Im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner hat sich Favorit Mitt Romney weiter abgesetzt. Der Ex-Gouverneur von Massachusetts gewann Hochrechnungen zufolge in Maryland, Wisconsin und der Hauptstadt Washington.

Damit hat Romney nun mehr als die Hälfte der für die Nominierung auf dem Parteitag Ende August benötigten Delegiertenstimmen sicher.

In Maryland, wo eher moderate Republikaner zuhause sind, erreichte Romney Teilergebnissen zufolge 48 Prozent der Stimmen. Sein Rivale Rick Santorum kam nur auf 30 Prozent. In Washington steuerte Romney mit 70 Prozent sogar auf einen noch deutlicheren Erfolg zu. Santorum hatte es in der Hauptstadt erst gar nicht auf den Wahlzettel geschafft, weil er nicht genügend der notwendigen Unterschriften zusammenbekommen hatte.

In Wisconsin lag Romney – nach Auszählung der Hälfte der Stimmen – mit 42 Prozent wenige Prozentpunkte vor Santorum.

Santorum hofft auf Siege in konservativen Staaten

Der erzkonservative Santorum signalisierte, dass er trotz der insgesamt enttäuschenden Ergebnisse nicht aufgeben, sondern bis zum Nominierungsparteitag im Sommer durchhalten wolle. "Die Hälfte der Delegierten in diesem Prozess sind vergeben", rief Santorum seinen Anhängern in seinem Heimatstaat Pennsylvania zu, in dem Ende April Vorwahlen stattfinden. "Und wer ist bereit, in Pennsylvania für eine starke zweite Halbzeit aus der Kabine zu stürmen?" Der Ex-Gouverneur hofft dabei auch auf Siege in konservativen Staaten wie Texas oder Kentucky, die im Mai abstimmen.

Um auf dem Nominierungsparteitag ungefährdet zum Herausforderer von Präsident Barack Obama gekürt zu werden, muss ein Bewerber mindestens 1.144 Delegierte von sich überzeugen. Romney hat bislang 24 von 37 Vorwahlen gewonnen und konnte laut CNN dabei rund 630 Wahlmänner verbuchen. Auf Santorum entfallen elf Siege und deutlich weniger als die Hälfte von Romneys Delegierten.

Romney in Feierlaune

Dem Ex-Senator wird keine realistische Möglichkeit mehr eingeräumt, selbst die nötige Delegiertenzahl zu erreichen. Allerdings setzt er darauf, dass Romney diese Schwelle ebenfalls verfehlt. In diesem Fall könnte es auf dem Parteitag zu einer Kampfkandidatur kommen. Auch der abgeschlagene frühere Chef des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, spekuliert auf einen umkämpften Parteitag und erklärte bislang stets, bis zum Ende im Rennen bleiben zu wollen.

Romney zeigte sich bei seiner Siegesrede in Milwaukee in Wisconsin in Feierlaune. "Danke an Wisconsin, Maryland und Washington, D.C.", rief er. Der Ex-Gouverneur stößt beim wertkonservativen Flügel der Republikaner auf Skepsis, in den vergangenen Tagen erhielt er aber die Unterstützung von weiteren einflussreichen Politikern seiner Partei – darunter der Anführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, sowie der frühere Präsident George Bush Senior.

Angriffe von Obama

Auch Obama scheint sich auf Romney als Gegner einzustellen. Der Präsident griff den Ex-Gouverneur in einer Rede namentlich an und warf ihm vor, die "radikalen" Haushaltspläne der Republikaner im Kongress mitzutragen, die aus Obamas Sicht die Mittelschicht vernachlässigen und die Reichen bevorzugen. "Getarnt als Plan zur Verringerung des Defizits, handelt es sich in Wirklichkeit um einen Versuch, dem Land eine radikale Vision aufzuzwingen", sagte Obama. Wörtlich: "Es handelt sich um einen nur zart verschleierten Sozialdarwinismus." Es war die bislang schärfste Attacke Obamas auf die Republikaner. In seinem neuesten Wahlwerbespot greift er Romney zudem als Unterstützer von "Big Oil" an, der mächtigen Ölindustrie.