Wahl in FrankreichFranzosen wählen neuen Präsidenten

In Frankreich beginnt die erste Runde der Präsidentschaftswahl. Umfragen zufolge liegt Nicolas Sarkozys Herausforderer François Hollande bislang vorne.

Eine Wahlurne im französischen Rennes

Eine Wahlurne im französischen Rennes

In Frankreich hat die erste Runde der Präsidentenwahl begonnen. 44,5 Millionen Wähler sind aufgerufen, sich zwischen den zehn Kandidaten zu entscheiden. Der Sozialist François Hollande geht als Favorit in die Abstimmung: Die Umfragen sehen ihn schon in der ersten Runde mit um die 29 Prozent vor dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy mit etwa 26 Prozent.

Die endgültige Entscheidung wird wahrscheinlich erst am 6. Mai in einer Stichwahl fallen, da die Kandidaten für einen Sieg in der ersten Runde eine absolute Mehrheit benötigen. Auch in der möglichen Stichwahl sagen die Meinungsforscher Hollande einen Sieg voraus.

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Sarkozy ist der unpopulärste Präsident Frankreichs

Verfehlt Sarkozy die Mehrheit in der ersten oder zweiten Wahl, wäre er der erste französische Präsident in mehr als 30 Jahren, der den Kampf um die Wiederwahl verliert. Sarkozy fiel im Wahlkampf vor allem zur Last, dass es ihm während seiner Amtszeit nicht gelungen war, die Arbeitslosigkeit zu senken. Zuletzt waren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf den höchsten Stand seit zwölf Jahren gestiegen. Zudem konnte die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich nicht gesenkt werden. Umfragen zufolge gilt Sarkozy als unpopulärster Präsident Frankreichs.

Der Sozialist Hollande hatte im Wahlkampf weniger drastische Einsparungen als Sarkozy versprochen. Er hat angekündigt, den EU-Fiskalpakt im Falle eines Wahlsieges nachverhandeln zu wollen, stößt damit aber vor allem in Deutschland auf Vorbehalte. Anders als Sarkozy will Hollande erst 2017 statt 2016 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Zudem dringt er auf einen Steuersatz von 75 Prozent für Spitzenverdiener und eine Steuer auf Finanztransaktionen. Außerdem will er zusätzlich 60.000 Lehrer einstellen.

16 Prozent wollten für Marine Le Pen stimmen

Mit Spannung wird neben dem Duell Sarkozy-Hollande vor allem das Abschneiden der Rechtsextremen Marine Le Pen erwartet. Sie lag in den Umfragen zuletzt bei etwa 16 Prozent, dicht gefolgt von dem Linkskandidaten Jean-Luc Mélenchon mit etwa 14 Prozent. Dem Zentrumspolitiker François Bayrou werden zehn bis elf Prozent vorhergesagt. Die Grüne Eva Joly lag zuletzt nur bei zwei bis drei Prozent.

Für eine Verschiebung könnten bei der Wahl allerdings die Nicht-Wähler sorgen: Die Meinungsforscher befürchten, dass um die 25 Prozent der Franzosen nicht zur Wahl gehen könnten. Dieser Wert liegt nahe an der Rekord-Stimmenthaltung aus dem Jahr 2002, als 28,4 Prozent der Wähler zu Hause geblieben waren. Damals hatte überraschend der Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen den Einzug in die zweite Wahlrunde geschafft, der Sozialist Lionel Jospin schied aus.

Das französische Staatsoberhaupt wird für fünf Jahre gewählt. Die laufende Amtszeit endet offiziell am 15. Mai. Dominierendes Wahlkampfthema war die Konsolidierung der Staatsfinanzen und die Schuldenkrise in der Euro-Zone. Sarkozy hat wie sein Herausforderer eine stärkere Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Schuldenkrise gefordert. Für das deutsch-französische Verhältnis erwarten Experten indes auch nach einem Machtwechsel keine tiefgreifenden Veränderungen.

Am Samstag haben bereits die Franzosen in Überseegebieten abstimmen können. In Frankreich sind die Wahllokale bis 18 Uhr, in großen Städten bis 20 Uhr geöffnet. Erst danach werden die ersten Hochrechnungen veröffentlicht, um die Wahl nicht zu beeinflussen.

