Israel : Netanjahu kann gelassen auf die Neuwahl blicken

Die Regierungskoalition in Israel steht vor dem Bruch. Premier Netanjahu hat dabei wenig zu verlieren. Die Neuwahl könnte ihn sogar stärker machen.
Benjamin Netanjahu © Ronen Zvulun/AFP/Getty Images

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weiß offenbar genau, was er tut. Für vorgezogene Neuwahlen, die nach einem Koalitionsstreit drohen , soll er gegenüber Vertrauten bereits mögliche Termine vorgeschlagen haben: Vielleicht schon im August könnten die Bürger zur Wahlurne gerufen werden.

Dass er den Bruch des Bündnisses in Kauf nimmt, um ein umstrittenes Reformgesetz zum Militär- und Zivildienst durchzusetzen, ergibt vor dem Hintergrund einer aktuellen Umfrage der Zeitung Yisrael Hayom Sinn: Demnach könnte seine Likud-Partei mit vier zusätzlichen Sitzen sogar zur stärksten Kraft mit 31 Sitzen in der Knesset aufsteigen. Die oppositionelle Zentrumspartei Kadima, die derzeit mit 28 Sitzen größte Fraktion im 120 Abgeordnete zählenden Parlament, käme nur noch auf 13 Sitze. Hinzu kommt, dass fast 30 Prozent der Befragten Netanjahu für den geeigneten Regierungschef halten, alle anderen möglichen Kandidaten folgen mit einstelligen Werten.

Der Ministerpräsident kann möglichen Neuwahlen vor dem eigentlichen Termin Ende 2013 also eigentlich gelassen entgegensehen. Die Drohung seines wichtigsten Koalitionspartners, der ultranationalistischen Partei Israel Beitenu unter Außenminister Avigdor Liebermann, einen Antrag zur Auflösung des Parlaments zu stellen, zeugt zwar vom zerrütteten Verhältnis der Partner. Doch Neuwahlen brächten in der aktuellen Lage eher eine neu geformte Regierung unter Netanjahu als eine wirkliche Veränderung. Jedenfalls scheint keine mehrheitsfähige Koalition ohne die Likud-Partei möglich.

Liebermann wiederum hofft offenbar, dass ein neues Bündnis ohne die beiden streng religiösen Parteien Schas und Vereinigtes Tora-Judentum auskommen würde. Die aktuelle Koalition sei "gebaut für viele Kompromisse und wenige Entscheidungen", sagte er der israelischen Nachrichtenseite Ynet .

Kadima braucht Zeit zur Neuorientierung

Die Opposition wittert zwar ihre Chance durch die Krise des Regierungsbündnisses. Doch käme es gerade der Kadima eigentlich nicht entgegen, wenn noch in diesem Jahr neu gewählt würde. Sie war vor sieben Jahren vom früheren Premier Ariel Scharon nach seinem Austritt aus der Likud-Partei gegründet worden und hatte sich überraschend schnell zur größten Partei Israels entwickelt. Bei den Parlamentswahlen 2009 wurde sie zur stärksten Kraft.

Die große Hoffnungsträgerin der Partei, die frühere Außenministerin Zipi Livni, hatte damals ein Regierungsbündnis mit Likud allerdings vehement abgelehnt und musste deshalb in die Opposition gehen. Seitdem hat Kadima enorm an Zustimmung in der Bevölkerung verloren.

Ende März war Livni dann als Parteichefin abgewählt worden, und der frühere Verteidigungsminister Schaul Mofas trat an ihre Stelle. Anders als Livni, der er die Schuld an den sinkenden Umfragewerten der Kadima gibt, schließt er eine Zusammenarbeit mit Netanjahu nicht aus. Mit Mofas an der Spitze ist der rechte Flügel deutlich gestärkt. Das schärft zumindest das Profil der Partei. Mofas dürfte allerdings Zeit für eine Neuorientierung brauchen, um daraus politisches Kapital schlagen zu können.

