Anhänger von Mohammed Mursi, dem Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft © Khaled Desouki/AFP/Getty Images

Die ägyptische Wahlkommission hat die endgültige Liste der Kandidaten für die erste Runde der Präsidentenwahl am 23. Mai bekannt gegeben. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten die Islamisten Abdel Moneim Abul Futuh und Mohammed Mursi sowie der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, und der linke Aktivist Hamdien Sabahi, der bei der sogenannten Revolutionsjugend viel Respekt genießt.

Die Kommission wehrte sich gegen die "Drohungen und Verdächtigungen" der Anhänger von Kandidaten, die abgelehnt worden waren. Sie veröffentlichte außerdem Dokumente, die beweisen sollten, dass die verstorbene Mutter des Salafistenpredigers Hasem Abu Ismail Staatsbürgerin der USA war. Abu Ismail hatte dies bestritten und gegen seinen Ausschluss durch die Kommission protestiert. Nach ägyptischem Recht darf sich niemand um das Präsidentenamt bewerben, dessen Vater oder Mutter eine andere Staatsbürgerschaft besitzt.

Unklar bleibt, ob der Wunschkandidat des Militärs, Ahmed Schafik , das Amt im Falle seiner Wahl antreten dürfte. Das von Islamisten dominierte Parlament hatte ein Gesetz verabschiedet, das die Kandidatur von Top-Funktionären des alten Regimes verbietet . Die Wahlkommission hatte die Bewerbung von Schafik abgelehnt, den Mubarak noch kurz vor seinem Rücktritt im Februar 2011 zum Regierungschef ernannt hatte. Am Mittwoch jedoch gab die Wahlkommission einem Einspruch Schafiks statt, da dieses Gesetz wahrscheinlich gegen die Verfassung verstoße. Endgültig soll dies nun das Verfassungsgericht klären.

Islamisten streiten über den richtigen Kandidaten

Unter den radikalen Islamisten ist vier Wochen vor der Abstimmung ein Richtungsstreit ausgebrochen. Ägyptische Medien berichteten, innerhalb der salafistischen "Partei des Lichts" werde darüber gestritten, ob man nach dem Ausschluss von Abu Ismail eine Wahlempfehlung für Mursi oder für Abul Futuh abgeben sollte. Von den Anhängern der "Partei des Lichts" könnte abhängen, wer die Stichwahl erreicht. Im Parlament stellt die Partei rund ein Viertel der Abgeordneten.