Gipfel in IstanbulDas große Feilschen um die Uran-Anreicherung

Am Samstag beginnen wichtige Verhandlungen über Irans Atomprogramm. Europa und die USA sehen Chancen für einen Durchbruch, Israel jedoch hält alles für einen Bluff. von dpa und reuters

Der Iran-Konflikt hat sich in den vergangenen Monaten zugespitzt. Dem "Atomgipfel" in Istanbul an diesem Wochenende kommt daher eine große Bedeutung zu. Die Hoffnung ist groß, dass die 5+1-Gespräche zwischen den UN-Vetomächten China , Frankreich, Großbritannien , Russland , USA plus Deutschland mit dem Iran über dessen Atomprogramm zu einer Annäherung führen werden. Experten halten die Ausgangslage für günstig. 14 Monate lang waren die internationalen Atomgespräche mit dem Iran unterbrochen.

"Der Iran signalisiert, dass er sprechen will", sagt Mark Fitzpatrick, leitender Direktor des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London. Anders als vor einem Jahr gehe das Land ohne Vorbedingungen in die Gespräche. "Dies bedeutet aber noch nicht, dass der Iran die Zugeständnisse macht, die die andere Seite fordert", erklärt er.

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Der Iran will eine internationale Anerkennung eines zivilen Atomprogramms und eine Aufhebung der Sanktionen erreichen, was der Westen bisher ablehnt. Hauptforderung der Weltmächte ist die Einstellung der Urananreicherung im Iran – zumindest bis alle Unklarheiten beseitigt sind, die es bisher über ein mögliches Programm zum Bau einer Atombombe gibt.

Uneins über die eigene Verhandlungslinie

Dass der Iran die Gespräche überhaupt wieder aufnimmt, ist nach Einschätzung von Beobachtern dem Druck der Sanktionen zu verdanken. Die EU-Staaten hatten sich im Januar auf ein Öl-Embargo gegen den Iran verständigt, das zum 1. Juli in Kraft tritt. Bereits jetzt gilt ein Verbot, neue Verträge mit der iranischen Ölwirtschaft abzuschließen.

Um die Folgen der Sanktionen abzuschwächen, hofiert das Land derzeit potenzielle Öl-Abnehmer mit günstigen Preisen. Möglichen Kunden in Asien sei angeboten worden, Öl über 180 Tage zinsfrei einzukaufen, berichtete kürzlich die Financial Times . Dies entspreche pro Monat einem Preisnachlass von 1,2 bis 1,5 Dollar pro Barrel.

Allerdings ist die iranische Führung intern uneins über die eigene Verhandlungslinie. Der oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, schloss jeglichen Kompromiss aus. Präsident Mahmud Ahmadinedschad ergänzte: "Auch falls die ganze Welt sich gegen uns stellen sollte, setzen wir trotzdem den Atomkurs fort, und keiner kann uns dabei stoppen."

Trotz der harten Rhetorik will auch der Iran eine Lösung , damit das Land nicht weiter isoliert ist, geschweige denn militärisch angegriffen wird. Bei der geforderten Schließung der gerade fertiggestellten Uran-Anreicherungsanlage in Fordo südlich der Hauptstadt Teheran wird kein Spielraum signalisiert.

Leserkommentare
  1. Man spricht von Iran und Israel, als ob es sich um homogene Einheiten handelt.
    Nun, was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch nicht erlaubt.
    War da nicht gerade eine Riesenaufregung weil ein Deutscher Nobelpreisträger diese Unterscheidung nicht machte ?
    Das ´´die Isralis´´ per Luftschlag die Atomanlagen nicht bombardieren können ( auf grund der Entfernung wäre das eine one way mission ), dann sind wohl U-Boote das Mittel zum Zweck.
    Habe ich da nicht irgendwas gelesen ?

