Nach dem Militärputsch in Guinea-Bissau hat sich die putschende Junta mit der Opposition auf eine zweijährige Übergangszeit bis zur Abhaltung von Wahlen geeinigt. Das Abkommen, das am Mittwoch nach mehrtägigen Verhandlungen zwischen den Putschisten und der Opposition im Beisein der Presse unterzeichnet wurde, sieht die Auflösung des Parlaments und die Absetzung des Präsidenten und der Regierung von Ministerpräsident Carlos Gomes Júnior vor. Stattdessen soll ein Übergangsrat gebildet werden, um einen Übergangspräsidenten und eine Übergangsregierung zu bestimmen.

Gemäß dem Abkommen soll erst nach Ablauf der zweijährigen Übergangszeit in dem westafrikanischen Staat ein neues Parlament und ein neuer Präsident gewählt werden. Aus Verhandlungskreisen verlautete, die Armee werde sich nach der Einsetzung des Übergangspräsidenten in die Kasernen zurückziehen. Die Putschisten widersetzen sich mit dem Abkommen der internationalen Forderung nach einer raschen Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung.

Häufige Putschversuche

In der früheren portugiesischen Kolonie hatten Soldaten am Donnerstagabend gut zwei Wochen vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl geputscht. Regierungschef Carlos Gomes Júnior, der als Favorit bei dem Wahlgang galt, und Interimspräsident Raimundo Pereira wurden festgenommen. Der Herausforderer des Präsidenten, Kumba Yala, hatte sich zuvor geweigert, an der Stichwahl teilzunehmen, weil es in der ersten Runde "massive Manipulationen" gegeben habe.

Kumba Yala hatte erst mit Verspätung den Putsch verurteilt. Zugleich hatte er mit den Putschisten verhandeln lassen. Gomes Júnior, Pereira und mehrere Regierungsmitglieder werden noch immer von den Putschisten festgehalten. Seit der Unabhängigkeit 1974 gibt es in Guinea-Bissau, auch wegen Machtkämpfen um die Kontrolle des Drogenhandels, immer wieder Putschversuche und politische Morde.