Ein chinesisches Kind schaut sich das Modell eines Kampfflugzeugs auf einer Messe an. © Mike Clarke/AFP/Getty Images

Erstmals seit 13 Jahren sind die weltweiten Militärausgaben insgesamt auf etwa gleichem Niveau geblieben. Verantwortlich dafür sind nach Angaben des Friedensforschungsinstituts Sipri vor allem die westlichen Staaten: Unter dem Druck ihrer Haushaltsdefizite hätten die USA , Großbritannien , Frankreich , Deutschland und viele andere Länder ihre Ausgaben für das Militär gekürzt. China und Russland dagegen gaben dem Sipri zufolge im vergangenen Jahr deutlich mehr aus.

2011 wurden insgesamt 1,74 Billionen Dollar (1,33 Billionen Euro) für Rüstung ausgegeben, wie aus der Studie des Stockholm International Peace Research Institute hervorgeht. Das geringe Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr liegt deutlich unter den Wachstumsraten der vergangenen Jahre. Es sei aber noch zu früh zu sagen, ob mit der Entwicklung des Vorjahres ein längerfristiger Trend eingeläutet worden sei, teilte das Sipri mit.

Die USA stehen mit einem Militärbudget von 711 Milliarden Dollar weiter an der Spitze – haben aber erstmals seit 1998 die Ausgaben gesenkt . Als Gründe nannte das Sipri sowohl den Truppenabzug aus dem Irak und den geplanten Abzug aus Afghanistan als auch amerikanische Bemühungen, das Haushaltsdefizit zu senken. Die USA haben dem Bericht zufolge einen Anteil von 41 Prozent an den weltweiten Militärausgaben.

Deutschland gehört, gemessen am Militärhaushalt, zu den zehn Ländern, die am meisten Geld in Rüstung investieren – derzeit liegt es auf dem neunten Platz. Die deutschen Rüstungsausgaben sind demnach 2011 um 3,5 Prozent auf geschätzte 46,7 Milliarden Dollar geschrumpft.

China modernisiert seine Armee

China landete auf Platz zwei der internationalen Rangliste mit einem Anteil von gut acht Prozent. Mit 143 Milliarden Dollar gab die chinesische Regierung 6,7 Prozent mehr aus als im Vorjahr. Mit dem Geld seien die Arbeitsbedingungen und Einkommen der Soldaten verbessert sowie ihre Ausrüstung modernisiert worden. Chinas Technologie bleibe dennoch ein bis zwei Generationen hinter der amerikanischen zurück.

Russland folgte 2011 mit etwa vier Prozent auf Rang drei – und hat damit Großbritannien und Frankreich überholt. Der russische Militärhaushalt legte um 9,3 Prozent auf 71,9 Milliarden Dollar zu. Die Ausgaben sollen in den nächsten Jahren weiter steigen .

Auch im Nahen Osten stiegen die Ausgaben um geschätzte 4,6 Prozent. Allerdings fehlen dort aus zahlreichen Ländern die Daten – darunter der Iran . Auf dem afrikanischen Kontinent stiegen die Militärausgaben ebenfalls. Das Plus von 8,6 Prozent sei allerdings den wachsenden Ausgaben in Algerien zuzuschreiben, wo die Regierung aus Angst vor einem Übergreifen der Proteste aus dem benachbarten Libyen das Militärbudget erhöht hatte. Rechne man Algerien raus, blieben die Militärausgaben in Afrika im Vorjahresvergleich nahezu unverändert.

Bewertet wurden für den Bericht die Regierungsausgaben für das Militär – darunter Gehälter der Truppen, Kosten für Einsätze und ihre Verwaltung sowie für Waffen und Entwicklung. Im Februar hatten die Stockholmer Forscher bereits Daten über die Geschäfte der 100 führenden Waffenkonzerne veröffentlicht, im März folgte ein Bericht über weltweite Rüstungsexporte.