Mali: USA verhängen Sanktionen gegen Militärjunta in Mali
Der Druck auf die Putschisten wächst: Das US-Außenministerium hat die Junta mit Reiseverboten belegt. Frankreich warnt vor einer islamischen Republik in dem Land.
Die USA haben nach ähnlichen Schritten afrikanischer Staaten Sanktionen gegen die Militärjunta in Mali verhängt. Diejenigen, die "Malis Rückkehr zu einer zivilen Führung und einer demokratisch gewählten Regierung blockieren", würden mit Reiseverboten belegt, erklärte das US-Außenministerium. Damit seien auch Familienmitglieder der Putschisten gemeint sowie diejenigen, die den Anführer der meuternden Soldaten, Amadou Sanogo, "aktiv unterstützen".
Die USA riefen die Militärjunta in Mali zudem erneut dazu auf, unverzüglich die zivile Ordnung in dem afrikanischen Land wiederherzustellen. Zuvor hatte Washington bereits die Rebellen im Norden des Landes aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen und ihr Anliegen im Dialog vorzubringen statt mit Gewalt. In strategisch wichtigen Städten im Norden Malis hatten Islamisten in den vergangenen Tagen die Oberhand gewonnen. Sie hatten zunächst an der Seite der Tuareg-Rebellen gekämpft.
Frankreich warnt vor islamistischer Republik
Die französische Regierung warnt angesichts der jüngsten Entwicklungen vor der Gründung einer "islamistischen Republik". Ein Teil der Rebellen im Norden habe möglicherweise vor, "das gesamte malische Staatsgebiet zu erobern, um daraus eine islamistische Republik zu machen", sagte Außenminister Alain Juppé. In traditionsreichen Städten wie Timbuktu wurde das Scharia-Recht verhängt.
Die französische Regierung wolle die internationale Gemeinschaft gegen die "islamistische Gefahr" in der westafrikanischen Sahel-Zone und gegen den Al-Kaida-Ableger im nordafrikanischen Maghreb (Aqmi) mobilisieren, sagte Juppé. Der französische UN-Botschafter Gérard Araud sagte, im UN-Sicherheitsrat gebe es bereits eine "grundsätzliche Einigung" auf eine Erklärung zu den Vorgängen in Mali.
"Wir brauchen eine gemeinsame Antwort in der ganzen Region auf die islamistische Bedrohung, die von Libyen bis nach Nigeria reicht", sagte Juppé. In einigen Gebieten sei die "Lage unübersichtlich", aber die Rebellengruppe Ansar Dine sei eng verbunden mit Aqmi.
Eine Gruppe von Soldaten hatte sich am 22. März in der Hauptstadt Bamako an die Macht geputscht und Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt. Die Aufständischen begründeten den Coup mit der Unfähigkeit der Regierung, die Tuareg-Rebellion unter Kontrolle zu bringen.







Warum wird da vor einer islamischen Republik "gewarnt"? Während man sie anderswo herbeibombt. Oder zumindest die Rebellen entsprechend bezahlt und bewaffnet?
Ich halte das Anliegen der Tuareg, einen eigenen Staat zu haben, für völlig berechtigt.
"Ich halte das Anliegen der Tuareg, einen eigenen Staat zu haben, für völlig berechtigt."
Haben "die Tuareg" dieses Anliegen überhaupt? Ich wäre sehr vorsichtig dabei, die Forderungen der MNLA mit den Anliegen der Tuareg gleichzusetzen. Die MNLA hat ein paar hundert (oder vielleicht tausend) schwer bewaffnete Kämpfer, gleichzeitig sind 200.000 Menschen (die meisten davon Tuareg) auf der Flucht. Deren wirtschaftliche Existenz war viel mehr von freien Handelswegen und offenen Grenzen abhängig, ein eigener Staat Azawad, der vermutlich von den anderen Tuareg-Gebieten in Niger, Algerien und Libyen isoliert wäre, bringt ihnen zunächst einmal gar nichts.
"Ich halte das Anliegen der Tuareg, einen eigenen Staat zu haben, für völlig berechtigt."
Haben "die Tuareg" dieses Anliegen überhaupt? Ich wäre sehr vorsichtig dabei, die Forderungen der MNLA mit den Anliegen der Tuareg gleichzusetzen. Die MNLA hat ein paar hundert (oder vielleicht tausend) schwer bewaffnete Kämpfer, gleichzeitig sind 200.000 Menschen (die meisten davon Tuareg) auf der Flucht. Deren wirtschaftliche Existenz war viel mehr von freien Handelswegen und offenen Grenzen abhängig, ein eigener Staat Azawad, der vermutlich von den anderen Tuareg-Gebieten in Niger, Algerien und Libyen isoliert wäre, bringt ihnen zunächst einmal gar nichts.