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Kommentare

275 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Traurig..

was in Israel geschieht.

Die "gemäßigten" Kräfte in der derzeiten Regierung (wohl die nationalistischste überhaupt in der Geschichte Israels) werden rausfliegen, die extremistischen Kräfte (Lieberman und Netanjahu) werden weitere Plätze hinzugewinnen. Da nutz es auch nichts, dass die fundamentalistisch-religiösen Parteien wie Shas nicht mehr in der Regierung sein werden.

Ein Ende der völkerrechtswidrigen und menschenrechtsverletzenden israelischen Besatzungspolitik wäre somit genausowenig in Sicht wie ein Weg in Richtung Aussöhnung und Frieden mit den Palästinensern.

Hoffentlich werden die Israelis noch rechtzeitig aufwachen, bevor sie die letzten Überreste von Demokratie genommen bekommen, die ohnehin von der derzeitigen Regierung immer weiter ausgehöhlt wurde.

Wirklich traurig.

Keine Chance

Sie werden es schon noch erleben. Die Politik der rechten Falken ist auf dem absteigenden Ast. Diese Politik braucht Feinde. Sie braucht Bedrohungen, Krieg und Sicherheitspolitik. Ansonsten wird sie untergehen.

Sobald sich diese rechten Hardliner mit Volkswirtschaft beschäftigen müssen und keine polarisierenden Feindbilder mehr da sind, gehen sie jämmerlich unter.

Nicht nur in Israel, auch im Iran.

Ihr habt einfach keine Ahnung, aber davon umso mehr!

Wenn ich mir das so durchlese, dann hab' ich das Gefühl, daß jeder, der nicht links ist rechts sein muß.

Wo in Israel die Mitte ist, können mir die Linken in Israel nämlich auch nicht sagen.

Wenn einer eine Kippah trägt, dann ist er also extrem, wenn er zum Shabbat in die Beit Knesset geht, dann ist er gleich Ultra und wenn er in Jerusalem keine erschwingliche Wohnung gefunden hat und deshalb in einem Container in (sagen wir) Kfar Eldad lebt, dann ist er ein gefährlicher ultra-religiöser ultra-nationalistischer Extremist???

Wenn eine wie ich am Shabbat gerne mal stinkfaul ist und den Avi mag, weil er so erfrischend undiplomatisch ist, dann ist sie sicher eine ganz schlimme rechts-außen.

Wie müßte ich aussehen, um Gnade zu finden?

Müßte ich Sonntags in die Kirche gehen oder Freitags in die Mosche?

Wenn ich mich verschleiere wie eine Muslima, dann geht's in Ordnung?
Ja?

Und wenn ich gegen Israel schimpfe, dann bin ich akzeptabel?

Wenn ich am Shabbat Remmidemmi mache, dann ist's gut?

Ist es das?

Ich glaube, Ihr habt keine Ahnung wie lässig die meisten Ultra-Orthodoxen drauf sind! Tolle Typen und vor allem machen die auch mal kompliziertere Diskussionen mit, ohne geistig auszusteigen oder auszuticken!

Auch die Jüdische Streitkultur wird im Westen völlig falsch verstanden.

Die allerallermeisten von Euch kennen Israel wohl nur aus den Medien!

...für Zahnweh!

...erfrischend, Ihr Beitrag, nur sind Sie hier leider nicht in der Knesset im Orient, sondern in einem abendländischen Zeitungsforum , wie Sie schon bald merken werden.
Im übrigen halte ich Ihre Befürchtungen über die allgemeine Kenntnis junger Bundesbürger über Israel für noch etwas trauriger als Sie:
man interessiert sich nicht mehr so richtig mit dem Herzen für Israel, empfindet den unnachgiebigen Staat iregendwie als störend und freut sich über einen wie Grass, der das mal ungefähr artikuliert, was sie schon immer so empfanden.
...und überhaupt, Verehrtester, wenn Sie nicht am vermutlich 4.September Ihr Wahlkreusz bei der Dima machen, dann sollen Ihnen alle Zähne ausfallen, bis auf einen, der soll bleiben...für Zahnweh! ;-) ;-)

Das sind einfach ganz normale Menschen

Hier in D-Land werden die als die schwarzen Männer hingestellt.Die Hareidim,die ich sind lustige lebensfrohe Menschen,Intellektuelle die die Torah sehr gut kennen

Ich bin übrigens eine Frau!

