FalklandkriegLondons teure Atlantik-Enklave

Auch 30 Jahre nach dem Falklandkrieg erhebt Argentinien Anspruch auf die Inselgruppe. Doch die Falkländer wollen britische Staatsbürger bleiben. Von J. Krönig, London von 

Falklandinseln

Wrack eines 1982 abgeschossenen argentinischen Hubschraubers nahe Port Stanley auf den Falklandinseln, März 2012  |  © MARTIN BERNETTI/AFP/Getty Images

Mit ein wenig Säbelrasseln und viel anti-imperialistischer Rhetorik positioniert sich jüngst Argentiniens Regierung gegen Großbritannien . Verstärkt vor dem 30. Jahrestag des argentinischen Angriffs auf die Falkland-Inseln erinnerte die Regierung in Buenos Aires London daran, dass für sie die Angelegenheit mit der Niederlage der argentinischen Militärjunta im kurzen Krieg um die karge Inselgruppe im Südatlantik ganz und gar nicht erledigt sei. Bislang hat noch jede argentinische Regierung alljährlich den Anspruch auf die Inseln bekräftigt. In den vergangenen Wochen aber verschärft Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, eine Linkspopulistin ganz in der peronistischen Tradition ihres Landes, die Gangart.

An diplomatischer Front hat Argentinien im Streit um die Malvinas, so der spanische Name der Falkland-Inseln, Punkte machen können: Eine Reihe südamerikanischer Staaten steht auf der Seite Argentiniens. So untersagte Peru den seit Langem geplanten Besuch einer britischen Fregatte; ein britisches Kreuzfahrtschiff durfte nicht in Uruguay landen, auch Brasilien zeigt sich ungehalten über die Weigerung Londons, in Verhandlungen einzutreten mit Argentinien über die Frage der Souveränität der Falklands.

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Eine Forderung, die auf den ersten Blick einleuchtet. Warum will London an einer fernen Inselgruppe festhalten, auf der ein paar Tausend Menschen, Schafe und Pinguine leben? Auf britische Souveränität zu pochen wirkt wie postkoloniale Sentimentalität. Die schwächelnde britische Mittelmacht kann sich den Besitz der Inseln angesichts exorbitant hoher Staatsverschuldung eigentlich nicht mehr leisten. Um eine erneute Invasion Argentiniens abzuwehren, wird auf den Falklands seit dreißig Jahren eine teure militärische Präsenz unterhalten, samt 1.300 Soldaten, lückenloser Radarüberwachung, vier hypermoderner Kampfjets vom Typ Typhoon, die regelmäßig zu Patrouillenflügen aufsteigen, sowie einer nagelneuen, mit allen technischen Schikanen ausgestatteten Fregatte. Das alles kostet jährlich 200 Millionen Pfund – Geld, das man gut anderweitig gebrauchen könnte.

In Argentinien herrschten Faschisten

Vor allem: Hat Großbritannien sich im Umgang mit anderen Restbeständen seines einst weltumspannenden Empires nicht oft genug von kühlem Realitätssinn leiten lassen? Etwa beim Arrangement mit China über Hongkong, das Premierministerin Margaret Thatcher nach einer Übergangsfrist an Peking zurückgab. Mehr noch: Anfang der 1980er Jahre war das Londoner Außenministerium bereits in informelle Gespräche mit Buenos Aires getreten, die auf ein Abtreten der Falklands abzielten – den Besitz empfanden Diplomaten seinerzeit eher als Last. Hinzu kommt die ernüchternde Erkenntnis, dass Großbritannien heute nicht einmal mehr in der Lage wäre, eine Operation wie vor dreißig Jahren durchzuführen. Auf mindestens zehn Jahre hinaus hat man keinen Flugzeugträger, die Kriegsmarine ist auf ein Drittel ihrer früheren Stärke geschrumpft, genau wie der Verteidigungsetat.

Doch auch wenn es vernünftig erscheint, sich dem langfristig Unabänderlichen zu fügen und mit den Argentiniern zu arrangieren: Es ist vorerst nicht möglich. Vor dreißig Jahren wurden Fakten geschaffen, die diesen Ausweg blockieren. Der Krieg um die Falklands wurde von der faschistischen Militärjunta General Galtieris vom Zaun gebrochen. Die Militärdiktatur hatte Argentinien unterdrückt, Tausende Menschen wurden ermordet oder verschwanden spurlos. Die Junta wollte mit der Invasion nationale Leidenschaften wecken und von der Diktatur genauso ablenken wie von der Tatsache, dass sie Argentinien völlig heruntergewirtschaftet hatte.

Die Entscheidung Margaret Thatchers, eine Flotte zu entsenden, um die Invasoren zu vertreiben, war militärisch riskant, ein Erfolg keineswegs sicher. (Richtig ist auch, dass ohne den Sieg im Falklandkrieg Margaret Thatchers Karriere und damit die Geschichte Großbritanniens sehr wahrscheinlich anders verlaufen wäre). Der Sieg über Galtieri verschaffte Großbritannien nicht nur ein selten gewordenes nationales Erfolgserlebnis. Zugleich war es ein Sieg für internationales Recht und half, das Schicksal der argentinischen Diktatur zu besiegeln. Dafür bezahlten tausend Soldaten aus beiden Ländern mit ihrem Leben, mehrheitlich Argentinier.

Leserkommentare
    • joG
    • 02. April 2012 15:09 Uhr

    In einer idealen Welt würde die internationale Gemeinschaft den Schutz der Insulaner garantieren. In einer idealen EU würde die EU die Sicherheit der Insulaner garantieren.

    So wie die Welt jedoch organisiert ist, tun dies die Engländer.

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    • xpeten
    • 02. April 2012 15:23 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User. Die Redaktion/vn

    • xpeten
    • 02. April 2012 17:12 Uhr

    solche kriegsrhetorischen Sichtweisen zu unterbreiten,

    sondern es würde mit Vernunft und Augenmaß eine Lösung angestrebt, die jede Form von rückständigem Nationalismus ausklammert und der Tatsache gerecht wird, dass die Malwinen 12.700 Kilometer von England entfernt sind, aber nur 400 von Argentinien.

  1. 2. Bitte?

    "Als sich britische Siedler im 17. Jahrhundert auf der menschenleeren Insel 400 Kilometer vor der Küste Südamerikas niederließen, existierte Argentinien noch gar nicht."
    Nicht, dass ich die argentinischen Forderungen unterstützen würde, aber diese Behauptung ist abenteuerlich. Die Briten errichteten hier in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts einen Armeestützpunkt als Argentinien noch mit den Nachwehen der Unabhängigkeit beschäftigt war. Kein "britischer Siedler" wäre auf die Idee gekommen, dort freiwillig hinzugehen. Als ehemaliges spanisches Hoheitsgebiet gehörten die Inseln aber auch damals schon zu Argentinien und waren kurz vorher zeitweise von argentinischen Siedlern bewohnt gewesen. Die Briten haben damals nicht gross gefragt.

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    • Suryo
    • 02. April 2012 16:15 Uhr

    Tja, nur kann man sich nun doch bitte nicht ernsthaft auf Ansprüche von vor zweihundert Jahren beziehen. Zumal die Bewohner der Falklandinseln nunmal unzweifelhaft seit Generationen dort leben UND unzweifelhaft Briten bleiben wollen.
    Ganz einfach. Die Falkländer wollen keine Argentinier werden, sondern britisch bleiben.
    Damit hat sich's.

    Da liegen Sie völlig falsch!
    "Argentinien" hieß 1833 noch "Provincias Unidas del Rio de la Plata", lag über Jahre tw. im Krieg mit anderen (abtrünnigen) Provinzfürsten/-diktatoren und hat damals wenige Kilometer südlich von "Malos" Aires, auf der Linie La Plata-Mendoza(!) aufgehört - ca. 1750(!)km entfernt von den Falklands! Bis in die 50 Jahre des 19. Jh. war die Grenze zu den Indigenengebieten in einem Bogen von südl. Mendoza-Stadt nach Osten Richtung Buenos Aires und in einem Bogen nach Süden schwenkend bis Mar del Plata.
    Der ganze Süden war bis auf wenige Kolonialstützpunkte von Indigenen bewohnt, die dann im Wüstenfeldzug bis Anfang der 1880er Jahre, v.a. von General Rocas, gnadenlos verfolgt wurden. Die konstitutive Festlegung auf ‚Nación Argentina‘ erfolgte erst 1860, also mitten in den jahrzehntelangen quasi-genoziden Eroberungskriegen gegen die Mapuches und Tehuelches. (http://mapotecavirtual.bl...).
    Das Argentinien von heute beruht daher auf Kolonialismus pur ggü. den Ureinwohnern und macht sich daher mehr als lächerlich, den Briten Kolonialismus vorzuwerfen bei einer Inselgruppe, die keine Urbevölkerung hatte.
    ...