...hätte ich damals gerne in der Zeit gelesen!
Oder zumindest, dass sie sie untertützen. Aber die Nomenklatur hängt wohl davon ab auf welcher Seite der Macht man steht.
Es wird auch nicht vor einer islamischen, sondern vor einer islamistischen Republik gewarnt!
An welchen Kriegen in Afrika ist der Islamismus eigentlich nicht beteiligt?
Entschuldigung. Da habe ich mich verschrieben. Ich meinte natürlich "islamistisch".
Die Bezeichnung islamistisch im Zusammenhang mit den im Matriarchat lebenden Tuareg gibt mir darüber hinaus zu denken.
Entschuldigung. Da habe ich mich verschrieben. Ich meinte natürlich "islamistisch".
Die Bezeichnung islamistisch im Zusammenhang mit den im Matriarchat lebenden Tuareg gibt mir darüber hinaus zu denken.
Entschuldigung. Da habe ich mich verschrieben. Ich meinte natürlich "islamistisch".
Die Bezeichnung islamistisch im Zusammenhang mit den im Matriarchat lebenden Tuareg gibt mir darüber hinaus zu denken.
Während Frankreich an vorderster Front in Libyen einen islamistischen Staat herbeibombte und es jetzt in Syrien wieder versucht wird, steht man in Mali plötzlich auf der anderen Seite! Deutlicher kann man doch nicht sagen, daß diesen Politikern die Menschen dort völlig agal sind. Hauptsache die geostrategische Kräfteverhältnisse werden nicht verändert. Warum fordert eigentlich niemand den Rücktritt von H.Clinton? Deren ganzer Wortschatz besteht doch nur aus drei Worten: Kontensperrung, Reiseverbot. Intervention. Kanonenbootpolitik 2.0! Wer also wissen möcht, wie schlicht die US-Insulaner gestrickt sind, braucht nicht FoxNews, Clinton reicht.
wenn man unbedingt seine Theorie untermauern will und dabei von Dingen schreibt, bei dem ein großer Teil der dafür eigentlich erforderlichen Hintergrundinformation fehlt.
"ATT", der Präsident von Mali, ist immerhin kein Autokrat wie Assad oder Gaddafi, sondern gewählt worden, und bereits am 29.4.2012 war der Termin für die nächste Präsidentschaftswahl.
Insofern kann ich die Aneinanderreihung mit Syrien und Libyen, wo sich die Despoten mit Artillerie und Kampfflugzeugen gegen die ungeheure Bedrohung durch eine Wahl "wehren" mussten/müssen, nicht nachvollziehen.
Unfähige Regierungen soll es auch woanders geben, solange ein Wechsel durch Wahl eingeplant ist, bleiben sie trotzdem legitim.
wenn man unbedingt seine Theorie untermauern will und dabei von Dingen schreibt, bei dem ein großer Teil der dafür eigentlich erforderlichen Hintergrundinformation fehlt.
"ATT", der Präsident von Mali, ist immerhin kein Autokrat wie Assad oder Gaddafi, sondern gewählt worden, und bereits am 29.4.2012 war der Termin für die nächste Präsidentschaftswahl.
Insofern kann ich die Aneinanderreihung mit Syrien und Libyen, wo sich die Despoten mit Artillerie und Kampfflugzeugen gegen die ungeheure Bedrohung durch eine Wahl "wehren" mussten/müssen, nicht nachvollziehen.
Unfähige Regierungen soll es auch woanders geben, solange ein Wechsel durch Wahl eingeplant ist, bleiben sie trotzdem legitim.
"Die USA riefen die Militärjunta in Mali zudem erneut dazu auf, unverzüglich die zivile Ordnung in dem afrikanischen Land wiederherzustellen. Zuvor hatte Washington bereits die Rebellen im Norden des Landes aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen und ihr Anliegen im Dialog vorzubringen statt mit Gewalt.
Frage 1 an HC: ein Versprecher, denn sie meint Pakistan?
Frage 2 an HC: ein Versprecher, denn sie meint Syrien?
