Mitt RomneyDie US-Vorwahlen sind gelaufen

Mit seinem Dreifach-Sieg wird Romney Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Die Nominierung ist ihm nicht mehr zu nehmen. von 

Mitt Romney mit Unterstützern in Milwaukee, Wisconsin

Mitt Romney mit Unterstützern in Milwaukee, Wisconsin  |  © Scott Olson/Getty Images

Ab einem gewissen Moment lässt sich die Mathematik selbst mit Pathos nicht mehr aushebeln. An solch einem Punkt ist der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner angelangt. Mit seinem Dreifachsieg in der Hauptstadt Washington D.C., in Maryland und in Wisconsin ist Mitt Romney die Nominierung zum Herausforderer des Amtsinhabers Barack Obama nicht mehr zu nehmen.

Nach gut der Hälfte der Vorwahlen hat er sich mehr als die Hälfte der 1.144 Delegiertenstimmen gesichert, die er beim Parteitag Ende August benötigt: deutlich über 600. Der Nächstplatzierte Rick Santorum kommt nicht einmal auf halb so viele.

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So trat bei der Siegesfeier in Milwaukee ein euphorisierter und selbstsicherer Romney ans Mikrofon. Er scherzte darüber, dass ihn ausnahmsweise nicht seine Frau Ann vorstellte, sondern der Abgeordnete Paul Ryan. Der werde Anns Platz an seiner Seite freilich nicht auf Dauer einnehmen.

Interaktive Grafik

Die Kandidaten der Republikaner konkurrieren in mehr als 50 Vorwahlen um die Nominierung zum US-Präsidentschaftskandidaten der Partei. Wer wird das Rennen machen und bei der Wahl am 6. November gegen Amtsinhaber Barack Obama (Demokraten) antreten? Verfolgen Sie die Entscheidungen in unserer interaktiven Übersicht.

An diesem Abend aber passte ihm Ryan gut ins Konzept. Der 42-Jährige ist gleichermaßen ein Lokalmatador in Wisconsin und ein nationaler Jungstar. Sein Name steht für die Sparpläne ("Ryan-Budget"), mit denen die Republikaner die Staatsfinanzen sanieren wollen. Er genießt zudem große Sympathien in Tea-Party-Kreisen, der konservativen Republikaner-Bewegung, die Romney weiter mit Distanz betrachtet. Manche handeln Ryan bereits als Romneys Vizepräsidentschaftskandidaten.

Für eine Rede, die eigentlich den Entscheidungsmoment der Kandidatenkür markieren sollte, sprach Romney zu wenig staatsmännisch und flüchtete sich wieder einmal in unnötig scharfe Polemik gegen Obama. Der Präsident glaube wohl wirklich, dass er gute Arbeit leiste, spottete er. Das zeige freilich nur, dass er zu viel an Bord seines Flugzeugs Air Force One verbringe und den Kontakt zur Wirklichkeit verloren habe.

Wie ein nervenfreier Schütze

Obamas historische Leistung bestehe allein darin, dass Amerika unter ihm mehr Arbeitsplätze verloren habe als je zuvor seit der Großen Depression.

Den auf diesen Vorwahltag gemünzten machtpolitischen Kernsatz der Rede jedoch verwandelte Romney so kurz, knapp und kaltblütig wie ein nervenfreier Schütze den Elfmeter. Oder ein Manager, der an die absolute Überzeugungskraft von Zahlen glaubt: "I won them all!"

Wer will seine Kandidatur nach dem jüngsten 3:0-Erfolg noch stoppen? Und wie soll das vor sich gehen?

Rick Santorum blieb angesichts der Zahlen nicht viel mehr als Durchhalteparolen. "Es ist erst Halbzeit", versicherte er. Niemand dürfe das Rennen für beendet erklären, wenn erst die Hälfte der Wähler gefragt ist. Das wirkte ein wenig lahm. Jeder Interessierte kann die Delegiertenstatistik lesen und zudem seine Schlüsse aus dem Verlauf der bisherigen Vorwahlen für die noch ausstehenden Abstimmungen ziehen. Wenn Santorum in der ersten Halbzeit nicht einmal halb so erfolgreich war wie Romney, was spricht dann dafür, dass er das Blatt in der zweiten Halbzeit wenden kann?

Santorum setzt auf Pathos

Die politische Geografie verschärft Santorums Dilemma . In den meisten noch ausstehenden Staaten sind Romney-Siege hoch wahrscheinlich, und das gilt ganz besonders für so delegiertenreiche Staaten wie New York und Kalifornien. Er ist zudem besser organisiert und hat ungleich mehr Geld für die teure Fernsehwerbung.

