"Das Wunder von Athen. Binnen eines Tages hat sich das Bild des Stadtzentrums gewandelt. Ostern und die Wahlen kommen… alles ist möglich", bedachte das Athener Blatt Eleftheros Typos die Besen-Aktion mit beißender Ironie. Ausgerufen sind die vorgezogenen Neuwahlen zwar noch nicht, doch aller Voraussicht nach werden sie am 6. Mai stattfinden.

Der Wahlkampf hat schon längst begonnen. Der konservative Parteiführer Antonis Samaras tönte: "Unsere Städte sind von den illegalen Einwanderern besetzt worden, wir müssen sie wieder zurückerobern." Für Samaras' Nea Dimokratia sowie die Pasok-Sozialisten unter  Ex-Finanzminister Evangelos Venizelos steht viel auf dem Spiel. Seit dem 11. November bilden sie gemeinsam eine Übergangsregierung unter dem parteilosen Ex-Zentralbanker Lucas Papademos. Umfragen zufolge droht beiden Parteien wegen der Sparpolitik der vergangenen Monate ein historisches Wahldesaster.

Die Pasok  dümpelt einer aktuellen Umfrage des renommierten Meinungsforschungsinstituts Public Issue zufolge bei 15,5 Prozent der Stimmen – im Oktober 2009 triumphierte sie noch mit 44 Prozent. Die Nea Dimokratia verharrt bei 22,5 Prozent. Das erklärte Samaras-Ziel einer Alleinregierung rückt damit in weite Ferne.

Gleich frei rechte Parteien

Rechts von der ND buhlen nun gleich drei Parteien um die Gunst frustrierter Wähler. Und sie haben gute Chancen, ins Parlament einzuziehen. Die rechtskonservativen Unabhängigen Griechen unter dem ND-Abweichler Panos Kammenos sowie die Laos-Partei kommen laut Umfragen zusammen auf mehr als zehn Prozent der Stimmen. Sorgen macht den Regierenden aber nun eine andere Partei: die ultrarechte Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte).

Chrysi Avgi kommt landesweit schon auf fünf Prozent der Stimmen, mit stark steigender Tendenz. Die Partei, die 2010 erstmals den Sprung in den Athener Stadtrat schaffte, überzog die Besen-Aktion mit Häme und Spott: "Das ist ein Wahlkampfmärchen. Das Ziel der Regierung ist nicht, die illegale Einwanderung, sondern die Goldene Morgenröte zu stoppen."

Dass Griechenland ein Problem mit Flüchtlingen hat, bestreitet indes kaum jemand. Von 2006 bis 2011 wanderten mehr als 700.000 Menschen  illegal in das elf Millionen Einwohner zählende Griechenland ein. In den ersten beiden Monaten 2012 kamen weitere 12.000. Knapp die Hälfte davon stammt aus Afghanistan , Pakistan und Bangladesch . Die meisten gelangen über die Festlandsgrenze zur Türkei ins Land. In Griechenland bleiben will allerdings kaum einer, erst recht nicht nach Ausbruch der verheerenden Wirtschaftskrise. Die Mehrheit möchte weiter nach Deutschland, Frankreich oder Skandinavien.

Die EU macht Druck

Doch dem legalen Leben in Nordeuropa schiebt nicht zuletzt die sogenannte Dublin-II-Verordnung  einen Riegel vor. Laut der im März 2003 in Kraft getretenen Verordnung ist jener EU-Mitgliedsstaat für die Durchführung eines Asylverfahrens zuständig, der die Einreise veranlasst oder nicht verhindert hat. Beim Großteil der illegalen Einwanderer nach Europa ist das Griechenland. So stecken immer mehr Immigranten in Hellas fest – und kämpfen dort ums nackte Überleben.

Nun versucht das Krisen-Land das Problem mit rigorosen Mitteln zu lösen, nicht zuletzt wegen des zunehmenden Drucks der EU-Partner. Anfang Februar begann der Bau eines 10,5 km langen und fünf Millionen Euro teuren Grenzzauns an der Grenze zur Türkei.  Zwei Reihen aus jeweils drei Meter hohen Stahlzäunen sollen eine unüberwindliche Hürde bilden. 73 Prozent der Griechen begrüßen das Bauprojekt. Bis Ende August soll es fertig sein.

Der Laos-Partei ist das nicht radikal genug. Sie will die Einwanderer abschieben und bis dahin auf den "unbewohnten Inseln" Griechenlands unterbringen. Noch drastischer ist die Forderung der ultrarechten Chrysi Avgi: Die Landesgrenze zur Türkei müsse wieder vermint werden – ausdrücklich "gegen Menschen".