AtomkonfliktNordkoreas Rakete zerbricht kurz nach Start

Nordkorea hat trotz Warnungen eine Langstreckenrakete gezündet. Der Flugkörper zerbrach und stürzte ins Meer. Der UN-Sicherheitsrat berät über Schritte gegen Pjöngjang. von afp, dpa und reuters

Übertragung des Raketenstarts im südkoreanischen Fernsehen: Ein Passant in Seoul schaut zu.

Übertragung des Raketenstarts im südkoreanischen Fernsehen: Ein Passant in Seoul schaut zu.  |  © Kim Hong-Ji/Reuters

Nordkorea hat das Scheitern seines umstrittenen Raketenstarts eingeräumt. Der Beobachtungssatellit sei nach dem Start der Trägerrakete nicht wie geplant auf eine Erdumlaufbahn gebracht worden, berichteten die staatlichen Medien des kommunistischen Landes. Einzelheiten wurden nicht genannt. "Wissenschaftler, Techniker und Experten" seien dabei, die Gründe für den Fehlschlag zu untersuchen, hieß es.

Die nordkoreanische Rakete hob nach südkoreanischen Angaben am Freitagmorgen von einer Abschussrampe an der Westküste ab. Sie sei jedoch schon wenige Minuten nach dem Start in mehrere Teile zerbrochen und ins Gelbe Meer gestürzt.

Anzeige

Wie die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Beamten des Verteidigungsministeriums in Seoul meldete, explodierte die Rakete in einer Höhe von 151 Kilometern. Trümmerteile seien rund 100 bis 150 Kilometer südlich der südkoreanischen Westküste ins Meer gestürzt. Die südkoreanische Marine suche das Gebiet ab.

Chinesischer Experte rechnet als nächstes mit Atomtest

Nach dem fehlgeschlagenen Raketenstart rechnen chinesische Experten als nächstes mit einen Atomtest. Der Staat verfolge das "klare Ziel", eine Atommacht werden zu wollen, sagte der Professor für strategische Forschung an der Parteihochschule in Peking, Zhang Liangui. Das Scheitern des Raketenstarts werde die Pläne für den nuklearen Test nicht umwerfen.

"Es wird Einfluss auf den Atomversuch haben, weil Nordkorea jetzt möglicherweise vorsichtiger und gewissenhafter vorgehen wird", sagte der Professor. "Aber ich glaube nicht, dass sie den Zeitpunkt des Tests vorziehen oder verschieben werden." Sowohl der Start der Rakete mit dem angeblichen Satelliten und der geplante Atomtest gehörten zu Nordkoreas Plänen, in den Kreis der Atommächte vorzustoßen.

Westerwelle sieht "Verletzung internationaler Verpflichtungen"

Südkorea , die USA und Japan verurteilten den Start als Provokation und Bedrohung der regionalen Sicherheit. Aus ihrer Sicht wollte Nordkorea unter der Tarnung eines Satellitenstarts eine militärische Rakete von großer Reichweite testen, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte. Nordkorea wollte eigenen Angaben zufolge mit dem Start des Satelliten Kwangmyongsong-3 (Heller Stern) den 100. Geburtstag des als Staatsgründer verehrten früheren Präsidenten Kim Il Sung am 15. April begehen.

Auch Außenminister Guido Westerwelle verurteilte den Start der Rakete. Es handele sich um eine "flagrante Verletzung internationaler Verpflichtungen" durch die Regierung des kommunistischen Landes, sagte Westerwelle. Der Raketenstart gefährde die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel. Westerwelle forderte die sofortige Einschaltung des UN-Sicherheitsrats. Das wichtigste UN-Gremium müsse eine "deutliche Antwort" auf diese Verletzung des Völkerrechts geben.

Der gescheiterte Raketenstart wird den UN-Sicherheitsrat beschäftigen. Das mächtigste UN-Gremium wird zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentreten, hieß es aus Diplomatenkreisen. Aller Voraussicht nach wird es zu einer formellen Verurteilung Nordkoreas kommen.

Der Sicherheitsrat hatte Nordkorea mehrfach kritisiert und 2006 und 2009 mit Sanktionen belegt. Diese erlauben es dem kommunistischen Land unter anderem nicht, ballistische Raketen zu starten. Solche Raketen, die in einer Bogenbahn weit entfernte Ziele erreichen können, können zwar Satelliten und Raumkapseln, aber auch Gefechtsköpfe tragen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare

Wegen des Relaunches steht die Kommentarfunktion gegenwärtig einigen Nutzern nicht zur Verfügung.

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Guido Westerwelle | UN-Sicherheitsrat | Nordkorea | Atomtest | Marine | Nachrichtenagentur
  • Neu auf ZEIT ONLINE
    1. Neu im Ressort
      1. Anzeige
      2. Anzeige
      3. Anzeige
      4. ARTIKEL ZUM THEMA Ausland IM RÜCKBLICK
        Juni | Mai | April | März | Februar
      Service