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    Statt mit der Angst zu arbeiten ( und das kann Netanjahu offenbar besonders gut)sollte man sich doch ein Beispiel an den jungen Intellektuellen nehmen. Wer googelt, kann es sehen: ein israelischer Lehrer hat ein Poster erstellt, mit dem er sich und seine Freunde in einem Video vorstellt: "Israel love Iran". Alle bekennen, dass sie den Iran nicht wirklich kennen und sich mit Gleichgesinnten austauschen nöchten. Die wichtigste Botschaft: Israel love Iran. Und sie bekommen reichlich Antwort aus Iran!! Leider werden diese positiven Aktionen tot geschwiegen.
    Ich liebe den Iran. Für mich ist es das Paradies auf Erden.
    Lassen wir uns doch nicht von falsch geleiteten Politikern irre machen. Schon zwei mal haben wir an Weltkriegen heftigst mitgewirkt....aus falscher Solidarität. Jetzt dürfen wir keinen dritten Weltkrieg mitverantworten.
    Es lebe Iran und es lebe Israel

  2. ... weil sie diese Verhandlungstechnik bei den Palästinensern selber seit Jahrzehnten anwenden.

    Wie der US-Geheimdienst aber immer wieder meldet, sind die Iran 10 Jahre von einer Atombombe entfernt (die Israel bereits hat).

    Bei aller Sympathie für Feindbilder, wir sollten langsam erkennen, dass der Iran uns mehr nutzen kann als er schaden kann bzw. will.

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    "Die israelische Zeitung "Haaretz" zitierte vor wenigen Tagen ausführlich die Warnungen der US-Außenministerin Hillary Clinton vor einem Präventivschlag Israels. Auch Meir Dagan, bis 2010 Direktor des israelischen Geheimdienstes Mossad, warnt seit über einem Jahr vor einem Angriff der israelischen Luftwaffe auf iranische Atomanlagen.Wie viele andere"
    www.zdf.de/ZDFmediathek/b...

    Andere und neue Töne sind ebenso hier zu hören:
    http://www.tagesspiegel.d...

  3. Mal wieder zeigt sich, dass der Iran gar nicht richtig reagieren _kann_: Für die Israelis sind die Gespräche schon "wertlos", bevor sie überhaupt begonnen haben.

    Wer jetzt immer noch behauptet, dass Israel Frieden will, dem ist nicht mehr zu helfen.

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    dann weiß man warum sie das immer bei ihren Gegnern verorten, die israelischen Politiker, weil sie es selbst in Bezug auf ihre eigene Atom-Bewaffnung mit großer Skrupellosigkeit getan haben.
    http://www.spiegel.de/spi...
    "Wenn es nötig schien, griffen Israels Politiker und Militärs zu Täuschung und Betrug, um so lange wie möglich den wahren Charakter ihres Atomprojekts in der Negev-Wüste zu verschleiern. Später, als das israelische Nuklearpotential bereits gefährlich ausdifferenziert war - die Waffenpalette reicht heute von der taktischen Atomgranate bis zur Neutronenbombe -, bespitzelte Israel sogar seine Verbündeten, um an Informationen zu gelangen, die Amerika wohlweislich zurückhielt.
    Das Hersh-Buch weist aber auch nach, daß die Vereinigten Staaten niemals ernsthaft versucht haben, Israel an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Trotz ausführlicher Geheimdienstberichte und brisanter Informationen hielten die meisten US-Präsidenten ihre Augen fest geschlossen gegenüber der atomaren Gefahr in einer der gefährlichsten Regionen der Erde."

  4. Ich glaube der Hauptaugenmerk des Westens und Israels ist es den Iran schwach zu halten. Ein Abdriften des Iran in die Unabhängigkeit mittels einer Atombombe ist dabei der Worst Case. Man möchte einfach keinen anderen Aktuer dulden im großen Sandkasten, den man faktisch schon zu 90% eingenommen hat.

    Der Iran ist wirtschaftlich gut aufgestellt. Besitzt austreichend Rohstoffe und gut ausgebildete Fachkräfte. Er ist militärisch ernstzunehmen und politisch unabhängig.

    Das ist für das Imperium nicht hinehmbar. Zusammen mit einem unabhängigen Syrien würde der Iran mittelfristig zur vorherrschenden Macht in der Region werden. Der Abzug im Irak und Afghanistan nur noch eine Frage der Zeit.

    Die Scheichs als letzte Verbündete in einem in die Unabhängigiet und Unkontrollierbarkeit abrutschenden Nahen Osten?