 
Leserkommentare
  1. aber irgendwie habe ich das Gefühl, das der Herr Sarkozy heute eine richtig fette Klatsche bekommt, die er auch verdient hat. Der geht doch wirklich nicht, der Typ.

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    • Oogie
    • 22.04.2012 um 17:31 Uhr

    sein gesicht sehen wenn er merkt das er verloren hat. das alles was er in den letzten monaten "gemeistert" hat um doch noch zu siegen wirklich alles vergebens war.

    • Oogie
    • 22.04.2012 um 17:31 Uhr

    sein gesicht sehen wenn er merkt das er verloren hat. das alles was er in den letzten monaten "gemeistert" hat um doch noch zu siegen wirklich alles vergebens war.

    • Marula
    • 22.04.2012 um 9:53 Uhr

    Hollande könnte mehr verändern, als ihm lieb ist, er könnte in Deutschland einen Rechtsruck auslösen.
    In Deutschland fehlt nur ein populärer Politiker, der sich für eine neue Partei aufstellen lässt, wobei hierzulande vor allem Euroskepsis eine Rolle spielt. Weder Sarrazin noch die Euro-Rebellen Bosbach, Willsch, Gauweiler oder Schaeffler (oder auch der Sonderfall zu Guttenberg) haben diesen Schritt zu einer neuen Partei bisher getan. Alle werden von den etablierten Parteien als "Populisten" abgetan und nicht ernst genommen.
    Bisher wurde Euroskepsis übertüncht durch den Stolz auf wirtschaftlichen Erfolg und Machtzuwachs. Das ist in Gefahr. Wirtschaftlicher Erfolg als Grundlage für Nationalstolz ist eine schlechte Voraussetzung für die Akezptanz einer Transferunion, ohne die sich die Währungsunion wohl nicht retten lässt.
    Frankreich hingegen drohen Verlust des AAA-Ratings und steigende Zinsen für Staatsanleihen. Manche Experten halten Frankreich sogar für gefährdeter als Italien
    Man kann sich nicht vorstellen, dass sich am deutsch-französischen Verhältnis nichts ändern wird. Merkel sammelte in der Vergangenheit Punkte durch Austeritäts-Politik. Und in Zukunft?

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    • Edda2
    • 22.04.2012 um 10:21 Uhr

    Austeritätbedeutet Kargheit, Strenge,Sparprogramm und Melenchon ist ganz entschieden dagegen. Wenn er viele Prozentpunkte erhält und Marine LePen überholt, was ich glaube, dann bleibt Hollande gar nichts anderes übrig, als vom Sparprogramm abzurücken. Melenchon rief seinen begeisterten Anhängern auf jeder Massenkundgebung eindringlich zu: "Es ist erst der Anfang - wir werden auch nach dem 6. Mai nicht aufhören unsere Ideen lautstark kundzutun." Das wird ein heisser Sommer in Frankreich, der Hollande tüchtig einheizen wird.
    Und ich glaube nicht an einen Rechtsruck in Deutschland, eher das, was auch Melenchon sagte: Dass das französische Wahlergebnis eine Bresche in das Politdickicht, auch für andere europäische Länder, schlagen wird, um sie aus der US - Abhängigkeit zu befreien.

    • Edda2
    • 22.04.2012 um 10:21 Uhr

    Austeritätbedeutet Kargheit, Strenge,Sparprogramm und Melenchon ist ganz entschieden dagegen. Wenn er viele Prozentpunkte erhält und Marine LePen überholt, was ich glaube, dann bleibt Hollande gar nichts anderes übrig, als vom Sparprogramm abzurücken. Melenchon rief seinen begeisterten Anhängern auf jeder Massenkundgebung eindringlich zu: "Es ist erst der Anfang - wir werden auch nach dem 6. Mai nicht aufhören unsere Ideen lautstark kundzutun." Das wird ein heisser Sommer in Frankreich, der Hollande tüchtig einheizen wird.
    Und ich glaube nicht an einen Rechtsruck in Deutschland, eher das, was auch Melenchon sagte: Dass das französische Wahlergebnis eine Bresche in das Politdickicht, auch für andere europäische Länder, schlagen wird, um sie aus der US - Abhängigkeit zu befreien.

