Kandidatur Ägyptens Ex-Geheimdienstchef will doch Präsident werden
Der ehemalige Geheimdienstchef Suleiman hat sich für das ägyptische Präsidentenamt beworben. Vor wenigen Tagen hatte das noch ganz anders ausgesehen.
© Mahmud Khaled/AFP/Getty Images

Die Unterstützer des ägyptischen Ex-Geheimdienstchefs Omar Suleiman wollen ihn als Präsidenten.
Kurz vor dem Ende der Registrierungsfrist für die Kandidaten der ägyptischen Präsidentschaftswahl hat der ehemalige Geheimdienstchef Omar Suleiman unerwartet seine Kandidatur eingereicht. Erst vor wenigen Tagen hatte er seine Kandidatur nach wochenlangen Spekulationen abgesagt und dies unter anderem mit Geldmangel begründet.
Eine Demonstration von Hunderten von Anhängern vor seinem Haus habe ihn aber zum Umdenken gebracht, berichtete die Zeitung. Diesen Ruf könne er nicht ignorieren, wurde Suleiman zitiert. "Euer Ruf ist mir Befehl und als ein Soldat habe ich noch niemals eine Befehl missachtet", hieß es in der am Freitag veröffentlichten Erklärung. Er sei "tief berührt" von der Unterstützung seiner Anhänger und werde nun trotz der genannten "Hindernisse und Schwierigkeiten" antreten.
Der Ex-Geheimdienstchef war vom damaligen Präsident Hosni Mubarak nach dem Beginn der Massenproteste im Januar 2011 zum Vize-Präsidenten ernannt worden. Suleiman verlor dieses Amt jedoch, als Mubarak am 11. Februar zum Rücktritt gezwungen wurde. Damals übernahm das Militär die Macht.
30.000 Unterschriften benötigt
Am Sonntag endet die Frist zur Anmeldung einer offiziellen Kandidatur. Bis dahin muss Suleiman nun 30.000 Unterschriften von Unterstützern vorlegen. Der frühere Mubarak-Vertraute ist international bekannt, weil er im Nahost-Konflikt häufig zwischen Israel und den Palästinensern vermittelt hat. Zudem gilt er als Favorit des Militärrats.
Bei der Wahl am 23. und 24. Mai wollen rund ein Dutzend Kandidaten antreten – unter anderem der Vize-Chef der aus der Muslimbruderschaft hervorgegangenen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, Chairat al-Schater, sowie der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga und ehemalige Außenminister Amr Mussa.
"Nein zur Manipulation"
Die meiste Unterstützung scheint bislang jedoch Hasem Salah Abu Ismail von den salafitischen Islamisten zu erhalten. Diese waren unter Mubarak unterdrückt worden und genießen seit dem Machtwechsel viel Zulauf. Die Wahlkommission hatte zuletzt allerdings erklärt, es gebe Zweifel daran, ob Abu Ismail die Bedingungen für eine Kandidatur erfülle. Seine Kandidatur könnte abgelehnt werden, weil seine Mutter angeblich noch kurz vor ihrem Tode US-Bürgerin geworden war. Nach den ägyptischen Wahlgesetzen müssen aber beide Eltern eines Präsidentschaftskandidaten Ägypter sein.
Seine Unterstützer gingen am Freitag auf die Straße. "Wir wollen Hasem Abu Ismail! Nein zur Manipulation!", riefen die Demonstranten. Alle Kandidaturen werden am 12. und 13. April noch einmal geprüft. Die endgültige Kandidatenliste soll am 26. April veröffentlicht werden.
- Datum 07.04.2012 - 11:58 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
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Der Ex-Geheimdienstchef war unter Mubarak für seine brutalen Foltermethoden gefürchtet. Im Westen, besonders den USA, genießt er hohes Ansehen.
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