AtomstreitObama wendet sich an Irans religiösen Führer

US-Präsident Obama hat dem Iran ein Angebot gemacht: Die USA werden ein ziviles Atomprogramm akzeptieren, wenn der Iran beweise, dass er nicht nach Nuklearwaffen strebt.

Die USA würden ein ziviles Atomprogramm im Iran akzeptieren, hat US-Präsident Barack Obama dem religiösen Führer des Irans, Ajatollah Said Ali Chamenei, in einer Botschaft mitgeteilt. Die USA akzeptiere das Programm, sofern Chamenei seine Aussage belegen könne, Iran strebe keine Atomwaffen an, schreibt die Washington Post.

Im Februar hatte Chamenei in einer Fernsehansprache gesagt, dass der Iran keine Atomwaffen anstrebt, weil das Land "den Besitz von Nuklearwaffen als schwere Sünde ansieht und glaubt, dass die Verbreitung dieser Waffen sinnlos, destruktiv und gefährlich ist".

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Der Washington Post zufolge überbrachte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan die mündliche Nachricht, als er Chamenei vergangene Woche besuchte. Zuvor hatte sich Erdoğan mit Obama in Seoul getroffen. Obama habe Erdoğan geraten, den Iranern klar zu machen, dass die Zeit verstreiche, um eine friedliche Lösung zu finden. Der Iran solle die noch bestehende Möglichkeit nutzen.

Am 13. April sollen Verhandlungen über den Atomkonflikt geführt werden, der Ort ist jedoch noch nicht festgelegt. Ursprünglich sollten sich die Diplomaten in Istanbul treffen, allerdings hatte der Iran vergangene Woche stattdessen ein Treffen im Irak oder in China vorgeschlagen. US-amerikanische Diplomaten sehen diesen Vorschlag als Zeichen dafür, dass die iranische Führung ihre Verhandlungsposition noch nicht gefunden hat.

Zuletzt hatte Obama den Druck auf die Führung in Teheran mit weitreichenden Sanktionen erhöht. Diese sollen am 28. Juni wirksam werden und den Iran zwingen, im Atomstreit mit dem Westen einzulenken und offene Fragen zum Atomprogramm zu beantworten. Während der Iran ein militärisches Atomprogramm bestreitet, verdächtigen die westlichen Staaten und Israel das Land, unter dem Vorwand der zivilen Atomforschung Nuklearwaffen bauen zu lassen.


 

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Leserkommentare
  1. Obama:
    ""Die USA akzeptiere das Programm, sofern Chamenei seine Aussage belegen könne, Iran strebe keine Atomwaffen an, schreibt die Washington Post.""

    Schwierige Aufgabe für die Iraner.
    Wie soll man beweisen , dass man etwas was man nicht hat , nicht hat.
    Vielleicht kann die USA ja freundliche Helfer der CIA/Mossad/MI6 bereitstellen , die das 1.7 Mill qkm grosse iranische Territorium nach Atomwaffen ' abklappern ' .
    Nur so eine Idee...

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    • joG
    • 07. April 2012 21:03 Uhr

    ....richtig und überzeugt. Wie wollen sie das beweisen? Wie beweist man, dass etwas nicht da ist?

    Wie gesagt: Scheinbar

    Was sie natürlich vernachlässigen, ist die Sache mit der Wirklichkeit. In ihr kann man mit bekannten Methoden die Wahrscheinlichkeit eines Waffenprogramms genügend reduzieren. Die Amis und Russen Verliesen sich auf solche im kalten Krieg und die UNO hat darin genügend Erfahrung.

    • Gagan
    • 07. April 2012 20:01 Uhr

    Das Kern Problem wird leider von wenigen Journalisten überhaupt bedacht. Israels arrogantes und destruktives Verhalten der letzten Jahrzehnte wurde nur möglich, weil man sich durch den Schutz der USA und deren militärischen Hilfen, als unbesiegbar wähnte. Und der Iran ist von zwei Ländern umgeben, die beide von den Amerikanern okkupiert worden sind.
    Der Naheosten ist ein Pulverfass, weil die USA ihren imperalistischen Finger nicht davon lassen können. Und wie so oft, scheint auch diesmal das Problem auch die Lösung zu sein:
    Wenn die USA endlich aufhören würden den Iran nieder zu machen und stattden dem Regime auf Augenhöhe begegnen würden, wäre das Dilemma vielleicht lösbar. Obama macht erste Schritte dahin. Netanjahu braucht die Unterstützung der Amerikaner, genauso so sehr wie die Iraner Angst vor selbigen haben. Aber leider fehlt im Westen bis heute der Blick für das Wesentliche: Ein bisschen Demut angesichts der eigenen Untaten der Geschichte und Gegenwar.