Und die reden mit mir! Auch über religiöse Dinge!

Es ist eine kleine Fraktion, die Zeloten,die so extrem sind,daß es wirklich problematisch ist

Wenn wir das alles auf einer Skala auftragen und die Zeloten das eine Extrem markieren lassen,...
was ist dann das andere Extrem?

Wir sind es gewohnt, in unseren Rastern zu denken und da spielt Religion nur eine geringe Rolle

Die Frage ist auch nicht ob Israel als Jüdischer Staat ein religiöser Staat sein muß, sondern ob wir die Jüdische Moral und Ethik als Grundlage für eine Grundordnung anwenden oder ob wir unbedingt den Islam oder das Christentum als Blaupause dafür verwenden müssen

Hier beißt's bei den meisten aus und mangels Verständnis wird schnell jemand, den man im Grunde gar nicht kennt als extrem diffamiert

Also, was ist das andere Extrem?

Die frommen Muslime?

NEIN! Mit denen gebe ich mir gerne die Hand, denn das sind überwiegend hochanständige Leute!

Am anderen Extrem der Skala sind die, die sich selbst gerne als die Mitte darstellen und alles andere nach rechts rücken. Es sind die, die alle, für die das Göttliche eine wichtige Rolle spielt, als Extrem bezeichnen.

Ich finde den American Psycho mindestens so schlimm wie die Zeloten. Der eine hat die Moral verloren, der andere weiß gar nicht was das ist

Leben und leben lassen

Das Problem taucht immer dann auf,wenn einer meint, auch alle anderen müßten nach seiner Facon seelig werden

Also, wenn der Zelot [1] meint, alle müßten wie Zeloten leben.
Oder wenn der Reform-Jude [2] meint,die Orthodoxie sei völlig falsch und man müsse sie auch so schwarz anmalen wie er sie sieht
Wenn sich der Atheist als Säkular [3] aufplustert und die Regierung als Rechts-Außen und Nationalistisch verurteilt,nur weil sie nicht das tun, was er gerne hätte
Oder wenn der Abbas sagt,er könne einen Jüdischen Staat Israel nicht akzeptieren
Hier wird's interessant und das geht jetzt ohne Fußnote

Aha, also kein Jüdischer Staat?
Was dann?
Ein Islamischer Staat natürlich!
Es geht nicht darum, daß man Land weggenommen hätte,oder so,sondern es geht darum, daß Juden seit der gewaltsamen Vertreibung der Juden und nicht mehr als Dhimmi sondern nun als Harbi sehen

Mahmoud Abbas kann sich Israel als Staat schon vorstellen
Aber nicht als Jüdischen
sondern als Islamischen Staat!

Hierüber streiten wir mit den anderen Muslimischen Staaten der Region!

____________________
1) Zeloten - das sind die wirklichen Ultras unter den Orthodoxen. Ansonsten finde ich die Orthodoxie ist Mainstream.
2)Es gibt in Judentum einige Strömungen, ich glaube 's sind 13
3) Das ist in Israel ein besonderes Problem. Es wird oft von den Säkularen Juden gesprochen, aber man muß erst mal eine genaue vorstellung vom Judentum haben um sehen zu können wer die Säkularen Juden tatsächlich sind.

Slicha, Verehrteste, aber

"Das Problem taucht immer dann auf,wenn einer meint, auch alle anderen müßten nach seiner Facon seelig werden
Oder wenn der Reform-Jude [2] meint,die Orthodoxie sei völlig falsch und man"

wer will hier wen dazu bringen sich an vermeintlich kategorische Regeln zu halten?
Wer leistet sich Übergriffe?
Das ist ja wohl eine völlige Umkehrung, was Sie hier konstruieren.

