NordkoreaKim Jong Un wird Parteichef

Nordkoreas Machthaber festigt seine Macht und lässt sich an die Spitze der herrschenden Arbeiterpartei wählen. Die Funktionäre schafften ihm eigens ein neues Amt. von dpa

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un während einer Militärparade

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un während einer Militärparade  |  © Kyodo/Reuters

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hat sich bei einem Sondertreffen der herrschenden Arbeiterpartei zum Ersten Sekretär ernennen lassen. Dies berichten staatliche Medien. Er soll zudem zum Vorsitzenden der zentralen Militärkommission sowie zum Mitglied des Präsidiums des Politbüros der Partei ernannt.

Park Young Ho vom Korea-Institut für Nationale Vereinigung in Seoul sagte, der Titel sei geschaffen worden, um Kim Jong Un formal an die Parteispitze zu heben. Sein im Dezember gestorbener Vater Kim Jong Il wurde posthum zum "Ewigen Generalsekretär der Partei" ernannt.

Kim Jong Il hatte seinen jüngsten Sohn schrittweise zum Nachfolger aufgebaut. Kurz nach dem Tod des Vaters war Kim Jong Un bereits zum obersten Führer der Partei, der Streitkräfte und des Staates ausgerufen worden. Am Freitag soll die Oberste Volksversammlung – das Parlament – in Pjöngjang zusammentreten. In Südkorea wird mit Spannung erwartet, ob Kim Jong Un dabei auch den Vorsitz über die mächtige Nationale Verteidigungskommission erhält.

Raketenstart steht kurz bevor

Unterdessen steht der Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete kurz bevor. Nordkorea behauptet, die Rakete solle einen Satelliten ins All bringen. Die USA , Südkorea und Japan vermuten jedoch, dass die Führung Nordkoreas eine Interkontinentalrakete testen will, mit der auch Atomsprengköpfe transportiert werden könnten.

Anzeige

Der Flugkörper vom Typ Unha-3, der auf einer Abschussrampe an der Westküste steht, wurde inzwischen betankt. Der Satellit sei bereits in der Trägerrakete, alle Vorbereitungen für den Start getroffen, berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua aus Pjöngjang. Sie berief sich auf den Direktor des Raumkontrollzentrums, Paek Chung Hou.

Nach bisherigen Angaben soll der umstrittene Raketenstart in einem Zeitfenster zwischen Donnerstag und Montag erfolgen – im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des als Staatsgründer verehrten Kim Il Sung am 15. April.

Die Bundesregierung warne Nordkorea "explizit" vor dem Raketenstart, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Streiter. Das Vorhaben verstoße gegen die Vorgaben des UN-Sicherheitsrates und gefährde die Wiederaufnahme der Sechs-Länder-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton kritisierte den Raketenstart : Wenn Pjöngjang eine "friedliche, bessere Zukunft" anstrebe, müsse es auf den Raketenstart verzichten, sagte Clinton. Das Vorhaben sei "eine direkte Bedrohung der regionalen Sicherheit".

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. der Ernennung einerseits und dem geplanten Raktenstart anderseits dürfte spätestens durch die Ernennung nun ja geklärt sein.

  2. Die Meriten Kim Il-sungs, auch wenn viele davon nur eine Erfindung der Propaganda sind, waren der Honig aus dem der Nachfolger Kim Jong-il saugte. Die selbe Konstruktion wird fortgesetzt, um die Führerschaft von Kim Jong-un zu rechtfertigen.

  3. Kann mich mal jemand aufklaeren, warum Nordkorea keine Rakete starten darf, die einen Sateliten ins All befoerdert!?
    Nur weil der Westen vermutet, dass damit auch A-Sprengkoepfe transportiert werden koennen wird so ein Stress gemacht!?
    Jetzt jedenfalls traegt sie ja wohl keinen A-Sprengkopf. Oder verstoesst es gegen irgend welche internationalen Gesetze eine Rakete zu besitzen und einen Sateliten ins All zu senden, wenn JA, wo steht das!?
    Alles andere ist wieder mal Hypothese und gleichzitig ein illegitimes Machtspiel des Westens, wenn nicht tatsaechliche Gesetze gebrochen werden!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihnen ist ja wohl schon klar, dass es sich bei Nordkorea um einen Staat handelt, der nicht nur immer wieder gegebene Zusagen - gleich welcher Art - bricht wann immer es den dortigen Machthabern passt, sondern sich obendrein in einer agressiven Krigesrethorik gegenüber seinen Nachbarn Südkorea und Japan ergeht und diesen bisweilen Wirklichkeit werden lässt. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass Nordkorea sehr wohl zumindest über das technische Know-How verfügt einen Nuklearsprengkopf zu konstruieren sollte Ihnen die Antwort gegeben sein. Sie haben aber dennoch Recht: Es ist nicht illegal eine Rakete zubesitzen und diese auch zu testen. Gerade bei Nordkorea darf man aber berechtigt an den hehren Zielen der Staatsführung zur Erforschung der Welt mittels Satellit zweifeln.

  4. ...wurden vor allem die Ergebnisse der Parlamentswahlen in Südkorea gestern.
    Wenn man deutschsprachige Medien zum Thema Nordkorea verfolgt, hat man immer das Gefühl, daß der gesamte Süden non-stop wie das Kaninchen auf die Schlange Richtung Norden starrt. Glauben Sie mir - dem ist gewiß nicht so.
    Grüße aus Wonju.

  5. Ihnen ist ja wohl schon klar, dass es sich bei Nordkorea um einen Staat handelt, der nicht nur immer wieder gegebene Zusagen - gleich welcher Art - bricht wann immer es den dortigen Machthabern passt, sondern sich obendrein in einer agressiven Krigesrethorik gegenüber seinen Nachbarn Südkorea und Japan ergeht und diesen bisweilen Wirklichkeit werden lässt. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass Nordkorea sehr wohl zumindest über das technische Know-How verfügt einen Nuklearsprengkopf zu konstruieren sollte Ihnen die Antwort gegeben sein. Sie haben aber dennoch Recht: Es ist nicht illegal eine Rakete zubesitzen und diese auch zu testen. Gerade bei Nordkorea darf man aber berechtigt an den hehren Zielen der Staatsführung zur Erforschung der Welt mittels Satellit zweifeln.

    Antwort auf "Aufklärung bitte"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Bill Clinton | Bundesregierung | Nordkorea | UN | UN-Sicherheitsrat | Atomprogramm
Service