Israel-KonfliktIran lobt Grass für Israel-kritisches Gedicht

Post aus Teheran: Der Iran bescheinigt dem Literaturnobelpreisträger, mit seinem Israel-kritischen Poem Wahres gesagt zu haben. Auch die Friedensbewegung meldete sich. von afp

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad bei einer Rede in der Urananreicherungsanlage in Natans

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad bei einer Rede in der Urananreicherungsanlage in Natans  |  © dpa

Der Iran hat den Literaturnobelpreisträger Günter Grass für sein Israel-kritisches Gedicht gelobt. In einem von iranischen Medien zitierten Brief an den "bedeutenden Schriftsteller" würdigte Vize-Kulturminister Dschawad Schamakdari den 84-Jährigen, er habe mit seinem Gedicht "die Wahrheit gesagt". Er hoffe, die Kritik werde "das eingeschlafene Gewissen des Westens aufwecken", schrieb Schamakdari weiter.

"Ich habe Ihr warnendes Gedicht gelesen, das auf so großartige Weise Ihre Menschlichkeit und Ihr Verantwortungsbewusstsein zum Ausdruck bringt", heißt es in dem Schreiben des stellvertretenden Kulturministers. "Mit ihrer Feder allein können Schriftsteller Tragödien eher verhindern als Armeen."

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Grass hatte mit seinem am Mittwoch veröffentlichten Gedicht Was gesagt werden muss vor allem in Deutschland eine heftige Debatte ausgelöst. Darin wirft er Israel vor, mit seiner Iran-Politik den Weltfrieden zu gefährden. Insbesondere kritisierte Grass, dass sich die Atommacht Israel das Recht auf einen Erstschlag vorbehalte.

Grass präzisierte sich

Nach Politikern aller großen Parteien, dem Zentralrat der Juden und Israel hatten sich der Schriftsteller Rolf Hochhuth und der Schweizer Historiker Raphael Gross kritisch zu Wort gemeldet.

Inzwischen präzisierte Grass , mit seiner Kritik habe er die Politik der gegenwärtigen Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gemeint und nicht pauschal den Staat Israel. Den iranischen Staatschef Mahmud Ahmadinedschad hatte Grass in seinem Gedicht als "Maulhelden" bezeichnet.

Der Westen und Israel werfen dem Iran vor, heimlich am Bau von Nuklearwaffen zu arbeiten – die Regierung in Teheran weist dies zurück. Die offiziell nicht-erklärte Atommacht Israel, die sich von Teheran in seiner Existenz bedroht fühlt, erwägt seit Monaten einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen. Dies löst allgemein Besorgnis vor einem Krieg in der Region aus.

Deutschland Gefahr für den Weltfrieden

In Deutschland nahm die deutsche Friedensbewegung Grass in Schutz. Er habe dazu beigetragen, das Bemühen um eine friedliche Lösung im Iran-Konflikt "wieder auf die Tagesordnung zu setzen". In Form eines Gedichtes nahm der Mitbegründer der Ostermärsche, Andreas Buro, für die Dachorganisation Kooperation für den Frieden Stellung.

"Günter Grass hat vor Krieg gewarnt, Israel als eine Gefahr für den Weltfrieden bezeichnet", schrieb Buro. "Wir hätten auch die USA , die Erfinderin der Achse des Bösen, genannt, aber auch die vielen arabischen und islamischen Staaten, die (...) aktuelle Konflikte anheizen. Deutschland, das in Konfliktzonen Waffen liefert."

Die Friedensbewegung fordere "zum großen Wettbewerb auf um eine friedliche Lösung, um einen Nichtangriffspakt zwischen den Kontrahenten" und auch um eine Aufhebung aller Sanktionen gegen den Iran. Das Gedicht schließt mit den Worten: "Deutschland könnte dazu beitragen. Günter Grass hat dazu beigetragen, diese Aufgabe wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Danke!"

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Leserkommentare
  1. Grass fordert Kontrollen der Atomanlagen im Iran und Israel.

    Eine Leserempfehlung
    • kvwupp
    • 07. April 2012 15:48 Uhr

    Der Einfachkeit halber stelle ich hier einen Link zu einem Artikel in Haaretz von Tom Segev ein, in dem er sich in sehr unaufgeregter Weise zu Grass äussert.

    http://www.haaretz.com/ne...

    2 Leserempfehlungen
  2. die Wehrmacht ist dabei noch der Teil, wo es zu Verweigerung an den Mordaktionen gegeben hat
    die Waffen SS war der ausführende Arm in der Vernichtungsmaschinerie, der an der Front und in den eingenommenen Gebieten die Judenvernichtung durchführte.