...verhandeln, nicht immer gleich verprellen

...wenn Sie wirklich mit Ihrem Problem vorwärtskommen wollen, müßten Sie dann nicht dem Gesprächspartner verständnisvolle Bereitschaft zu allen notwendigen Kompromissen signalisieren, statt ihm Ihren Absolutheitsanspruch gleich eingangs um die werten Ohren zu hauen...? ;-)
Das ist es ja was ich mit meinen Beobachtungen meinte:
Unsere bundesrepublikanische Jugend wendet sich innerlich leider immer mehr vom Nahost ab, weil sie diesen einfach fehlenden Behandlungswillen oder den abstoßenden Absolutheitsanspruch dort spürt und nun leider lieber meint:
"Große Mauer drum herum um Alles dort und ab und zu mal reinhorchen, ob sie sich völlig umgebracht oder vertragen und geeinigt haben...!"
..und manchmal kann ich unsere Jugend in diesem Punkte sogar verstehen, obwohl ich diese nahöstliche bilateral Sturheit persönlich immer noch nicht wahr haben will...

die Welt interessiert sich für Ölpreise, weniger für Israel

..wenn ich früher als ich noch jung und gesünder war, in Haifa oder in verschiedenen Kibbutzen bei meinen guten Bekannten TV geschaut haben (leidlich Ivrit=Neuhebräisch konnte ich!) - nämlich die berühmten täglichen Abendnachrichten, wo sich fast ganz Israel vorm TV versammelte - , verfolgte ich dort stets aufs neue verblüfft, wie sich das kleine, insellagige Israel für selbstverständlich weltwichtig nahm.
Da gefiel mir dann unsere gebeutelte Bundesrepublik, mit seinen Nachbarn:
Niederlande, Frankreich, Polen usw., dann doch immer besser und erschien mir durch Aufarbeitung, wenn auch beschwerliche, der Historie denn doch aufgeklärter zu sein...

Hoppla, ich glaub' Du kriegst da was durcheinander

Die Orthodoxie ist Mainstream
Dann kommen die Hareidim von denen die meisten sehr verträglich sind und einfach ihr Ding machen!

Gehen wir beide doch mal in Beit Shemesh ums Falsche Eck und kriegens mit total durchgeknallten Zeloten zu tun

Nur, sind die nicht repräsentativ!

Wer die Orthodoxie mit den Zeloten über einen Leisten schert,nährt Vorurteile!

Da taucht die Frage auf,wer noch so halbwegs akzeptabel ist für die,die's mit unserer Gesellschafts-und Sozialordnung eher liberaler halten?

Also:

Sind's die Traditionellen? Muß ich traditionell sein,damit ich noch durchgehe?

Oder geht auch noch Konservativ? Oder Konservadox?

Oder muß ich Rekonstruktionistin sein,damit ich Gnade finde?

Ich bin ziemlich orthodox!

Ich back'am Freitag meine Challa und mach' meine Shabbat-Vorbereitungen... halte ich den Kiddush am Shabbat und geh' in die Beit Knesset und bin am Shabbat so richtig stinkfaul...

Und ich trage trotzdem kurze Röcke und kurze Ärmel und kein Kopftuch...

Und wenn ich was dick hab,dann ist's,wenn einer von meinem Bekenntnis versucht zu schließen,ob ich ein toleranter Mensch bin

Da krieg' ich echt genug!

Das Wesen der Jüdischen Gesellschaftsordnung ist nun einmal das Egalitäre und es kommt nicht so gut an,wenn einer meint,er müsse mit den Fingern auf andere zeigen:
>
> wer will hier wen dazu bringen sich an vermeintlich
> kategorische Regeln zu halten?
> Wer leistet sich Übergriffe?...
>
Das gilt nicht nur für die Ultras,sondern für alle!

