Ägypten Muslimbrüder nominieren einen eigenen Präsidentschaftskandidaten
Die ägyptische Muslimbruderschaft hat nun doch einen eigenen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Mai aufgestellt. Es ist der Geschäftsmann Chairat al-Schater.
© Khaled Elfiqi/dpa

Chairat al-Schater gibt in Kairo bei der ersten Runde der Parlamentswahl seine Stimme ab.
Die Muslimbrüder haben einen eigenen Kandidaten für die ägyptische Präsidentschaftswahl Ende Mai benannt. Es handelt sich um Chairat al-Schater, die Nummer zwei der aus der Muslimbruderschaft hervorgegangenen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit. Der Vorsitzende der Muslimbrüder, Mohammed Badie, bestätigte die Nominierung. Al-Schater erklärte, wegen seiner Kandidatur trete er von dem Posten als Stellvertreter Badies zurück.
Der 61-jährige al-Schater, Hochschullehrer für Ingenieurswissenschaften und wohlhabender Geschäftsmann, trat der Muslimbruderschaft im Jahr 1981 bei und wurde 1995 Mitglied ihres Exekutivrats. Wegen seiner politischen Aktivitäten war er mehrmals im Gefängnis.
Bislang hatten sich die Muslimbrüder stets für eine islamistische Bündniskandidatur ausgesprochen. Ihren Meinungsumschwung erklärte ihr Generalsekretär Mahmud Hussein damit, dass der "demokratische Prozess in Ägypten bedroht" sei. Seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak durch eine breite Protestbewegung im Februar 2011 liegt die Macht beim Obersten Militärrat. Dieser hatte angekündigt, die Macht nach der Präsidentschaftswahl an eine Zivilregierung abzugeben.
Spannungen zwischen Muslimbruderschaft und Militärrat
In den vergangenen Monaten festigte sich jedoch der Eindruck, dass die Armee ihren Einfluss auf die Regierungsgeschäfte behalten will. Das führte zu Spannungen zwischen dem Militär und der Muslimbruderschaft. Diese wiederum befindet sich im offenen Streit mit liberalen und linksgerichteten Parteien wegen der Zusammensetzung eines Parlamentsausschusses zur Ausarbeitung der künftigen Verfassung. Dort haben Islamisten eine breite Mehrheit.
Die Partei der Freiheit und Gerechtigkeit verfügt im Parlament über 47 Prozent der Mandate. Zusammen mit islamistischen Gruppen stellt sie drei Viertel der Abgeordneten. Die erste Runde der Präsidentschaftswahl ist für den 23. und 24. Mai vorgesehen. Der Wahlkampf soll nach dem Ende der Nominierungsfrist am 8. April beginnen. Weitere Kandidaten sind unter anderen der Salafist Hasem Abu Ismail, Anhänger einer rigorosen Auslegung des Islam, das frühere Mitglied der Muslimbruderschaft, Abdel Moneim Abul Futuh, und der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga und ehemalige Außenminister unter Mubarak, Amr Mussa.
Friedensnobelpreisträger Mohamed al-Baradei, der lange als möglicher Bewerber für das Präsidentenamt gehandelte frühere Leiter der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), zog sich bereits vor einiger Zeit aus dem Wahlkampf zurück. Der Zeitung Welt am Sonntag sagte er, dass er möglicherweise eine eigene Partei gründen werde. Diese solle bei der nächsten Parlamentswahl antreten und die Interessen der liberalen und jungen Ägypter vertreten, die gegen Mubarak demonstriert und ihn schließlich gestürzt hatten.
- Datum 01.04.2012 - 11:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP
- Kommentare 26
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...muss die bittere Pille des Islamismus bei einem möglichen Wahlsieg der Islamisten (welcher Partei auch immer) in Kauf nehmen, möchten sie denn einen demokratischen Wandel im Land herbeiführen. Wichtig ist, dass die Demokratie auch vorherrschend bleibt, denn dann hat das Volk immer die Wahl, sich für eine andere Partei und für einen anderen Präsidenten zu entscheiden. Die Muslimbruderschaft hat, nachdem sie dem gewalttätigen Kampf entsagt hat, sehr viel soziales Engagement gezeigt und war auch bei der Revolution vorn dabei. Aber eine Antwort auf die Krise (politische, wirtschaftliche, soziale etc.) hat sie nicht. Nachdem das ägyptische Volk dies gesehen hat, wird es sich anders entscheiden. Da kann man nur für das Volk hoffen, dass es auch nach der Wahlperiode noch die Chance auf einen neuen demokratischen Wahlprozess bekommt.
