AngolaTausendfaches Töten im Interesse der Großmächte

27 Jahre lang tobte der Kampf in Angola, vor zehn Jahren erst war er zu Ende. Der letzte Stellvertreterkrieg des Ost-West-Konflikts wirkt bis heute nach.

Am 4. Februar 2002 endet in Afrika der Kalte Krieg. Lange nach dem Zerfall des Warschauer Paktes und der Sowjetunion kämpfen in Angola die marxistische MPLA gegen die lange von den USA unterstützte Unita. Mit ihrem Waffenstillstand geht der letzte der vielen Stellvertreterkriege zu Ende, in denen die Großmächte einander auf fast allen Kontinenten gegenüberstanden.

Sofort nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt mit dem Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und der vom Westen unterstützten Regierung in Griechenland die lange Serie der Stellvertreterkriege. Sie sind ein Ventil für die Spannung zwischen den Systemen: Eben waren die USA und die Sowjetunion noch Alliierte gegen Deutschland, nun stehen sie einander feindselig gegenüber – mit wachsenden Atombomben-Arsenalen bewaffnet. Ein offener Krieg wird bald undenkbar.

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1954 verkündet US-Präsident Dwight D. Eisenhower öffentlich die Domino-Theorie, die schon länger das Denken der US-Strategen bestimmt: Wenn ein Staat in kommunistische Hände fällt, besagt sie, dann erliegen Nachbarländer bald nach und nach dem unwiderstehlichen Sog der Ideologie. Wie eine Reihe Dominosteine fällt ein Staat nach dem anderen.

Demokratische Internationale

1985 versammeln US-Konservative mit Billigung Washingtons im Unita-Hauptquartier, was sie "Demokratische Internationale" nennen. Dabei sind unter anderem Unita-Chef Jonas Savimbi, Adolfo Calero, Anführer der nicaraguanischen Contras, Pa Kao Her von den Hmong-Rebellen in Laos, der Mudschaheddin-Warlord (und heutige afghanische Verteidigungsminister) Abdul Rahim Wardak - und der US-Offizier Oliver North. Er wird ein Jahr später entlassen, weil er die US-Unterstützung für die Contras mit Geld aus illegalen Waffengeschäften mit dem Iran finanziert.

Anschlag in Cabinda

Einen blutigen Nachhall fand der Bürgerkrieg 2010 bei der Fußball-Afrikameisterschaft in Angola. Die separatistische FLEC in der Provinz Cabinda überfiel die durchreisende Nationalmannschaft aus Togo, ermordete drei Menschen und verletzte weitere Spieler und Betreuer. Das angolanische Militär nahm einen wichtigen Anführer der FLEC fest und setzte deren Kampf damit wohl ein Ende. Der Vorfall erhielt internationale Aufmerksamkeit, weil im selben Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika anstand.

Damit wird jedes noch so unwichtige Land zum potenziellen Kriegsschauplatz. In Korea und Vietnam kämpfen US-Soldaten gegen die von der Sowjetunion und China unterstützten Kommunisten. In Afghanistan marschieren sowjetische Truppen ein; den Mudschahedin, die ihnen Widerstand leisten, schicken die USA Waffen, Ausbilder und Material. Auch im Nahost-Konflikt mischen beide Seiten mit.

In Angola erhalten die Marxisten Unterstützung von Truppen Kubas, Soldaten Südafrikas helfen der sich antikommunistisch gerierenden Unita. Kuba ist ein enger Verbündeter der Sowjetunion, Südafrika steht an der Seite der USA. Die Konfliktparteien schicken Stellvertreter, um Stellvertretern zu helfen.

Die kommunistische MPLA, die antimarxistische Unita sowie die später weniger bedeutende nationalistische FNLA sind im Kampf gegen Angolas Kolonialherrn Portugal entstanden. Als die Nelkenrevolution 1974 die Diktatur im Mutterland beseitigt und eine Unabhängigkeit Angolas absehbar wird, verschärft sich der Konflikt zwischen ihnen. Im November 1975 rufen alle drei unabhängig voneinander ein freies Angola aus – die MPLA als Volksrepublik, die Unita als Sozialistische und die FNLA als Demokratische Republik.

Leserkommentare
  1. 1. Satire

    "Auch wenn die 27-jährige Geschichte des angolanischen Krieges sich stellenweise wie Satire liest"

    Meine persönliche Lieblingsgeschichte ist die von den Kubanern, die Erdölförderanlagen amerikanischer Unternehmen in Angola vor den Anschlägen der von den USA unterstützten Unita-Rebellen bewachten. Man könnte wirklich manches unterhaltsam finden, wäre da nicht der Blick auf die Opfer des Krieges.

  2. "In Afghanistan marschieren sowjetische Truppen ein; den Mudschahedin, die ihnen Widerstand leisten, schicken die USA Waffen, Ausbilder und Material."

    Den Irak und den hernach dämoniserten Saddam Hussein haben Sie in der Liste vergessen - das war der Umschwung von Kalten Krieg zum "Krieg gegen den Islamofaschismus", wie George W. sich ausdrückte.

    Das bizarre - "Satire" kann ich bei den Todesopfern nicht wirklich in den Mund nehmen - ist aber doch, dass sowohl die Mudschaheddin als auch der Irak wenige Jahre später Gegner der USA waren.

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