    ...Fortsetzung:
    Die temporäre Okkupation der FL-Inseln in den Jahren 1820-33, die übrigens nicht konstant war, durch angeblich „Argentinier“ ist ebenso ein Mythos, da unter den rund 2 Dutzend Okkupanten fast keiner aus den Provincias Unidas dRdlP war. Die Besetzung der Inseln erfolgte durch Vernet - ein durch die Regierung in Buenos Aires beauftragter, in Hamburg geborener Franzose mit US-amerikanischem Pass (alles klar - oder!)
    Leider ist das argent. Verhalten bzgl. der Falklands ein Spiegelbild der weit verbreiteten landesspezifischen Idiosynkrasie (auch untereinander!!), sich selbst immer alle Rechte rauszunehmen, dieselben Rechte den Anderen jedoch abzusprechen (die mehr als 5 Jahre in ARG haben mich dies mit gravierenden und bitteren Enttäuschungen leider gelehrt, daher bitte ich Sie, werter ZO-Redakteur, diese Meinung, die sich zudem durch umfangreiche Literatur belegen lässt, stehen zu lassen)
    Saludos desde MdP

    Also 17. Jahrhundert ist tatsächlich falsch. Es müsste wenn dann das 18. Jahrhundert sein.

    Im Januar des Jahres 1765 erreichte der englische Captain John Byron die Falklands und gründete eine Siedlung namens Port Egmont. Dummerweise gab es bereits an anderer Stelle seit einem Jahr eine frz. Siedlung namens Fort Saint Louis, welche von dem Entdecker Bougainville gegründet wurde.
    Spanien, welches laut Vertrag von Tordesillas (1494) Anspruch auf diese Gebiete besaß, gefiel das freilich gar nicht. Die Franzosen wollten einen Krieg mit Spanien vermeiden und übergaben die Siedlung daher am 1. April 1766 den Spaniern.
    Die Briten, welche zunächst nichts von der französichen Siedlung wussten, blieben erstmal auf den Inseln. Spanien schickte einge Kriegsschiffe um seinen Ansprüchen Nachdruck zu verleihen. Wiederum um einen ausgewachsenen Krieg zu vermeiden, gaben die Briten ihre Siedlung schließlich in 1770/4 auf.

    Es stimmt natürlich, zu dieser Zeit gab es Argentinien noch nicht.

    Doch nach Ende des Unabhängigkeitskrieges in 1816 sah sich Argentinien, damals unter dem Namen Vereinigte Provinzen des Rio de la Plata, als rechtmäßiger Nachfolger des spanischen Hoheitsanspruch in Südamerika, und man beanspruchte daher die "Malvinas" für sich. Es gab dann eine arg. Siedlung auf den Inseln (in der Tat unter der Führung des hamburgischen Hugenotten Louis Vernet). Diese Siedlung wurde dann 1833 von GB eingenommen. Dies war der Beginn der heutigen britischen Besiedlung der Falklands.

    Ein kleiner Nachtrag zu meinem Kommentar "Siedlungsgeschichte":

    Interessanterweise hatten die US-Amerikaner tatsächlich auch ihre Hand im Spiel. Allerdings anders als User "me importa" mit seinem Hinweis auf Vernet wohl ausdrücken wollte.

    Die USA schickten im Jahre 1831 ein Kriegsschiff, die Lexington, zu der argentinischen Siedlung, weil Argentinien den Handlungsspielraum amerikanischer Walfänger und Robbenjäger in den Gewässern der Inseln einschränken wollte bzw. eingeschränkt hatte. Die Lexington verwüstete das Camp und nahm einige Argentinier in Gefangenschaft. Es ist davon auszugehen, dass diese Schwächung es den Briten 2 Jahre später erheblich einfacher machte.

    Schon damals war es also amerikanische Politik zur Wahrung der eigenen Wirtschaftsinteressen militärisch zu intervenieren. 180 Jahre vor dem Irakkrieg.

    • xpeten
    • 02. April 2012 15:21 Uhr

    und sich im Gegenzug die Rechte auf Nutzung einer Airbase sichern (um nicht auf den strategischen Vorteil einer der Antarktis nahe gelegenen Basis verzichten zu müssen) und den dortigen Bewohnern ein zeitlich unbegrenztes Bleiberecht aussprechen - und schon ist der Fall erledigt.