    • Edda2
    • 22.04.2012 um 10:05 Uhr

    Eigentlich gehören Umfragen verboten, denn einer neuen Studie in Frankreich zufolge, beeinflussen sie das Wahlergebnis ganz erheblich:
    Bei den 1000 Befragten, die in gewissem zeitlichen Abstand mehrfach ihre Meinung abgeben konnten, stellte sich klar heraus, dass 25% von ihnen ihren Wunschkandidaten wechselten, wenn der in den Umfragen ein paar Prozentpunkte verlor....
    http://www.liberation.fr/...

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    • H.v.T.
    • 22.04.2012 um 10:11 Uhr

    Und was dachten Sie, wozu Umfragen sonst taugen?

    • H.v.T.
    • 22.04.2012 um 10:11 Uhr

    Und was dachten Sie, wozu Umfragen sonst taugen?

    • H.v.T.
    • 22.04.2012 um 10:11 Uhr

    Und was dachten Sie, wozu Umfragen sonst taugen?

    3 Leserempfehlungen
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    • Edda2
    • 22.04.2012 um 10:33 Uhr

    Gute Frage: Darüber hatte ich mir vorher noch nicht viele Gedanken gemacht - war nur verärgert. So, in der Richtung:

    http://weisser-elefant.bl...

    • Edda2
    • 22.04.2012 um 10:33 Uhr

    Gute Frage: Darüber hatte ich mir vorher noch nicht viele Gedanken gemacht - war nur verärgert. So, in der Richtung:

    http://weisser-elefant.bl...

  2. Bereits ab 19 Uhr - und damit weit vor Schließung der letzten Wahllokale - werden die Ergebnisse der ersten Hochrechnungen erwartet. La Liberation, nomen est omen, will entgegen einem gesetzlichen Verbot die Zahlen heute abend veröffentlichen.

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    • H.v.T.
    • 22.04.2012 um 10:27 Uhr

    Warum ? Ein kleines Dorf wählt wie ganz Frankreich. :)

    http://www.br.de/radio/b5...

    • H.v.T.
    • 22.04.2012 um 10:27 Uhr

    Warum ? Ein kleines Dorf wählt wie ganz Frankreich. :)

    http://www.br.de/radio/b5...

    • Edda2
    • 22.04.2012 um 10:21 Uhr

    Austeritätbedeutet Kargheit, Strenge,Sparprogramm und Melenchon ist ganz entschieden dagegen. Wenn er viele Prozentpunkte erhält und Marine LePen überholt, was ich glaube, dann bleibt Hollande gar nichts anderes übrig, als vom Sparprogramm abzurücken. Melenchon rief seinen begeisterten Anhängern auf jeder Massenkundgebung eindringlich zu: "Es ist erst der Anfang - wir werden auch nach dem 6. Mai nicht aufhören unsere Ideen lautstark kundzutun." Das wird ein heisser Sommer in Frankreich, der Hollande tüchtig einheizen wird.
    Und ich glaube nicht an einen Rechtsruck in Deutschland, eher das, was auch Melenchon sagte: Dass das französische Wahlergebnis eine Bresche in das Politdickicht, auch für andere europäische Länder, schlagen wird, um sie aus der US - Abhängigkeit zu befreien.

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    • H.v.T.
    • 22.04.2012 um 10:27 Uhr

    Warum ? Ein kleines Dorf wählt wie ganz Frankreich. :)

    http://www.br.de/radio/b5...

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    • Edda2
    • 22.04.2012 um 10:38 Uhr

    Hahaha, das Aufhänger-Bild spricht ja Bände - "La France forte" - Slogan de Sarkozy!

    • Edda2
    • 22.04.2012 um 10:38 Uhr

    Hahaha, das Aufhänger-Bild spricht ja Bände - "La France forte" - Slogan de Sarkozy!

    • Edda2
    • 22.04.2012 um 10:33 Uhr

    Gute Frage: Darüber hatte ich mir vorher noch nicht viele Gedanken gemacht - war nur verärgert. So, in der Richtung:

    http://weisser-elefant.bl...

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