Freud oder flüchtig ?

...ist Ihnen da im letzten Satz ein für mich amüsanter Freud'scher Fehler ("...ANDER muslimische Staaten!") unterlaufen oder nur ein für mich ebenfalls verzeihlicher Flüchtigkeitsfehler bei der exakten Formulierung bzw. Ausdrucksweise im Eifer der Diskussion unterlaufen ? , denn Israel ist ja eben gerade KEIN muslimischer Staat, wenn das die Gegner auch gerne so hätten...;-)

Nein! Ich schalte ihn gar nicht aus!

Wenn ich meinen Compi nicht ausschalte, muß ich ihn nicht einschalten. Nebenan ist'n AKW (Dimona) das seinen Strom auch irgendwohin liefern muß.

Dann kommt noch, daß ich im BIOS "Boot on Power" konfigurieren kann und mit der Zeitschaltuhr das Dings gestartet kriege.....

Hier fängt's an blöd zu werden und wir sehen, daß auch Orthodoxe modern sein können.

Also, ich schalte das Licht und meinen Computer dann doch mit der Hand, weil das sonst irgendwann einfach blöd wird und ich bediene eben nicht die kruden Vorurteile sondern ich mache mein Ding.

Die Suppe wird eben nicht so heiß gegessen wie sie gekocht wird!

Richtig heiß wird die Suppe erst, wenn einer meint, die Orthodoxen sind pösen.
Sind wir nicht.
In diese Schublade gehören wir nicht.

Man mag sich gerne differenziert mit diversen Auswüchsen auseinandersetzen, aber das gleiche gilt für Opus Dei oder Radio Maria (Polen)

Wir leben unser leben und die anderen ihres.

Wenn ich herginge und versuchte anderen meine Lebensweise zu oktroyieren, dann hätte ich harte Kritik verdient.

Wenn ich herginge und Reform-Juden verurteilte dann hätte ich ebenfalls harte Kritik verdient.

Wie ist das aber mit den anderen, die die Orthodoxie schwarz anmalen und sagen: "Seht her! Das sind die Pösen!"

Es gibt genügend, das wir an der Orthodoxie kritisieren können, aber bitte versuch' nicht es über einen Leisten zu schlagen.

Wenn ich wählen dürfte, dann Yisrael Beiteinu

Ich mag' den Avi, weil der so erfrischend undiplomstisch ist.

Wenn ich den Westerwelle dagegenhalte, dann muß ich den Avi einfach liebhaben!

Es ist in D-Land usus, diese Partei als "ultra-nationalistisch" zu diffamieren. Das ist freilich entschuldbar, wenn man die innenpolitischen Verhältnisse in Israel nur aus der Außenansicht kennt.

Genauso wird die Shas-partei immer als ultra-religiös hingestellt, dabei ist das einfach nur die politische Vertretung der Sephardim und Mizrahi, damit die von den Ashkenasim nicht vollends untergebuttert werden.

Es ist schwierig, wenn man über die innenpolitischen Verhältnisse Israels zu urteilen versucht ohne über das Land wirklich bescheid zu wissen. Da haben's die Sephardi und die Mizrahi eh schon nicht soooo leicht. Das liegt zum einen an ihnen selber und dann doch auch wieder daran, daß auch die Israelische Gesellschaft nicht frei von Vorurteilen ist und dann kommen die Deutschen und wissen's ganz genau:

Yisrael Beiteinu - Ultra-Nationalistisch
Shas - Ultra-Religiös.....

Das trifft aber so nicht zu!
Genauso wie es nicht zutrifft, daß jeder Muslim ein Terrorist ist.

Nur, warum erlauben wir uns in Deutschland gegenüber den einen einen tolerant distanzierten Blick und nehmen die anderen bei jeder Gelegenheit hopp????

263 Beiträge zähle ich im Moment in diesem Thread und ich stelle Euch die Frage ob ihr über die "Republic of China" genausoviel diskutieren würdet, wenn dort Wahlen wären.

