Ägypten13 Kandidaten kämpfen um Mubaraks Nachfolge

Die Bewerberliste für die ägyptische Präsidentenwahl ist vorerst komplett. Auch der letzte Regierungschef des alten Regimes tritt wohl an. von afp und dpa

Anhänger von Mohammed Mursi, dem Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft

Anhänger von Mohammed Mursi, dem Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft  |  © Khaled Desouki/AFP/Getty Images

Die ägyptische Wahlkommission hat die endgültige Liste der Kandidaten für die erste Runde der Präsidentenwahl am 23. Mai bekannt gegeben. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten die Islamisten Abdel Moneim Abul Futuh und Mohammed Mursi sowie der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, und der linke Aktivist Hamdien Sabahi, der bei der sogenannten Revolutionsjugend viel Respekt genießt.

Die Kommission wehrte sich gegen die "Drohungen und Verdächtigungen" der Anhänger von Kandidaten, die abgelehnt worden waren. Sie veröffentlichte außerdem Dokumente, die beweisen sollten, dass die verstorbene Mutter des Salafistenpredigers Hasem Abu Ismail Staatsbürgerin der USA war. Abu Ismail hatte dies bestritten und gegen seinen Ausschluss durch die Kommission protestiert. Nach ägyptischem Recht darf sich niemand um das Präsidentenamt bewerben, dessen Vater oder Mutter eine andere Staatsbürgerschaft besitzt.

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Unklar bleibt, ob der Wunschkandidat des Militärs, Ahmed Schafik , das Amt im Falle seiner Wahl antreten dürfte. Das von Islamisten dominierte Parlament hatte ein Gesetz verabschiedet, das die Kandidatur von Top-Funktionären des alten Regimes verbietet . Die Wahlkommission hatte die Bewerbung von Schafik abgelehnt, den Mubarak noch kurz vor seinem Rücktritt im Februar 2011 zum Regierungschef ernannt hatte. Am Mittwoch jedoch gab die Wahlkommission einem Einspruch Schafiks statt, da dieses Gesetz wahrscheinlich gegen die Verfassung verstoße. Endgültig soll dies nun das Verfassungsgericht klären.

Islamisten streiten über den richtigen Kandidaten

Unter den radikalen Islamisten ist vier Wochen vor der Abstimmung ein Richtungsstreit ausgebrochen. Ägyptische Medien berichteten, innerhalb der salafistischen "Partei des Lichts" werde darüber gestritten, ob man nach dem Ausschluss von Abu Ismail eine Wahlempfehlung für Mursi oder für Abul Futuh abgeben sollte. Von den Anhängern der "Partei des Lichts" könnte abhängen, wer die Stichwahl erreicht. Im Parlament stellt die Partei rund ein Viertel der Abgeordneten.
 

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Leserkommentare
  1. ...ist das einzige, was ich vor dieser Wahl fühle. Die Leute, die antreten haben zum größten Teil nichts mit der Revolutionsbewegung von 2011 zu tun. Sie machen es sich aber gerne zu nutze, dass sie jetzt am Drücker sind.

    Besonders, wenn man sich ansieht, welche Fraktionen am stärksten im Parlament vertreten sind, welche Kandidaten bei den Wahlen die besten Aussichten haben und wie sich internationale Beziehungen seit dem Sturz Mubaraks verändert haben, muss man sich fragen: Wird es wirklich besser in diesem Land oder wird, wie so oft schon, nur die Pest durch die Cholera ersetzt?

    Bis jetzt sieht es für mich noch immer so aus, also ob den Freiheitlichen ihre Revolution gestohlen wurden, von Leuten, die ganz und garnicht besser sind als Mubarak, sondern lediglich anders klingen.

    Der tosende Beifall aus dem Westen ist ja spätestens dann spürbar leiser geworden, als klar wurde, dass die Muslimbruderschaft mit der größten Fraktion im Parlament vertreten sein wird. Wie immer hatte man es vorher aber viel zu eilig mit den Glückwünschen.

    Ich hoffe für die Ägypter das Beste, befürchte aber das Schlimmste.

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    werden die Aegypter einen gemaessigt islamistischen Praesidenten und eine ebensolche Regierung bekommen, die nur ueberleben koennen wird, wenn sie sich gut mit den USA und dem Westen im allgemeinen stellt und daher auf Einhaltung von Religionsfreieheit und Minderheitenrechte achten wird muessen.

    Das ist allemal um Klassen besser als das extrem korrupte Mubarak-Regime, dass keinerlei demokratische Legitimation hatte und dem die unbeschreibliche Verarmung von 90% der Bevoelkerung voellig egal war und die ihre Herrschaft mit den Mitteln brutalster Unterdrueckung und Folter aufrechterhielt.

    Es wird daher bei weitem nicht so schlimm kommen, wie Sie und manch anderer offensichtlich fuerchten.

    "...wenn sie sich gut mit den USA und dem Westen im allgemeinen stellt und daher auf Einhaltung von Religionsfreieheit und Minderheitenrechte achten wird muessen."

    Sie machen wohl Witze! Saudi-Arabien kann ebenfalls gut mit den USA. Eine Bibel zu besitzen kann dennoch zu einer 10-jährigen Haftstrafe mit 70 Peitschenhieben führen. Auf ein Atheistisches Bekenntnis steht die Todesstrafe! Es gibt keine Kirche, oder Synagoge, o.Ä. in diesem Land, und das schiere Betreten der Stadt Mekka (öffentlicher Raum) ist Nicht-Muslimen untersagt.

    "Es wird daher bei weitem nicht so schlimm kommen, wie Sie und manch anderer offensichtlich fuerchten."

    Ich hoffe ehrlich, dass Sie Recht haben und nicht ich.

  2. werden die Aegypter einen gemaessigt islamistischen Praesidenten und eine ebensolche Regierung bekommen, die nur ueberleben koennen wird, wenn sie sich gut mit den USA und dem Westen im allgemeinen stellt und daher auf Einhaltung von Religionsfreieheit und Minderheitenrechte achten wird muessen.

    Das ist allemal um Klassen besser als das extrem korrupte Mubarak-Regime, dass keinerlei demokratische Legitimation hatte und dem die unbeschreibliche Verarmung von 90% der Bevoelkerung voellig egal war und die ihre Herrschaft mit den Mitteln brutalster Unterdrueckung und Folter aufrechterhielt.

    Es wird daher bei weitem nicht so schlimm kommen, wie Sie und manch anderer offensichtlich fuerchten.

    Antwort auf "Skepsis..."
  3. "...wenn sie sich gut mit den USA und dem Westen im allgemeinen stellt und daher auf Einhaltung von Religionsfreieheit und Minderheitenrechte achten wird muessen."

    Sie machen wohl Witze! Saudi-Arabien kann ebenfalls gut mit den USA. Eine Bibel zu besitzen kann dennoch zu einer 10-jährigen Haftstrafe mit 70 Peitschenhieben führen. Auf ein Atheistisches Bekenntnis steht die Todesstrafe! Es gibt keine Kirche, oder Synagoge, o.Ä. in diesem Land, und das schiere Betreten der Stadt Mekka (öffentlicher Raum) ist Nicht-Muslimen untersagt.

    "Es wird daher bei weitem nicht so schlimm kommen, wie Sie und manch anderer offensichtlich fuerchten."

    Ich hoffe ehrlich, dass Sie Recht haben und nicht ich.

    Antwort auf "Skepsis..."

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  • Quelle AFP, dpa
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Ahmed Schafik | Militär | Bewerbung | Drohung | Parlament
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