selbst zwischen unterschiedlichen Parteien undenkbar wäre.
In den Wahl-Werbespots werden nicht die eigenen Qualitäten betont, sondern es wird ausschließlich der Gegner "behandelt".
Santorum poltert auf jeder Rede, dass Romney "the worst Republican" sei, Romney selbst spricht Santorum jeglichen ökonomischen Sachverstand ab...
Respektlos ist der Wahlkampf vor allem gegenüber dem eigenen Präsidenten Obama - er wird nicht nur als Versager auf ganzer Linie dargestellt (das wäre lediglich rücksichtslos) sondern als großes Unglück für Amerika und unkalkulierbares, existenzielles Risiko - als eine Verschwörung des Bösen.
Der neue Spot "Obamaville" von Santorum ist ein Paradebeispiel dafür.
Gierig ist der Wahlkampf, weil er rücksichtslos und respektlos ist. Dem eigenen Erfolg wird alles untergestellt, moralisches Verhalten existiert nicht mehr.
Aber dieser Kampf ist auch fazinierend, weil er so roh und erbittert ist.
Ein Ausrutscher, wie Rick Perrys Gedächnislücke bedeutet sofortigen K.O.
Für Deutschland ist es völlig egal wer President wird, in internationaler Sicherheits-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik unterscheiden sich die Demokraten ohnehin nur marginal von den Republikanern.
Also bitte! Als würde Santorum das entscheiden...
Die Sponsoren, die bereits Milliarden in ihr Produkt (den jeweiligen Präsidentschaftskandidaten) investiert haben, sind nicht davon zu begeistern so einfach los zu lassen. Dies wäre gleichbedeutend mit dem Eingeständnis der eigenen Unterlegenheit, welches US-Amerikanern traditionell schwer fällt. So lassen die Super-PACs ihren Hampelmann noch ein paar Runden tanzen.
Außerdem ist die Aufmerksamkeit für Politik in den USA generell gering. Im Präsidentschaftswahlkampf aber leicht erhöht. Je länger die Kandidaten den christlichen Fundamentalismus und den ganzen Macht-die-Reichen-reicher-dann-geht-es-allen-besser-Quatsch öffentlichkeitswirksam vor laufenden Kameras predigen können, desto höher auch die Chance, dass die republikanische Propaganda fruchtet und deren Gedankengut allgemein akzeptiert wird.
Wo demonstrieren Leute dagegen krankenversichert zu sein? Richtig: ich grüße aus Los Angeles.
... vor borniert marktliberalen rassisten, halsstarrig eifernden frömmlern und deren hirnlosen fanmaschinen. man kann nur hoffen dass dieser verbissene trotz der republikaner historisch in die bredouille geht.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren