Die griechische Polizei kontrolliert in Athen jeden Passanten, der nach einem illegalen Einwanderer aussieht © John Kolesidis/Reuters

Die Polizisten tragen kugelsichere Westen und halten Schäferhunde an der Leine. Seit vergangenem Mittwoch patrouillieren sie durch die Athener Innenstadt: Hunderte Beamte der Griechischen Polizei (Elas). Permanent sind ihre blauen Uniformen seither in den Straßen um den zentralen Omonia-Platz, den Vathi-Platz und entlang der Hauptverkehrsachsen Acharnon und Patission zu sehen. Das Medieninteresse ist gewaltig: In großer Aufmachung wird über die Einsätze berichtet, "Besen-Aktion" hat die Presse das Unternehmen getauft.

Die Polizisten kontrollieren penibel jeden Passanten, der nach einem illegalen Einwanderer aussieht. Ob Afghanen, Pakistani, Bangladeschi, Nord- und Schwarzafrikaner. Ob fliegende Händler oder die nicht selten minderjährigen Prostituierten: Sie alle hören in diesen Tagen die gleiche Aufforderung auf Englisch: "Show me your documents."

Die meisten der Kontrollierten haben keine gültigen Papiere. Dennoch leben viele von ihnen schon seit Monaten oder Jahren in Griechenland . Viele Griechen fragen sich nun: Ist die ganze Aktion nur eine medienwirksame Show? Oder steckt mehr dahinter?

Das Land binnen 30 Tagen verlassen

Bislang sind Hunderte illegaler Einwanderer in Gewahrsam genommen worden. Die meisten von ihnen kommen wenige Stunden nach der Festnahme wieder frei. Zuvor wird ihnen ein amtliches Papier ausgehändigt, wonach sie 30 Tage im Land geduldet werden – danach haben sie Griechenland zu verlassen.

Das Athener Straßenbild hat sich seit Beginn der Aktion dramatisch verändert. Die fliegenden Händler aus Schwarzafrika sind verschwunden, die übrigen Einwanderer haben sich in ihren Wohnungen versteckt. Verantwortlich für die "Besen-Aktion" ist der Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis. Lautstark wirbt der Pasok-Sozialist jetzt für eine offensivere Politik zur Bekämpfung des Flüchtlingsproblems. Die jüngste Polizei-Aktion in Athen sei dazu "der erste Schritt". Arbeitswillige Einwanderer müssten künftig einen Gesundheitsnachweis erwerben. "Wir müssen die öffentliche Sicherheit und Gesundheit der einheimischen Bevölkerung gewährleisten", sagt der Minister.

Der Regierungsplan sieht ferner die Errichtung von landesweit 30 "Aufnahmezentren für illegale Einwanderer" (KEPY) vor – unter anderem in jahrelang ungenutzten Militärkasernen. Dort sollen jeweils bis zu 1.000 Flüchtlinge vorübergehend untergebracht werden, bevor sie abgeschoben werden und neue Immigranten nachrücken sollen.

Griechenlands Kommunisten verurteilten das Vorhaben aufs Schärfste: "Diese Konzentrationslager lösen nicht das Flüchtlingsproblem." Auch an den vorgesehenen Standorten regt sich unter der lokalen Bevölkerung massiver Widerstand – allerdings unter anderen Vorzeichen. Eine nordgriechische Politikerin warf der Regierung vor, ihre Region zu einer "Deponie Athens" machen zu wollen. Im Nordwesten Athens kam es am Mittwoch an einem geplanten KEPY-Standort zu Zusammenstößen zwischen aufgebrachten Anwohnern und der Polizei.