Mit einer Militärparade hat Nordkorea den 100. Geburtstag des früheren Staats- und Parteichefs Kim Il Sung gefeiert. Zum ersten Mal hielt dabei der neue Machthaber Kim Jong Un eine Rede, die vom staatlichen Fernsehen übertragen wurde. Den missglückten Raketenstart erwähnte er darin nicht.

Dass Kim Jong Un überhaupt sprach, kam überraschend: Sein im Dezember verstorbener Vater und Amtsvorgänger Kim Jong Il hatte ähnliche Paraden viele Jahre schweigend verfolgt. In seiner 20-minütigen Rede lobte Kim Jong Un seinen Vater und seinen Großvater, den Staatsgründer. Live-Bilder im Staatsfernsehen zeigten Tausende Soldaten mit roten Flaggen zu Trommelwirbeln auf dem Kim Il Sung-Platz im Zentrum der Hauptstadt Pjöngjang paradieren.

"Wir müssen unser Militär auf jede denkbare Weise stärken", sagte Kim Jong Un vor Zehntausenden jubelnden Menschen in Pjöngjang. Die Nordkoreaner müssten das Ziel verfolgen, "einen mächtigen und wohlhabenden sozialistischen Staat zu errichten". Nordkoreas Armee, mit 1,2 Millionen Mann die viertgrößte der Welt, könne "jeden Feind schlagen", sagte er. "Die Überlegenheit in der militärischen Technologie ist kein Monopol der Imperialisten mehr."

Die jahrzehntelange Spaltung der koreanischen Halbinsel stimme ihn traurig, sagte Kim zudem. Er grüße die Südkoreaner und alle, die sich für eine Wiedervereinigung und den Wohlstand der Völker einsetzten.

Parade mit Raketenarsenal

Zu den Feierlichkeiten vom Wochenende waren ungewöhnlich viele Akkreditierungen für ausländische Journalisten ausgestellt worden. Zwei Monate lang wurde Pjöngjang von Tausenden Arbeitern herausgeputzt. Bei der zweistündigen Militärparade wurden unter anderem Styx-, SA2-, SA3-, SA5-, Hwasong-, Nodong- und Musudan-Raketen aufgefahren. Militärexperten bemerkten, dass anders als bei der letzten großen Parade im Oktober 2010 auch eine Rakete der Taepodong-Klasse mit 20 Metern Länge vorgeführt wurde.

Am Freitag war allerdings der international kritisierte Start einer Langstreckenrakete Nordkoreas missglückt. Mit dem Start sollte auch der Geburtstag des früheren Staats- und Parteichefs Kim Il Sung gefeiert werden. Die USA , Südkorea und Japan sahen darin den verdeckten Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.

Der in dem kommunistischen Land als "Großer Führer" titulierte Ex-Diktator Kim Il Sung starb 1994. Sein Geburtstag gilt als höchster nationaler Feiertag.

Kim Jong Un, der nach offiziellen Angaben 29 Jahre alt ist, hatte seit dem Tod seines Vaters Ende vergangenen Jahres formal seine Macht gefestigt. Er wurde Oberbefehlshaber der Armee, außerdem wurde er in der vergangenen Woche auf einem Delegiertentreffen zum 1. Sekretär der Partei der Arbeiter gewählt. Trotz des fehlgeschlagenen Raketenstarts ernannte ihn das Parlament am Freitag zum 1. Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungskomitees.