US-WahlkampfRomney und der Santorum-Effekt

Der Gegner für Präsident Obama bei der US-Präsidentschaftswahl steht fest. Doch das Duell mit dem ultrakonservativen Rick Santorum hat den Sieger Mitt Romney geschwächt.

Mitt Romney bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wilmington, Delaware

Mitt Romney bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wilmington, Delaware

Im Grunde war es längst klar, doch jetzt führt kein Weg mehr daran vorbei: Mitt Romney wird der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner. Die beiden verbliebenen Mitbewerber, Ron Paul und Newt Gingrich, haben keine Chance mehr, den Vorsprung des Favoriten aufzuholen. Der vorzeitige Ausstieg seines schärfsten Konkurrenten Rick Santorum hat Romney von der Last befreit, einen zermürbenden Vorwahlkampf zu führen, statt sich auf den wirklichen Gegner, Amtsinhaber Barack Obama, konzentrieren zu können. Am Dienstag, so viel steht fest, hat das Rennen um das Weiße Haus endgültig begonnen.

Romney könnte nun gestärkt auf die Wahl im November zusteuern und seine Kampagne viel fokussierter fortführen, möchte man glauben. Nachdem der ärgste parteiinterne Widersacher aus dem Weg ist, sollten sich auch die Republikaner endlich geschlossen hinter dem unausweichlichen Kandidaten versammeln können. Doch die Auseinandersetzung mit dem ultrakonservativen früheren Senator aus Pennsylvania war nicht nur lästig und teuer für Romney. Sie hat ihm auch inhaltlich geschadet und seine Erfolgsaussichten gegen Obama im November geschmälert.

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Dem rechten Flügel seiner Partei war Romney von Beginn an nicht konservativ genug. Geht man davon aus, dass die Wahl immer noch von der politischen Mitte entschieden wird, musste er das vielleicht auch gar nicht sein. Bis Santorum ihn dazu zwang. Ohne diese Herausforderung wäre es Romney sicher leichter gefallen, seinen gemäßigten Positionen treu zu bleiben. Er hätte trotzdem das eine oder andere Signal nach rechts senden können, ohne die so wichtigen Wechselwähler des politischen Mainstreams allzu sehr zu befremden.

Doch Santorum hat den früheren Gouverneur von Massachusetts auf vielen Gebieten nach rechts rücken lassen. Vor allem Santorums religiös-fundamentalistische Einstellungen zu Abtreibung und Verhütung, gleichgeschlechtlicher Ehe oder generell in der Familienpolitik haben auf diese Weise dem Wahlkampf nachhaltig seinen Stempel aufgedrückt.

Hardliner Santorum hat Romney härter gemacht

Um gegen diesen Hardliner bestehen zu können, sah Romney keine andere Möglichkeit, als ebenfalls härter zu werden – nicht nur bei vermeintlich weichen Themen, sondern etwa auch in Steuerfragen. Das lässt ihn nun zwar mit Blick auf die Konservativen besser dastehen, hat ihn jedoch in eine Ecke gedrängt, aus der er so schnell nicht wieder herauskommen kann. Zugleich hat die Auseinandersetzung eine ganz deutliche Schwäche Romneys aufgezeigt, wenn es um die unentschlossenen Wähler geht: Santorum konnte oftmals herausstellen, wie nah sich Obama und Romney inhaltlich sind. Doch letztlich dürfte das Romneys Profil nur gutgetan haben.

Viel wird davon abhängen, ob es Romney gelingt, dem moralischen Kulturkampf aus dem Weg zu gehen und den Fokus wieder stärker auf jene Felder zu lenken, auf denen er im Vorteil gegenüber dem Amtsinhaber ist: der Wirtschaftspolitik zum Beispiel. Da nämlich trauen die Amerikaner jüngsten Umfragen zufolge Romney mehr zu als Obama. Wohingegen vor allem der mit 19 Prozentpunkten sehr deutliche Vorsprung des Präsidenten bei weiblichen Wählern zeigt, wo Romney dank Santorum an Boden verloren hat.

Wie also wird der Wahlkampf aussehen? Romney wird versuchen, Obama vor allem für die weiter kränkelnde amerikanische Wirtschaft verantwortlich zu machen, während Obama sich im Gegenzug bereits auf das Thema soziale Gerechtigkeit eingeschossen hat. Sicher aber wird er Romney auch immer wieder all das vorhalten, was ihn in den vergangenen Monaten für die Mitte der Gesellschaft weniger wählbar gemacht hat. Bis zum November ist für Romney noch viel Zeit, sich vom Santorum-Effekt zu erholen, aber Obama wird nicht locker lassen, wenn er klug ist.

Vor diesem Hintergrund ist besonders interessant, was Santorum nach seinem Ausstieg aus dem Rennen tun wird. Romney dürfte großes Interesse daran haben, ihn in seine weitere Kampagne einzubinden. Zusammen könnte es ihnen gelingen, den Mainstream zu bedienen und dennoch Wähler jenseits der Mitte anzusprechen. Erste Signale dafür gibt es bereits: Romney hat seinen Widersacher für seine Arbeit gelobt, sie sei ein wichtiger Beitrag zum politischen Prozess gewesen. Gerade weil er für seine Themen so viel Unterstützung habe gewinnen können, werde er weiterhin eine wichtige Rolle in der Partei spielen: "Ich freue mich auf die Arbeit, die er leisten wird, um im November Erfolge für die Republikaner im ganzen Land zu sichern."