Weiß nicht?! Vielleicht 30%

Hier gibt's auch ein paar lebenspraktische Probleme die in D-Land keinen interessieren.

Hier in Israel ist man recht froh, daß die Wahlen jetzt sind, denn wir haben gerade halbwegs ruhige Zeiten und das erlaubt es einen halbwegs innenpolitischen Wahlkampf zu führen.

Ich bin darüber sehr glücklich, denn es gibt viele Themen die richtig brennen und die unbedingt angepackt werden müssen.

Wie die Leute so denken ist schwierig zu sagen, denn da sind noch 1.2 Millionen Araber, die auch ihr Recht kriegen sollen und die im Norden haben andere Sorgen als wir im Süden. In Beit Shemesh ist's wieder anderskrass und in Yerushalayim kriegst Du keine erschwingliche Wohnung, aber vielleicht hat ein Kumpel einen abgetragenen Caravan (Wohn-Container) den stellst Du dann in die Wüste von Judea und fertig ist die illegale Siedlung! Wenn Du das Dings aber so hinstellst, daß es irgendwie wie ein Zelt aussieht, dann darfst Du's hinstellen wo Du willst, denn große feste Zelte sind erlaubt.

Man wird innovativ und wartet auf politische Lösungen.

Politische Lösungen?

Nein, denn dann kommt der Westen, schiebt mal wieder ein paar hundert Millionen Dollar zur PA, damit die die Gehälter für die Terroristen bezahlen können und derweil hebt man den Finger, wenn mal wieder ein paar junger Familienväter irgendwo die Wohncontainer für ihre Familien hingestellt haben.

Jaja, die im Westen haben freilich recht..... IMMER,

.... nur kann davon keiner runterbeißen!

gut gefallen

wow! 30% für deine ultraorthodoxen freunde! Irgendwie erinnert mich das doch langsam an romane von ephraim kishon, z.B. "die beste aller ehefrauen", hat mir vor jahrzehnten gut gefallen...
warten wir halt ab, ob Netanyahu wirklich auch noch am vermutlich 4.september nach der auszählung noch so gelassen ist oder - was ich stark vermute - mit der inzwischen weniger apodiktisch gewordenen Kadima koaliert, aber bloß nicht mehr mit diesen 3-5% Siedlern vom harten kern, dann ginge ja leider alles so unbeweglich weiter wie bisher...meine Ansicht!

Es ist schön, daß es Ihnen so gut geht ( zu gut, vielleicht? )

Zu den Siedlungen:
http://en.wikipedia.org/w...
The Jordanians immediately expelled all the Jewish residents of East Jerusalem.All but one of the 35 synagogues in the Old City were destroyed over the course of the next 19 years,either razed or used as stables and chicken coops.Many other historic and religiously significant buildings were replaced by modern structures.The ancient Jewish cemetery on Mount of Olives was desecrated, and the tombstones were used for construction,paving roads and lining latrines; the highway to the Intercontinental Hotel was built on top of the site

Es besteht durchaus ein Recht für Juden in den umstrittenen Territorien zu siedeln
Hier in Israel sieht man das deutlich entspannter!
Naja,die Linken darf man freilich nicht fragen,denn die fällen vernichtende Urteile,aber für die Linken sind alle,die sich in Tel Aviv keine Wohnung leisten können extremistische Siedler!

Das Durchschnittseinkommen in Israel ist niedrig
http://www.transatlantikb...

Sehr viele Israeli können sich die Mieten einfach nicht leisten! Ich kenne einige,mit Einkommen zwischen 4000 und 6000 NIS, also um die 1000 Euro schankt

Die Mieten sind aber nicht überall erschwinglich und so leben viele ganz normale Leute in Judea oder Samaria und müssen sich von Typen wie Ihnen dann diffamieren lassen?

Netanjahu = Krieg

Ich muss Ihnen vollkommen rechtgeben, aber an welche andere politische Macht erinnert uns das?