"......muss die bittere Pille des Islamismus bei einem möglichen Wahlsieg der Islamisten (welcher Partei auch immer) in Kauf nehmen, möchten sie denn einen demokratischen Wandel im Land herbeiführen...."
... alle Strömungen eines politischen Islams in Ägypten unter einem gemeinsamen Label "Islamismus" zusammenzufassen. Zwischen der Muslimbruderschaft und den Salafisten existieren nicht nur erhebliche grundsätzliche politische Differenzen, auch für jene Teile in der ägyptischen Gesellschaft, die nicht einer islamistischen Bewegung zuzurechnen sind, macht es einen erheblichen Unterschied, ob MB oder Salafisten den Ton angeben. Mit der MB kann man sich arrangieren, innen- wie außenpolitisch, ob nun als Liberaler oder Kopte. Da sind die Salafisten schon eine ganz andere Hausnummer.
"......muss die bittere Pille des Islamismus bei einem möglichen Wahlsieg der Islamisten (welcher Partei auch immer) in Kauf nehmen, möchten sie denn einen demokratischen Wandel im Land herbeiführen...."
... alle Strömungen eines politischen Islams in Ägypten unter einem gemeinsamen Label "Islamismus" zusammenzufassen. Zwischen der Muslimbruderschaft und den Salafisten existieren nicht nur erhebliche grundsätzliche politische Differenzen, auch für jene Teile in der ägyptischen Gesellschaft, die nicht einer islamistischen Bewegung zuzurechnen sind, macht es einen erheblichen Unterschied, ob MB oder Salafisten den Ton angeben. Mit der MB kann man sich arrangieren, innen- wie außenpolitisch, ob nun als Liberaler oder Kopte. Da sind die Salafisten schon eine ganz andere Hausnummer.
...gute Nacht Ägypten. Ich bin mal gespannt, wie sich das auf die Tourismusbranche auswirkt.
muss wohl bald auch die Sphinx dran glauben. Wo Islam ist, da ist nur Wüste.
muss wohl bald auch die Sphinx dran glauben. Wo Islam ist, da ist nur Wüste.
Wenn in anderen Artikeln, die Kommentare gekürzt werden, unter der Begründung, man solle DIFFERENZIERT argumentieren, dann verwundert in diesem Fall die undifferenzierte Benutzung des Begriffes Islamisten doch sehr.
Die Bandbreite hinter dieser Begrifflichkeit ist groß. Sie umfasst gewaltbereite Extremisten, relativ friedliche Isolationisten, weltoffene Nonlaizisten und andere.
Sie alle über einen Kamm zu scheren, dessen negative Konnotation vordergründig im "gewaltbereiten Extremisten" liegt, ist für unseren abendländischen Kulturkreis, mit eingeschränkter Sichtweise des Orients und des Islams, nicht geeignet, ein differenziertes Bild zu schaffen.
Schon alleine die Muslimbrüder in den verschiedenen Ländern lassen sich nicht vergleichen. In Ägypten gelten diese als gemäßigt und haben sich auch mehrfach für den Schutz anderer Religionen ausgesprochen. Ihr Anliegen ist es einen islamischen Staat zu schaffen, mit der Scharia als Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Dass die Scharia mehr ist, als ein Vermummungsgebot für Frauen, Hände abhacken und Steinigung haben differenzierte Artikel, auch auf Zeit-online, bereits verdeutlicht.
Offenbar fehlt uns in unserer säkularen Gesellschaft, die ich befürworte, ein Blick dafür, dass Demokratien durchaus auch in Ländern existieren können, die Staat und Religion nicht trennen. Es ist halt eine andere Form der Herrschaft des Volkes.
MfG
AoM
"Schon alleine die Muslimbrüder in den verschiedenen Ländern lassen sich nicht vergleichen."
Vergleichen lassen sie sich natürlich, nur nicht gleichsetzen.
"Dass die Scharia mehr ist, als ein Vermummungsgebot für Frauen, Hände abhacken und Steinigung haben differenzierte Artikel, auch auf Zeit-online, bereits verdeutlicht."
Was ich damit meine ist, dass harte Strafen, wie in Saudi Arabien, nicht unbedingt Teil der Scharia als Strafrecht sein müssen, ja dass die Scharia als Strafrecht selbst keine Anwendung in islamischen Staaten finden muss, sondern nur im alltäglichen, zivilrechtlichen Bereich Anwendung findet, wie übrigens auch in Deutschland im zivilrechtlichen Streit zwischen Muslimen.
MfG
AoM
dem ist kaum etwas hinzu zu fügen.