    Nein, die Sanktionen gegen den Iran schaden zwar in erster Linie uns selber (Ölpreise), sind aber nötig um die Entwicklung des Irans zu bremsen.

    Sollte der Iran wirklich unabhängig werden (die Bombe bekommen), müsste Israel tatsächlich verhandeln und sich diplomatisch verhalten. Die USA müsste den Iran berücksichtigen wenn sie wieder einen neuen Militärstützpunkt errichtet an den Grenzen des Iran.

    Nein, das darf nicht passieren. Die imperialen Streitkräfte und Propagandaorgane müssen das um jeden Preis verhindern.

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    • kai1
    • 13. April 2012 12:17 Uhr

    Wie Sie selbst schreiben, ist der Iran konventionell militärisch ausreichend stark, um einen jedweden Angriff von außen abzuschrecken. Auch ist es richtig, dass der Iran wirtschaftlich zumindest in der Theorie gut aufgestellt ist. Die Frage stellt sich, warum das Land in dieser Situation überhaupt den Besitz von Atomwaffen anstrebt (um eine innenpolitische Schwäche zu kaschieren und Druck nach außen abzuleiten oder um sich sinistre Druckmittel für die Region am Golf zu beschaffen?).
    Erstens wird das Land dadurch (was vermutlich viele der führenden Köpfe glauben) nicht "unverwundbar" (zumindest nicht "unverwundbarer" als nur konventionell gerüstet) und zweitens beschwört es damit gerade erst außenwirtschaftliche und politische Spannungen herauf, die es (gemessen an den Möglichkeiten, die sein Status als saturierte konventionell Macht böte) überhaupt erst schwächen und in einen hysterisch-paranoiden Kreislauf von angenommener Bedrohung und scheinbar notwendiger Gegenreaktion treiben.
    All das könnte sich das Land durch den glaubhaften, völkerrechtlich besiegelten Verzicht auf eine nukleare Bewaffnung, die darüber hinaus auch ökonomisch unsinnig ist, ersparen.
    Das "Imperium" (gemeint sind vermutlich die "satanischen" USA) zu beschuldigen, den Iran "schwach" halten zu wollen, ist ausgemachter Unsinn. Vielmehr schwächt sich der Iran durch das Streben nach der Bombe stärker selbst, als es irgend ein möglicher Gegner je tun könnte - auch indem es Israel ohne Not herausfordert.

    • fse69
    • 13. April 2012 12:24 Uhr

    "...Ich glaube der Hauptaugenmerk des Westens und Israels ist es den Iran schwach zu halten. Ein Abdriften des Iran in die Unabhängigkeit mittels einer Atombombe ist dabei der Worst Case..."

    ... dass dies (mehr oder weniger stark ausgeprägt) auch das Ziel aller sunnitisch geprägten Staaten der Region ist, allen voran natürlich das der Saudis mit ihren Anhängseln.

  5. Was viele Europäer bei der Debatte übersehen, ist Gefahr für die Existens Israels. Diese geht nicht nur durch den Iran aus, sondern auch durch Israels Nachbarn.

    Wie sehr der Judenhass heute verbreitet ist, zeigt dieses kleine Beispiel:
    http://www.youtube.com/wa...

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    Als Palästnenser würde ich eher argumentieren : umgeben von Feinden, die mich vernichten wollen.
    Präzisieren Sie doch bitte die Nachbarn, die Israel vernichten wollen.

    • HGAZIS
    • 13. April 2012 11:59 Uhr

    ..sollte ein staat wie israel unbedingt seine außenpolitik übederdenken.
    ein statt der wie israel jede diplomatie ausschließt und dinge fordert, die er selbst nicht einhalten will ist in meinen augen nicht homogen was seine wertvorstellung und glaubhaftigkeit betrifft.
    die doppelmoral die derzeit von diesem kleinen land ausgeht ist es, die das misstrauen und den unmut gegen dieses land schürt. ich kann doch nicht wenn ich friedne möcht eun keien gewalt jeden im pasuenhof mit schlägen drohen und wenns brenzlig wird den großen bruder holen (USA).