Man könnte sich fast schon hinstellen und sagen:

"Wer Netanjahu wählt, ...."

Wie kann genau jenes Volk, welches unter dem Zweiten Weltkrieg so gelitten hat, heute Kriegen so positiv gegenüberstehen?

Die Aggressivität Israels ist mit keinem anderen Land zu vergleichen, man hat es geschafft, dass alle umliegenden Länder gegen einen sind, sollte dass den Menschen Israels nicht zu denken geben?

Wenn ihre Regierung Interesse an Frieden hätte, würde man dann nicht auf die Nachbarländer zugehen und zumindest versuchen sich zu versöhnen?

Die Mehrheit der Bewohner Israels hat anscheinend kein Interesse an Frieden oder Beziehungen zu anderen Ländern,
m.E. haben sie den Hass, der ihnen im gesamten arabischen und persischen Raum entgegen schlägt hundertprozentig verdient, es geht den meisten der Feinde Israels nicht um irgendeine Religionszugehörigkeit, sondern um die menschenverachtende Politik dieses Landes und es ist an der Zeit, dass sich die Regierungen der EU und am besten auch der USA (als ob das je geschieht) dazu äußern, und dass man eine offene Diskussion führt.

Bevor jetzt Irgendwer die "Antisemitismus-Keule" schwingt, ich bin selbst Jude und Israel steht nur für seine Einwohner und nicht für die Juden weltweit, von denen viele diese
Kriegstreiberei ablehnen, da sie noch bei Verstand sind, anscheinend im Gegensatz zur israelischen Bevölkerung.

.....

Teilweise haben Sie Recht. Das Israelische Volk hat nicht wirklich den Drang unter Frieden mit den arabischen Nachbarn zu leben. Aber muss es das? Müssen die in Frieden mit denen leben wollen, die Raketen auf die abschießen? Jede US-Rakete in Pakistan erschießt einen Terroristen, erschafft dafür 2 neue. Das ist keine Einbahnstraße. Das geht auch in die andere Richtung. Jede Quasam-Rakete in Israel vermindert die Lust der Israelis auf Frieden.

Menschenverachtend ist die Politik in Israel aber nicht. Ich war sowohl in Israel und ich wohne seit 12 Jahren in Deutschland. Ich wäre frohe, wenn sowohl das deutsche Volk als auch die deutsche Politik so offen und ausländerfreundlich wäre wie das in Israel der Fall ist. Besonders bei der Mentalität ist es kaum zu übersehen, dass Israelis um einiges offener und ausländerfreundlicher als Deutsche sind. Da besteht ein riesiger Unterschied. In Israel interessiert es wirklich niemanden woher du kommst. Hier schon. Nach Israel kannst du heute ankommen und morgen fühlst du dich wie Zuhause. Hier nicht.

Antwort auf 9

Sie mögen ja Recht haben, damit dass Israelis meist freundlich gegenüber Menschen anderer Ethnien sind, aber die Regierung verhindert aktiv jegliche Art von Frieden, wenn es einen stabilen Palästinenserstaat geben würde, könnte dieser sich auch gegen die Terroristen wenden, und man müsste nicht alle paar Jahre völkerrechtswidrig in irgendein Land einmarschieren bzw. es mit geächteten Waffen zerbomben.

Meiner Meinung nach die einzige Chance auf einen dauerhaften Frieden ist, wenn Israel aufhört die legitimen Forderungen der Palästinenser zu ignorieren, diese dauerhafte Kriegführerei kann nicht zum Erfolg führen, dieser Hass muss irgendwie gestoppt werden, denn sonst artet es so aus, wie zwischen Deutschland und Frankreich, wo dann das ganze Volk nur noch nach Krieg schreit, dass darf nicht passieren, diese Region braucht Stabilität.

"Nationen, die man unterworfen hat, muß man entweder glücklich machen oder vernichten."
Niccoló Machiavelli

Palästina ist zur Zeit meiner Meinung nach kein freier Staat und von Israel unterworfen, man muss einen Weg finden sich zu arrangieren, sonst wird eines der beiden Völker dort keine Zukunft haben.