Wer sich über die ägyptische Muslimbruderschaft informieren möchte, liest am besten die kritische Analyse von Prof. Gudrun Krämer http://www.vrue.nomos.de/...
Auch ich wollte einen dementsprechenden Kommentar abgeben, deswegen schliesse ich mich Ihnen an. Islamische Parteien Gruppierungen oder eben die Muslimbruderschaft.
Radikale kann man Islamisten nennen. Noch besser wäre es aber m. E. von radikalen islamischen Gruppierungen oder Parteien zu sprechen.
"Demokratien durchaus auch in Ländern existieren können, die Staat und Religion nicht trennen. Es ist halt eine andere Form der Herrschaft des Volkes."
In wieweit ein Volk richtig entscheiden kann, wenn es religiös indoktriniert und unaufgeklärt ist, das muss jeder selbst entscheiden.
Wie Demokratie funktioniert, zeigen die Nachbarn aus der Schweiz.
gehörte zu den ägyptischen Muslimbrüdern, was mich im Gegensatz zu Angel of Mercy beunruhigt. In seiner antisemitischen Schrift "Unser Kampf mit den Juden" verteufelt er anspielend auf Marx, Freud und Durkheim die Juden; ein Zitat:
"Hinter der Doktrin des atheistischen Materialismus steckte ein Jude; hinter der Doktrin der animalistischen Sexualität steckte ein Jude und hinter der Zerstörung der Familie und der Erschütterung der geheiligsten Beziehungen in der Gesellschaft steckte ebenfalls ein Jude"
Aus dem Zitat wird klar, dass Qutb die Juden nicht wegen der Errichtung des Staates Israel hasst, sondern weil sie für die Befreiung des Menschen sind. Solcher Islamismus ist nicht harmlos!
"Schon alleine die Muslimbrüder in den verschiedenen Ländern lassen sich nicht vergleichen."
Vergleichen lassen sie sich natürlich, nur nicht gleichsetzen.
"Dass die Scharia mehr ist, als ein Vermummungsgebot für Frauen, Hände abhacken und Steinigung haben differenzierte Artikel, auch auf Zeit-online, bereits verdeutlicht."
Was ich damit meine ist, dass harte Strafen, wie in Saudi Arabien, nicht unbedingt Teil der Scharia als Strafrecht sein müssen, ja dass die Scharia als Strafrecht selbst keine Anwendung in islamischen Staaten finden muss, sondern nur im alltäglichen, zivilrechtlichen Bereich Anwendung findet, wie übrigens auch in Deutschland im zivilrechtlichen Streit zwischen Muslimen.
MfG
AoM
dem ist kaum etwas hinzu zu fügen.
Wer sich über die ägyptische Muslimbruderschaft informieren möchte, liest am besten die kritische Analyse von Prof. Gudrun Krämer http://www.vrue.nomos.de/...
Auch ich wollte einen dementsprechenden Kommentar abgeben, deswegen schliesse ich mich Ihnen an. Islamische Parteien Gruppierungen oder eben die Muslimbruderschaft.
Radikale kann man Islamisten nennen. Noch besser wäre es aber m. E. von radikalen islamischen Gruppierungen oder Parteien zu sprechen.
"Demokratien durchaus auch in Ländern existieren können, die Staat und Religion nicht trennen. Es ist halt eine andere Form der Herrschaft des Volkes."
In wieweit ein Volk richtig entscheiden kann, wenn es religiös indoktriniert und unaufgeklärt ist, das muss jeder selbst entscheiden.
Wie Demokratie funktioniert, zeigen die Nachbarn aus der Schweiz.
gehörte zu den ägyptischen Muslimbrüdern, was mich im Gegensatz zu Angel of Mercy beunruhigt. In seiner antisemitischen Schrift "Unser Kampf mit den Juden" verteufelt er anspielend auf Marx, Freud und Durkheim die Juden; ein Zitat:
"Hinter der Doktrin des atheistischen Materialismus steckte ein Jude; hinter der Doktrin der animalistischen Sexualität steckte ein Jude und hinter der Zerstörung der Familie und der Erschütterung der geheiligsten Beziehungen in der Gesellschaft steckte ebenfalls ein Jude"
Aus dem Zitat wird klar, dass Qutb die Juden nicht wegen der Errichtung des Staates Israel hasst, sondern weil sie für die Befreiung des Menschen sind. Solcher Islamismus ist nicht harmlos!
"Schon alleine die Muslimbrüder in den verschiedenen Ländern lassen sich nicht vergleichen."
Vergleichen lassen sie sich natürlich, nur nicht gleichsetzen.