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    Israel "wähnt sich als unbesiegbar" - ich habe nicht den Eindruck, dass dieser Kommentarschreiber erleichtert darüber ist... :-)

    Nichts für ungut, liebe Redaktion, aber Sie lassen meines Erachtens zuviele braune Kommentare durchgehen...

  2. Und wann wird es Sanktionen gegen die USA, Russland, China, Indien, Pakistan, UK, israel und Frabnkreich geben, die allesamt im Besitz von Atomwaffen sind und teilweise nicht einmal dem Nuklearwaffensperrvertrag beigetreten sind?

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    • joG
    • 07. April 2012 20:54 Uhr

    ...alle womöglich gleichzeitig? Wem soll Deutschland da noch die Autos verkaufen, bitte schön?

  3. und als weiteren Beleg dafür das Obama persönlich diesen Krieg nicht will nur ist es leider so das die neokonservative Lobby sowohl in den USA als auch in Europa und Israel viel dafür tut um diesen Krieg beginnen zu lassen.

    Ein Krieg ist schrecklich für die Menschen. Sowohl Zivilisten,Politiker als auch Soldaten. Die einzigen von einem Krieg in der Region profitieren sind Rohstoffhändler,Spekulanten,Rüstungsfirmen,Banken,radikale Terrorgruppen und private Söldnerfirmen a la Blackwater.
    Nicht das es sich bei diesen Gruppen per se um schlechte Menschen handelt aber sie sind die einzigen die von einem Krieg profitieren während sie tausende Kilometer entfernt in ihren Sesselchen sitzen.

    Die Rolle der Medien ist wichtig. Auflage kann auch mit fundierten Hintergrundberichten zur Lage erzielt werden. So wie in jedem Geschäftszweig lebt auch die Verlagsindustrie von ihrem Renomee. Der Ruf ist wichtig als alles andere. Als Leser muss man sich darauf verlassen können solide und ausgewogen informiert zu sein. Wenn man dieses Vertrauen als Leser verliert wendet man sich ab.

    Bitte keine reißerischen Artikel mehr zum "Irren" von Teheran. Fundierte Berichterstattung über die aktuellen Entwicklungen. Wenn die Autoren der Artikel Wertungen vornehmen sollten diese immer den Diplomatischen Weg als richtigen vorschlagen. Im Irak war der Einmarsch falsch und in Afg. kommt man auch nur durch verhandeln weiter.
    Mehr Diplomatie ist der Schlüssel.

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  4. @laudatio3

    Obama gibt aber dem Iran die Möglichkeit, dies nicht vorhandene Vertrauen nun herzustellen. Ich finde seinen Vorschlag nicht unklug.

    Wenn nun aber Iran sagt, gut, aber Zug um Zug gegen die internationale Kontrolle und Offenlegung des Potentials der Israeli? Könnte ich gut verstehen.

    Dann würde sich vielleicht zeigen, wer denn der Buhmann ist.

    Außerdem verstehe ich bald gar nichts mehr. Hat nicht vor gar nicht langer Zeit ein hoher CIA-Beamter öffentlich gesagt, die CIA glaube nicht mehr an ein iranisches Atomwaffenprogramm? Ich wüsste nicht, dass ihm seine Regierung darin widersprochen hätte.

    Vielleicht erreichen Obamas Vorschlag samt iranischer Vernunft ja wenigstens. dass die derzeitige und brandgefährliche politische Zündelei aufhört.
    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/au.

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    Da oben ein Satz weggekürzt wurde, mache ich unter Bemühen um eine angemessene Wortwahl einen zweiten Anlauf.

    Wenn diese Zündelei dann wirklich beendet werden kann, wird das die Falken in der politischen Schicht Israels womöglich überaus enttäuschen.