 
Leserkommentare
  1. 'Die Schwulenehe will er per US-Verfassung verbieten, die Evolutionstheorie stellt er öffentlich infrage. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur globalen Erwärmung nennt er absurd. Ginge es nach ihm, wären Abtreibungen auch bei Vergewaltigungen und Inzest verboten. Auch in außenpolitischen Fragen greift er zu harter Rhetorik: Im Atomstreit mit Iran etwa fordert er einen Kriegseinsatz.

    Unerschrocken setzt der Katholik seine Religiosität im Wahlkampf ein, führende Evangelikale haben ihn deshalb geschlossen als ihren Kandidaten gekürt. Doch nicht allein dies und seine mitunter radikalen Ansichten sind die Markenzeichen des Rechtsanwalts und Volkswirts. Er zeigt sich auch als treusorgender Familienvater, der am liebsten Pullunder über seinen Hemden trägt.' http://www.zeit.de/news/2...

    Wahrscheinlich sind mit 'sozial-konservativ' die Pullunder gemeint...

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    • tom310
    • 10.04.2012 um 22:26 Uhr

    wenn diese Positionen in einer aufgeklärten Welt nicht mehr vertretbar sind. Es gibt genügend Menschen auf der Welt, die für ihre glaubwürdig vertretene Haltung zur Recht isoliert oder sogar eingesperrt werden (Breivik ist auch glaubwürdig und dennoch ein kompletter Idiot).

    5 Leserempfehlungen
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    • tom310
    • 10.04.2012 um 21:40 Uhr

    Die Rechtsaußen bekommen nicht mal in der republikanischen Partei eine Mehrheit.
    Warum kontrollieren sie dennoch die US-Politik?
    Reicht es einfach nur, wenn man am lautesten schreit?

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    - "Die Rechtsaußen bekommen nicht mal in der republikanischen Partei eine Mehrheit.
    Warum kontrollieren sie dennoch die US-Politik? Reicht es einfach nur, wenn man am lautesten schreit?" -

    Nein, das reicht nicht. Darum kontrolliert 'Rechtsaussen' auch nicht die US-Politik. Die Frage ist hier wohl mehr, wie man 'Rechtsaussen' definiert. Wer alles von einem 'Linksaussen Standpunkt' beurteilt, dem wird schnell alles 'zu rechts' sein.

    - "Die Rechtsaußen bekommen nicht mal in der republikanischen Partei eine Mehrheit.
    Warum kontrollieren sie dennoch die US-Politik? Reicht es einfach nur, wenn man am lautesten schreit?" -

    Nein, das reicht nicht. Darum kontrolliert 'Rechtsaussen' auch nicht die US-Politik. Die Frage ist hier wohl mehr, wie man 'Rechtsaussen' definiert. Wer alles von einem 'Linksaussen Standpunkt' beurteilt, dem wird schnell alles 'zu rechts' sein.

    • Thems
    • 10.04.2012 um 22:20 Uhr

    Es war abzusehen, aber ich bin dennoch erleichtert. Mitt Romney ist auch keine wirklich gute Wahl, aber Santorum war mir beinahe schon unheimlich, so rechts-konservativ wie manche seiner Aussagen waren.

    Letztlich müsste die Wahl dieses mal recht einfach für Obama sein. Romney und Gingrich sind Clowns mit Fettnäpfchen-Suchmaschine.

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    wäre aber wohl insgesamt der leichteste Gegner für Obama geworden.

    wäre aber wohl insgesamt der leichteste Gegner für Obama geworden.

    • negve
    • 10.04.2012 um 23:15 Uhr

    Genau, Position beziehen. Diese Person sagte zum Beispiel. Wenn eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger wird soll sie das Kind nicht abtreiben dürfen, sie soll es als Geschenk Gottes betrachten.

    Da verzeichte ich gerne auf klare "Positionen".

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    • awaler
    • 10.04.2012 um 23:24 Uhr

    und wirft kein gutes Licht auf Amerika, dass ein solcher Mensch es so weit bringen konnte, dass er in einigen amerikanischen Bundesstaaten eine deutliche Stimmenmehrheit für seine Nominierung erhielt. Man denke nur an seine unwahre Darstellung zum Thema Eutanasie in den Niederlanden, von anderen Dingen ganz zu schweigen.
    Dieser Mann hätte nicht einmal im schwärzesten CSU-Wahlkreis eine Chance gehabt.

    Der noch verbleibende Kandidat Romney ist auch nicht gerade ein strahlendes Licht, und somit hat Obama eigentlich Glück. Obama hat viel falsch gemacht, aber so viel falsch machen, dass er im November gegen Romney verliert, kann er nach europäischem Ermessen nicht.
    Aber da liegt der Haken. In einem Land, das einen George W. Bush wieder(!)gewählt hat (ob es bei der ersten Wahl korrekt zuging, ist unklar), muss man mit allem rechnen. Der Fall Santorum hat es nochmals bewiesen.

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    • negve
    • 11.04.2012 um 0:10 Uhr

    Genau, am besten wir falten die Hände für einen weiteren Kriegstreiber und verblendeten Evangelisten. NOT.

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  2. Wenigstens gibt die christlich-erzkonservative Rechte auf. Nun kann wie gewohnt der plutokratische Kandidat antreten. Wenigstens keine Kombination von beidem wie bei Bush.

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