Der Amerika-Gipfel im kolumbianischen Cartagena ist am Sonntag ohne eine gemeinsame Abschlusserklärung zu Ende gegangen. Die 30 Staats- und Regierungschefs konnten sich nicht auf eine gemeinsame Position einigen, wie der Gastgeber, der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos , sagte.

Streitigkeiten über Kuba und Drogen sowie eine Sex-Affäre um US-Personenschützer hatten den Auftritt von US-Präsident Barack Obama auf dem Gipfel belastet. Die USA bestanden darauf, Kuba auch künftig die Teilnahme an den Treffen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu verweigern. Eine Gruppe von linken Staatschefs regierter Länder unter Führung Venezuelas hatte daraufhin mit dem Boykott künftiger Treffen gedroht.

Zur Begründung seiner Ablehnung der Einladung Kubas hat Obama auf den Mangel an Demokratie in dem Karibikstaat verwiesen. "Ich hoffe, dass in Kuba ein Wandel im Gange ist", sagte Obama. "Im Gegensatz zu den anderen teilnehmenden Staaten ist Kuba aber noch keine Demokratie geworden und respektiert nicht die grundlegenden Menschenrechte."

Obama wandte sich auch gegen die Forderung einiger lateinamerikanischer Länder, den Anbau oder den Konsum von Drogen zu legalisieren, um dem Handel mit Rauschgift Gewinnanreize zu entziehen. "Ich persönlich glaube nicht, dass das die Lösung des Problems ist", sagte Obama. Zugleich umwarb der US-Präsident die lateinamerikanischen Staaten als gleichberechtigte Handelspartner.

Wichtige Handelspartner

Der um seine Wiederwahl kämpfende Präsident steht in der Kritik, den Süden des amerikanischen Kontinents über den Konflikten um den Irak und Afghanistan zu ignorieren. Diese Obama vorgeworfene Schwäche hat China genutzt und ist unter anderem wichtigster Handelspartner Brasiliens geworden. Dessen Präsidentin Dilma Rousseff kritisierte Obama wegen der Geldpolitik der USA und der Euro-Zone. Dieser Kurs zwinge Entwicklungsländer zur Aufwertung und gefährde deren Konkurrenzfähigkeit. "Dagegen müssen wir uns verteidigen, hören Sie, verteidigen, nicht schützen", sagte Rousseff.

Der Gipfel beschäftigte sich auch mit den Themen Armutsbekämpfung, Sicherheit, dem Ausbau von Infrastruktur und Maßnahmen gegen Naturkatastrophen. Lateinamerika ist einer der wichtigsten Exportmärkte der USA und kann 2012 mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent rechnen. Gastgeber Santos verwies deshalb auf bereits erzielte Erfolge. So hätten in den vergangenen zehn Jahren 40 Millionen Menschen in Lateinamerika den Sprung aus der Armut geschafft. Lateinamerika sei eine Wachstumsregion.

Eine Sex-Affäre von Leibwächtern Obamas verursachte Schlagzeilen am Rande des Gipfels; Der US-Geheimdienst Secret Service hat elf seiner Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Kontakte zu Prostituierten am Gipfelort suspendiert und sie nach Hause geschickt. Auch fünf Angehörige der US-Armee wurden abkommandiert.