Immer wieder beruhigend zu wissen, dass die USA oft energisch gegen die pösen Militärjuntas vorgeht, um Demokratie und Frieden auf der Welt voranzutreiben. Manche Ausnahmen muss man dafür wohl in Kauf nehmen. Wie z. B. den blutigen Militärputsch gegen die demokratisch gewählte Regierung Präsident Allendes in Chile am 11.9.1973, der ja maßgeblich von den USA unterstützt worden sein soll. Und auch die vielen Jahre unter Pinochet, die darauf mit all ihren Schandtaten folgten. Manchmal stehen halt die Interessen der USA und ihrer willfährigen Helfer über Demokratie und Frieden. Dafür treiben die USA Demokratie und Frieden aber auch oft mit Nachdruck voran, wenn es gerade mal wieder ihren Interessen dient. Wenn dagegen brutal und unterdrückend regierende Regimes wie derzeit z. B. in Saudi Arabien US-amerikanische Interessen unterstützen, sehen die USA über solche Zustände auch gerne mal hinweg. Aber wehe, wenn das Regime irgendwann keine US-Interessen mehr unterstützt. Wie schnell werden die USA dort dann wohl Demokratie und Frieden herbeibomben, weil der armen unterdrückten Bevölkerung dann ja schließlich geholfen werden muss. Und nebenbei lässt sich dort dann doch auch sicher eine weitere Regierung installieren, die US-Interessen unterstützt.
Hach ja, USA sind schon einer. ;-)
@Marilena32,
wenn ich den Mali-Konflikt richtig überblicke, dann gibt es drei rivalisierende Gruppierungen: Die Tuareg, alQuaida und die Gruppierung unter dem Junta-Führer Sanogo.
Sanogo behauptet, er kämpfe gegen den Islamismus und für die Einheit des Landes. Der Führer der Tuareg, Najem, verlangt Unabhängigkeit für das Gebiet der Tuareg und alQuaida verfolgt vermutlich islamo-faschistische Ziele für ganz Mali.
Das Problem wie immer, die Bevölkerung leidet in dem Krieg. Ja, wie soll man sich da positionieren?
Da gibt es leider noch mehr Gruppierungen, die ihre Interessen durchsetzen wollen, nicht nur die Tuareg-MNLA, Islamisten und Sanogo. Da geht es vor allem auch um Rohstoffe.
Gehen Sie ruhig davon aus, dass die Islamisten von Ancar Dine kräftige Unterstützung aus dem Nahen Osten bekommen, dort gibt es finanzstarke Kräfte, die sich gerne den Zugriff auf die vermutetetn Ölvorkommen im Norden Malis sichern würden, genauso wie einige westliche Ölkonzerne.
Frankreich wird genauso seinen Einfluss ausüben, da es ein Übergreifen der Krise auf den benachbarten Niger befürchtet, wo es bislang den Uranabbau unter Kontrolle hat.
Und dann sollte man auch nicht vergessen, dass Mali nach Südafrika und Ghana der größte Goldproduzent Afrikas ist. Der Goldabbau dort liegt bislang ganz überwiegend in der Hand südafrikanischer Konzerne, unter Konditionen, die Mali bislang fast gar nichts einbringen. Diese Verträge möchte Südafrika auch unter keinen Umständen neu verhandeln müssen. Unter diesen Vorzeichen schrillen bei mir die Alarmglocken, wenn die von Südafrika dominierte AU nun eine Eingreiftruppe in Mali plant.
Die Frage, wie wir uns da positionieren, dürfte den Akteuren da ziemlich egal sein, leider genauso wie die Interessen der Bevölkerung.
Da gibt es leider noch mehr Gruppierungen, die ihre Interessen durchsetzen wollen, nicht nur die Tuareg-MNLA, Islamisten und Sanogo. Da geht es vor allem auch um Rohstoffe.
Gehen Sie ruhig davon aus, dass die Islamisten von Ancar Dine kräftige Unterstützung aus dem Nahen Osten bekommen, dort gibt es finanzstarke Kräfte, die sich gerne den Zugriff auf die vermutetetn Ölvorkommen im Norden Malis sichern würden, genauso wie einige westliche Ölkonzerne.
Frankreich wird genauso seinen Einfluss ausüben, da es ein Übergreifen der Krise auf den benachbarten Niger befürchtet, wo es bislang den Uranabbau unter Kontrolle hat.
Und dann sollte man auch nicht vergessen, dass Mali nach Südafrika und Ghana der größte Goldproduzent Afrikas ist. Der Goldabbau dort liegt bislang ganz überwiegend in der Hand südafrikanischer Konzerne, unter Konditionen, die Mali bislang fast gar nichts einbringen. Diese Verträge möchte Südafrika auch unter keinen Umständen neu verhandeln müssen. Unter diesen Vorzeichen schrillen bei mir die Alarmglocken, wenn die von Südafrika dominierte AU nun eine Eingreiftruppe in Mali plant.
Die Frage, wie wir uns da positionieren, dürfte den Akteuren da ziemlich egal sein, leider genauso wie die Interessen der Bevölkerung.
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