Es ist sehr erholsam, zuweilen jemandes Kommentar zu lesen

"Ich war sowohl in Israel und ich wohne seit 12 Jahren in Deutschland. Ich wäre frohe, wenn sowohl das deutsche Volk als auch die deutsche Politik so offen und ausländerfreundlich wäre wie das in Israel der Fall ist. Besonders bei der Mentalität ist es kaum zu übersehen, dass Israelis um einiges offener und ausländerfreundlicher als Deutsche sind. Da besteht ein riesiger Unterschied. In Israel interessiert es wirklich niemanden woher du kommst. Hier schon. Nach Israel kannst du heute ankommen und morgen fühlst du dich wie Zuhause. Hier nicht."

der aus persönlicher Erfahrung spricht.

wenig ist oft mehr

...an Ihre überspitzte Formulierung Netanyahu=Krieg kann ich sehr gut meine Widerlegung anknüpfen:
"....aber nur, wenn er wieder die ca. 3-5% Ultraorthodoxen zum Regieren brauchen sollte."
Sonst nicht unbedingt, denn Netanyahu ist für mich ein durchaus realistischer Vollblutpolitiker, der sich geschmeidig den Wünschen der Wähler anzupassen versteht oder, wenn ihn der Koalitionspartner dazu zwingt.
Aus heutiger Sicht hätte man vielleicht nach der letzten Wahl von der linken Seite doch nicht dieses Angebot Netanyahus brüsk ablehnen sollen, als Politik der kleineren Schritte, so hat man garnichts bekommen und die Ultras alles, trotz weniger Prozente...
Der Wahlkampf sollte natürlich schon so geführt werden:
Wollt Ihr faire Verhandlungen mit den Palästinensern oder weiter nur Schein-Vrhandlunge?
Wollt Ihr ein Israel mit wirklich strenger Trennung von Religion und Staat?
Und dann abwarten, was die Wähler entscheiden.

Menschliches und Politisches klaffen auseinander

...das ist im Prinzip auch meine vieljährige Erfahrung und man kann sich in Israel und den meisten Menschen beider politischer Seiten auf der menschlichen Ebene oft viel besser verstehen als hier bei uns.
Aber Eines habe ich auch immer wieder gespürt:
Hitlers Ungeist war nie ganz abwesend!
Deshalb bin ich ein so überzeugter Verfechter von Avraham Burgs Buch-Aufforderung:" Hitler besiegen!".
Was Burg in Israel viel Schelte eingebracht hat und ihn daher ständig wieder erklärende Interviews geben läßt, obwohl er sich und für mich "leider", bekanntlich aus der aktiven Politik ganz zurückgezogen hat.

Eine Wiederwahl wäre fatal

Wenn die Regierung Netanjahu in ihrer äusserst fragwürdigen Politik mit Wiederwahl belohnt werden würde, hätte das sicher eine fatale Wirkung auf das sowieso schon ramponierte Image Israels.

Genau wie bei Bush in den USA, wird bei einer Wiederwahl die aktuelle Politik vom ganzen Volk legitimiert. Bei Bushs erster Amtszeit haben noch viele gesagt "naja, falsch gewählt liebe Amis. Bald ist es vorbrei". Spätestens bei der Wiederwahl hat man aber die Schuld nichtmehr der amerikanischen Regierung gegeben, sondern allen Amerikanern. Denn sie haben diese Politik bestätigt.

Ähnlich droht es den Israelis. Die eigentlich weltweit von der Mehrheit der Menschen abgelehnte Politik der Regierung Netanjahu wird dann ganz schnell die Politik der Israelis.

Dann weiss die Welt, dass die Mehrheit der Israelis hinter dieser Politik steht auch über eine Amtszeit hinaus.

Das hat sicher keine guten Auswirkungen auf das Image des Staates Israels und seiner Bewohner.