    und mit verlaub das ist kein antisemitismus bzw. judenhass wenn man das so sieht sondern ganz nüchtern die wahrheit.
    wenn man natürlich alles durch die rosarote sonnebrille sieht und sich nie getraut aufgrund der vergangenheit jene wahrheit auszusprechen so merkt diese kleine land nie auf welchen irrpfad es derzeit wandelt. schlimm ist auch das eine Religion immer mit der Außenpolitik eines Landes gleichgesetzt wird die ein hoher Bevölkerungsteil im selbigen gar nicht mittragen will. Wo ist man also Judnehasser wenn man die Außenpolitik eines Landes kritisiert.

    …für Gleichgesinnte eine Internetseite mit Links zu Sprechbeispielen aufzubauen.

    Leider gibt's in Deutschland nicht viele Muttersprachler bzw. Dialektfreie.

    Haben Sie noch mehr von dem Material? Optimal zum Lernen sind Vorsprecher/Chor-Szenarien, Untertitel sind kein Muss aber sehr willkommen (für die blutigen Anfänger).

    • Bastie
    • 13. April 2012 13:54 Uhr

    Kleine Beispiele zeigen nie auch nur irgend etwas. Allenfalls dienen sie zur Propaganda.

    • Hafez
    • 13. April 2012 11:47 Uhr

    so eine ähnliche Story nicht vor 10 Jahren bei der Irak Inversion? Da wurden auch alles behauptet und bis dato nichts bewiesen! Schaut euch diese beiden Seiten an und dann könnt ihr selbst eins und eins zusammen zählen warum so ein Theater um Iran gemacht wird:
    http://www.20min.ch/inter...

    [...]

    MfG,
    Hafez

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Danke, die Redaktion/ls

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    Ich bin auch schon lange der Meinung, dass der Plan des Iran sich vom Erdölhandel in Dollar zu lösen, der Kern des ganzen Übels ist. Dies wurde auch schon Saddam und Gaddhafi zum Verhängnis. Ist sicher nicht der einzige Grund, aber bei der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung der USA sicher der bedeutsamste von Seiten der US-Politik. Ich zitiere mal kurz die wichtigsten Agrumente:

    Das »Petrodollar«-System war ein brillanter politischer und wirtschaftlicher Schachzug. Damit war der weltweite mit dem Erdöl zusammenhängende Geldverkehr gezwungen, durch die amerikanische Notenbank Federal Reserve zu fließen und so eine immer wachsende Nachfrage nach amerikanischen Dollars und amerikanischen Schulden zu erzeugen. Zugleich mussten die USA für Erdöl selbst praktisch immer weniger bezahlen, da der Erdölpreis in der Währung ausgewiesen wird, die die USA selbst kontrollieren und drucken. Dies führte dazu, dass von Russland bis China, von Brasilien bis Südkorea jedes Land bemüht war, aus seinem Exportgeschäft so umfangreiche Dollar-Reserven wie möglich abzuzweigen, um Erdöl kaufen zu können.

  6. 7. Gefahr

    Als Palästnenser würde ich eher argumentieren : umgeben von Feinden, die mich vernichten wollen.
    Präzisieren Sie doch bitte die Nachbarn, die Israel vernichten wollen.

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    Entfernt. Bitte beachten Sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Danke, die Redaktion/ls

    • fse69
    • 13. April 2012 11:57 Uhr

    ... in dieser Runde verloren? Kann mir das mal jemand verraten? Die Frage stellt sich mir schon lange. Wenn es um die EU geht und man unbedingt (wenn auch aus mir nicht ersichtlichen Gründen) glaubt, dass die in dieser Frage unbedingt mitreden müsse, sind doch die beiden UNSR-Vetomächte GB und F vertreten. Und Israel hat seinen "Interessenvertreter" doch bereits mit den USA am Tisch. Wieso bleiben die Staaten des Nahen Ostens hier ausgesperrt? Die sind es doch, die von dieser ganzen Angelegenheit unmittelbar betroffen sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Barack Obama | Benjamin Netanjahu | Mahmud Ahmadinedschad | Istanbul | Iran | Atombombe
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