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    Da wohnen Briten.
    Die wollen kein Bleiberecht und die brauchen auch kein Bleiberecht. Wer sollte denn dafür bürgen, dass dieses Recht auch tatsächlich bestehen bleibt? Und die entscheidende Frage: Wären Sie gerne Bürger eines Landes, das einen Großteil des zwanzigsten Jahrhunderts unter Militärdiktaturen, Verfolgungswellen und Wirtschaftskrisen zu leiden hatte und in dem von Rechtssicherheit nicht die Rede sein kann?

    Selbst wenn der Übergang der Falklandinseln von Spanien auf Großbritannien illegal und völkerrechtswidrig gewesen wäre, so ist das nach 180 Jahren der Besiedlung längst geheilt, die Bewohner haben sich ihr Recht ersessen.

    • xpeten
    • 02. April 2012 15:23 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User. Die Redaktion/vn

    • DeBer
    • 02. April 2012 15:23 Uhr

    sollte die NATO mindestens einen Hafen für mit Atomwaffen bestückte Uboote behalten, damit diese atomwaffenfreien Zonen quasi atomwaffenfrei bleiben.

  2. für Steuerhinterzieher braucht man solche uneinnehmbaren Schwarzgeldinseln im royalen Neokapitalismus in der Zukunft.

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    • Suryo
    • 02. April 2012 16:25 Uhr

    [...]

    Sorry, aber solche mit leichter Hand hingeworfenen vulgärantikapitalistischen Kommentare reizen mich zum Sarkasmus. Falkland hat nun wirklich nichts mit Steueroasen à la Kanalinseln zu tun. Und wer sagt Ihnen denn, daß Argentinien nicht kapitalistisch bzw neoliberal sei?

    Gekürzt. Bitte bemühen Sie sich um einen respektvollen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/ag

    • Suryo
    • 02. April 2012 16:15 Uhr

    Tja, nur kann man sich nun doch bitte nicht ernsthaft auf Ansprüche von vor zweihundert Jahren beziehen. Zumal die Bewohner der Falklandinseln nunmal unzweifelhaft seit Generationen dort leben UND unzweifelhaft Briten bleiben wollen.
    Ganz einfach. Die Falkländer wollen keine Argentinier werden, sondern britisch bleiben.
    Damit hat sich's.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Bitte?"
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    Das ist übrigens auch meine Meinung. Was aber nicht bedeutet, dass man aus einem Armeestützpunkt "britische Siedler" machen muss. Irgendwann wird sich das Problem eh von alleine lösen, denn die Briten haben eigentlich keine Lust, diese teure Enklave zu finanzieren.

    Im Grunde sehe ich das genauso wie sie.
    Es gibt eben keine Argentinier auf den Falklands, die vom "britischen Joch" befreit werden müssten oder ähnliches. Nein, auf den Inseln leben nahezu ausschließlich Briten - abgesehen von einigen Gastarbeitern z.B. aus Chile etc. Diese Leute wollen eben Briten bleiben, und das sollte eigentlich wichtiger sein als ein relativ abstrakter politischer Anspruch, der sich seit 180 überlebt hat. Auch Argentinien sollte das anerkennen.

  3. Da wohnen Briten.
    Die wollen kein Bleiberecht und die brauchen auch kein Bleiberecht. Wer sollte denn dafür bürgen, dass dieses Recht auch tatsächlich bestehen bleibt? Und die entscheidende Frage: Wären Sie gerne Bürger eines Landes, das einen Großteil des zwanzigsten Jahrhunderts unter Militärdiktaturen, Verfolgungswellen und Wirtschaftskrisen zu leiden hatte und in dem von Rechtssicherheit nicht die Rede sein kann?

    Selbst wenn der Übergang der Falklandinseln von Spanien auf Großbritannien illegal und völkerrechtswidrig gewesen wäre, so ist das nach 180 Jahren der Besiedlung längst geheilt, die Bewohner haben sich ihr Recht ersessen.

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    • xpeten
    • 02. April 2012 16:59 Uhr

    um des Friedens willen natürlich. Und weil das Beharren auf den Status Quo ohnehin nur riesige Kosten verursacht und nichts einbringt (siehe Artikel).

    Deshalb sollte man so etwas tun.

    wie es gerade passt. Bei dem Einen ganz schnell und bei Anderen so langsam, das sie für Erpressungsversuche und Bumannspiele noch lange herhalten. Einmal darf man raten, wer der Eine ist und wer der Andere.

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