    Sie finen das zum Gähnen?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "gähn.."
  3. Man bekommt nicht immer Beifall aus der richtigen Ecke.
    Das gilt umso mehr,Wenn als es um so etwas Sensibles wie
    den Völkerfrieden geht. Interessant ist, dass man schreibt:"Der Iran -notabene - lobt." Na da sind 80 die ca. Mio aber froh ob ihres "Maulhelden".
    Wenn jetzt "Israel" - vielleicht in Gestalt des "Weltfriedens-Bedrohers" Netanjahu - sich noch durchringen könnte, Grass zu loben, wäre ob all der Einigkeit um die Gestalt des
    "Weltfriedens-Fürchters" Grass dem brüchigen Frieden wieder
    frischer Mörtel zugeführt worden.
    Na denn. Dann hat sich auch der Blätterwaldsturm so richtig gelohnt.

  4. "Was mich aber beunruhigt, sind die Kommentare in verschiedenen Foren. Da wird alle gefeiert was gegen Israel geht. So sehr man den Medien vorwerfen kann, dass man sich sehr auf Grass fixiert hat, so sehr kann man unzähligen Kommentatoren vorwerfen, keine Kritik zu äußern sondern einfach Lügen zu verbreiten."

    Es gibt in Deutschland - wie übrigens auch in anderen Ländern - einen Bodensatz an alten und neuen Nazis, die natürlich immer die Gelegenheit beim Schopf packen, wenn sie glauben, ihr braunes Gedanken-"Gut" an israelkritische Äußerungen anheften zu können. Das ist sehr bedauerlich, aber wie soll man das ändern? Zensur?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Es gibt in Deutschland - wie übrigens auch in anderen Ländern - einen Bodensatz an alten und neuen Nazis, die natürlich immer die Gelegenheit beim Schopf packen, wenn sie glauben, ihr braunes Gedanken-"Gut" an israelkritische Äußerungen anheften zu können. Das ist sehr bedauerlich, aber wie soll man das ändern? Zensur?"

    Wenn schon Zensur, dann doch bei einem solchen Beitrag wie bei Ihrem. Ohne jede Unterscheidung sind also alle, die Israels Führung kritisieren, sofort Braune? Die Kritiker, die nicht einmal das Wort "Jude" gebrauchen, sind verkappte Nazis?

    Ich sage Ihnen was: gute Propaganda geht anders!

  5. im Iran ist, wenn ich die von Ihnen zitierte Quelle zu Grunde lege, schlimm genug und kommt im Ergebnis der geäußerten Zielsetzung der Vernichtung Israels als Staat gleich. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass irgendeine israelische Regierung jemals eine Lösung "excluding immigrant jews" akzeptieren wird. Der Iran mit seiner jetzigen Führung wird jedenfalls keinen konstruktiven Beitrag zu einer wie auch immer gearteten Friedenslösung leisten, da die Existenz des Staates Israel nicht in das Weltbild der dortigen Führung passt und zudem nützlich ist, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Solange aber nicht von allen Seiten das Existenzrecht Israels vorbehaltlos anerkannt wird, wird es in Nahost auch niemals Frieden geben. Darüber hinaus finde ich es immer wieder erstaunlich, wie viele Leser Partei für ein Regime ergreifen, dass seine eigene Bevölkerung unterdrückt, Frauenrechte mit Füßen tritt und sämtliche Gegner brutal verfolgt.

    2 Leserempfehlungen
  6. "Was liegt also näher (bzw. ist einfacher), als dass der Iran eine solche Kontrolle zulässt?"

    1.Die Antomanlagen Iran's sind unter 24 stündiger Video Aufsicht der IAEA
    2.Die Inspektoren der IAEA haben 4000 Mann/Stunden Kontrolle der Anlagen hinter sich
    3.Der Westen stellt immer absurdere Forderungen an den Iran und will nun auf einmal , dass der Iran auch seine Militäranlagen kontrollieren lässt , was der Iran lt. NPT Vertrag strikt ablehnt

    Sehen Sie sich das von einem Mitforisten und mir verlinkte ZDF Interview mit Ahamdinejad an und Ihre Fragen werden beantwortet sein.

    3 Leserempfehlungen
  7. Es ist zu einfach, die Welt in gut (USA, Israel) und böse (Iran, Achse des Bösen) zu unterteilen. Aufrüstung ist keine Lösung. Wenn echter Weltfrieden erreicht werden soll, müssen Vorbehalte und Vorurteile abgebaut werden und die Menschen aller Völker sich gegenseitig respektieren. Bei Krieg gibt es keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Am meisten darunter zu leiden haben die Schwächsten, doch Kriegstreiber sind immer die Regierungen. Nichts anderes wollte Grass in seinem Gedicht ausdrücken. Wer ihn dafür anprangert, stellt sich (nun) auch gegen die Friedensbewegung.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Günter Grass | Gedicht | Iran | Benjamin Netanjahu | Mahmud Ahmadinedschad | Rolf Hochhuth
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