"Dass die Scharia mehr ist, als ein Vermummungsgebot für Frauen, Hände abhacken und Steinigung haben differenzierte Artikel, auch auf Zeit-online, bereits verdeutlicht."
Was ich damit meine ist, dass harte Strafen, wie in Saudi Arabien, nicht unbedingt Teil der Scharia als Strafrecht sein müssen, ja dass die Scharia als Strafrecht selbst keine Anwendung in islamischen Staaten finden muss, sondern nur im alltäglichen, zivilrechtlichen Bereich Anwendung findet, wie übrigens auch in Deutschland im zivilrechtlichen Streit zwischen Muslimen.
MfG
AoM
dem ist kaum etwas hinzu zu fügen.
Wer sich über die ägyptische Muslimbruderschaft informieren möchte, liest am besten die kritische Analyse von Prof. Gudrun Krämer http://www.vrue.nomos.de/...
Habe selbst einiges dazugelernt, wobei zu berücksichtigen ist, dass diese Schrift eine Einzelmeinung darstellt, die zwar wissenschaftlich unterlegt ist, der man sich aber nicht anschließen muss.
Ich tue dies, da sie meiner eigenen Meinung entspricht.
Besonders die Tatsache, dass die soziale Marktwirtschaft islamischer Prägung vorrangig auf moralischen Werten und erst nachrangig auf ökonomischen Werten beruht, hat nach meiner Meinung eine Vorbildfunktion.
Die Geschlechterrolle bleibt kritikwürdig, aber selbst bei uns, über 200 Jahre nach Kant und Lessing, trotz Aufklärung und Säkularisierung, besteht zwischen den Geschlechtern keine absolute Gleichberechtigung und ich meine damit ausdrücklich nicht Frauenquoten.
MfG
AoM
Habe selbst einiges dazugelernt, wobei zu berücksichtigen ist, dass diese Schrift eine Einzelmeinung darstellt, die zwar wissenschaftlich unterlegt ist, der man sich aber nicht anschließen muss.
Ich tue dies, da sie meiner eigenen Meinung entspricht.
Besonders die Tatsache, dass die soziale Marktwirtschaft islamischer Prägung vorrangig auf moralischen Werten und erst nachrangig auf ökonomischen Werten beruht, hat nach meiner Meinung eine Vorbildfunktion.
Die Geschlechterrolle bleibt kritikwürdig, aber selbst bei uns, über 200 Jahre nach Kant und Lessing, trotz Aufklärung und Säkularisierung, besteht zwischen den Geschlechtern keine absolute Gleichberechtigung und ich meine damit ausdrücklich nicht Frauenquoten.
MfG
AoM
Auch ich wollte einen dementsprechenden Kommentar abgeben, deswegen schliesse ich mich Ihnen an. Islamische Parteien Gruppierungen oder eben die Muslimbruderschaft.
Radikale kann man Islamisten nennen. Noch besser wäre es aber m. E. von radikalen islamischen Gruppierungen oder Parteien zu sprechen.
"Demokratien durchaus auch in Ländern existieren können, die Staat und Religion nicht trennen. Es ist halt eine andere Form der Herrschaft des Volkes."
In wieweit ein Volk richtig entscheiden kann, wenn es religiös indoktriniert und unaufgeklärt ist, das muss jeder selbst entscheiden.
Wie Demokratie funktioniert, zeigen die Nachbarn aus der Schweiz.
Wenn man die ägytische Revolution ernst nimmt, kann man wohl nicht von einem indoktrinierten und unaufgeklärtem Volk sprechen. Und für mich zeigen die Schweiz und Deustchland als Beispiel, dass es verschiedene Formen von Demokratie geben kann. Religiosität hin oder her. Ein KO Kriterium kann es allein nicht sein. Also warum nicht abwarten und dann beurteilen.
Wenn man die ägytische Revolution ernst nimmt, kann man wohl nicht von einem indoktrinierten und unaufgeklärtem Volk sprechen. Und für mich zeigen die Schweiz und Deustchland als Beispiel, dass es verschiedene Formen von Demokratie geben kann. Religiosität hin oder her. Ein KO Kriterium kann es allein nicht sein. Also warum nicht abwarten und dann beurteilen.
"Bislang hatten sich die Muslimbrüder stets für eine islamistische Bündniskandidatur ausgesprochen. Ihren Meinungsumschwung erklärte ihr Generalsekretär Mahmud Hussein damit, dass der "demokratische Prozess in Ägypten bedroht" sei".
Das muss man nicht glauben. Die Muslimbrüder haben sich zu auffällig im Hintergrund aufgestellt, als das man davon ausgehen könnte, sie wollten nur ein "Wächteramt" ausüben.
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