    Da wird man sich ggf. einen Ausgleich einfallen lassen müssen. Ums sie möglichst so weit zu besänftigen, dass nicht nach kurzer Zeit das Ganze erneut losbricht.

    Zufrieden? Danke, der Federkiel :-)

    Wer aber nur glauben und nicht wissen will, der zündelt weiter.

    Danach weiß er, was er nicht wissen wollte. Auch für diese Erkenntnis steht immer noch ganz aktuell der Irak-Krieg mit seiner Vorgeschichte.

  5. ...sagt der Lateiner - Im Zweifel für den Angeklagten.

    Für die selbsternannten Weltpolizisten gilt das natürlich nicht. Beweise, dass du unschuldig bist, sonst Kopf ab!

    Seltsame Logik für die Demokratie- und Rechtsstaatsheilbringer schlechthin.

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    Es geht um keine Verkehrung der Unschuldsvermutung sondern um das klären eine durchaus sehr konkreten Verdachts.

    Auch im Rechtsstaat, wenn gegen Sie einer vorliegt, dann wird gegen Sie ermittelt, und die Ermittler mit dem Durchsuchungsbeschluss müssen Sie in Ihre Wohnung lassen. Deren Aufgabe ist es, Beweise zu finden, die den Verdacht erhärten oder entkräften.

    Der Iran muss niemanden hereinlassen, egal welche Abkommen er zuvor unterzeichnet hat. Das ist der Unterschied.

    Also *kann er die Inspekteure hereinlassen. Sie alles anschauen lassen, was die Frage beantworten kann, wieso da eigentlich Uran auf das Vierfache der notwendigen Konzentration angereichert wird.

    Genau darauf zeigt Obama mit seinem Vorschlag.

    • Karl63
    • 07. April 2012 20:09 Uhr

    auf diesem Wege eine Verhandlungslösung dieses Konfliktes zu initiieren, mit der beide Seiten leben können, dann wäre dies ein entscheidender Schritt nach vorne. Es wäre auch so etwas wie ein Bestätigung dafür, warum Obama schon einmal den Friedensnobelpreis verliehen bekommen hat.
    Noch besser wäre es natürlich, wenn beide Staaten langfristig wieder die Aufnahme von Diplomatischen Beziehungen anstreben würden.
    Obama zeigt hier Weitsicht, denn wenn selbst Meir Dagen unbedingt von einem Waffengang gegen den Iran abrät, dann sollte man derartige Bedenken nicht ignorieren. Noch haben die Verhandlungen nicht begonnen und insofern liegt auch noch kein Ergebnis vor. Alleine der Umstand, dass man miteinander Redet ist in der angespannten Situation ein sehr positives Signal. Sicherlich spielt dabei auch eine Rolle, dass es die Amerikaner Leid sind, dass aus der Region Gefallene nach Hause kommen.
    Harte Worte zur Rechtfertigung eines Waffenganges haben wir in den letzten Monaten nur allzu häufig zu lesen / zu hören bekommen. Es wäre an der Zeit, erst einmal sprachlich abzurüsten und dann der Diplomatie das Feld zu überlassen.

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    • joG
    • 07. April 2012 21:29 Uhr

    ....richtig. Obama rüstet sprachlich ab um den Iraner eine Möglichkeit zu geben ohne Gesichtsverlust mit der Atom Kommission zusammenzuarbeiten. Wollen wir hoffen, dass es für die Iraner genügt.

  6. [...]
    Friedensengel Obama schlägt vor, die Regeln der IAEA außer Kraft zu setzen und bietet dem Iran an, vorläufig nicht bombardiert zu werden, wenn man dafür das gesamte Land ausschnüffeln darf (er sagt dasselbe wie immer)!

    wie im Irak: Sanktionen (bis zur Sturmreife schwächen), Kontrollen (zum Ausspionieren), angeblich zur Friedenserhaltung und dann doch alles kaputtbomben und einmarschieren. Hat die Redaktion der Zeit das schon alles vergessen?

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf haltlose Unterstellungen. Danke, die Redaktion/au.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | Iran | Atomprogramm | Atomwaffe | Botschaft | Diplomat
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