Folglich setzte Santorum auf historisches Pathos. Auch während des Unabhängigkeitskriegs gegen Großbritannien habe es Phasen gegeben, wo kaum noch jemand an den Sieg der Kolonisten glauben wollte, führt er an. Doch dann setzte General Washington im Winter 1776 mit seinen Truppen über den Delaware , überraschte den Feind und entschied das Schicksal der amerikanischen Revolution.

Auch an Ronald Reagan hätten 1976 zu wenige glauben wollen, weil er zu konservativ erschien, bog sich Santorum eine weitere angebliche Parallele zurecht. Die Republikaner stellten statt Reagan einen Moderaten auf – und verloren prompt die Präsidentschaftswahl gegen den Demokraten Jimmy Carter. Erst als sie 1980 ihren Fehler korrigierten und Reagan nominierten, eroberten sie das Weiße Haus.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag

  2. aber ich denke, man kann durchaus kontrovers darüber diskutieren, ob er bereits ab der ersten Minute des Vorwahlkampfes so relevant für uns Deutsche ist, dass die ZEIT ihm regelmäßig vordere Plätze in der Berichterstattung einräumt.
    Ja, mir ist bewusst, es geht um den zukünftigen (wohl immer noch) mächtigsten Mann der Welt. Manchmal bekommt man allerdings das Gefühl, Themen aus anderen Weltregionen leiden unter dieser Ausrichtung.
    Könnte zum Beispiel die hierzulande (auch bei mir) verbreitete wenig differenzierte Vorstellung von Afrika nicht auch damit zusammenhängen, dass dieser große und spannende Kontinent meist lediglich nur von einem Korrespondenten "bearbeitet" wird?
    Aber jedes Medium hat einen, meistens sogar mehrere USA-Korrespondenten...

  3. ... das so ein Phänomen, wie die Piratenpartei, in den USA von vornherein ausgeschlossen ist? Die scheinen wirklich nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten zu haben, da können wir mit unserem System ja wirklich noch zufrieden sein...

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    • a.bit
    • 04. April 2012 11:26 Uhr

    ... es heißt "Tea Party".

    Und worauf beziehen sie das mit der "Wahl zwischen zwei Möglichkeiten"? Die eigentliche Präsidentschaftwahl? In D gibt es gewöhnlich auch nur zwei ernstzunehmende Kanzlerkandidaten.

    Und für alles andere gibt es die Vorwahlen -- immerhin decken die Kongressabgeordneten einer Partei dort ein deutlich weiteres Spektrum ab als die MdBs einer Fraktion hierzulande.

    • GDH
    • 04. April 2012 12:35 Uhr

    Das ist nunmal das Problem mit dem Mehrheitswahlrecht. Alle, die sich in Deutschland für eine Direktwahl von Kanzler oder Bundespräsident aussprechen, sollten das bedenken: Da ist dann nichts mit Koalitionen oder (neuen) kleinen Parteien auf die es (zunächst) nur bei manchen Abstimmungen ankommt.

    Das Problem haben wir in Deutschland hinsichtlich der Direktmandate aber auch. Mit der Erststimme kann man meistens höchstens noch beeinflussen, welcher der beiden Kandidaten aus den "großen" Parten reinkommt (und ob meine Lieblingspartei dabei ist, hängt ggf. damit noch vom Wohnort ab).

    • a.bit
    • 04. April 2012 11:26 Uhr

    ... es heißt "Tea Party".

    Und worauf beziehen sie das mit der "Wahl zwischen zwei Möglichkeiten"? Die eigentliche Präsidentschaftwahl? In D gibt es gewöhnlich auch nur zwei ernstzunehmende Kanzlerkandidaten.

    Und für alles andere gibt es die Vorwahlen -- immerhin decken die Kongressabgeordneten einer Partei dort ein deutlich weiteres Spektrum ab als die MdBs einer Fraktion hierzulande.

    Antwort auf "Kann es sein..."
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    Diese Tea-Party ist doch genau einer der beiden Möglichkeiten.
    Ich habe aber noch nie von dritten Parteien/ Oppositionen in USA gehört.
    Kann aber auch sein, dass dies einfach nicht berichtet wird, da zu unbedeutend.

    • GDH
    • 04. April 2012 12:44 Uhr

    Sie fragen
    >>Und worauf beziehen sie das mit der "Wahl zwischen zwei Möglichkeiten"? Die eigentliche Präsidentschaftwahl? In D gibt es gewöhnlich auch nur zwei ernstzunehmende Kanzlerkandidaten.<<

    Natürlich auf die Präsidentschaftswahl. Wer jetzt sein Gesicht für den Posten hergibt, ist in Deutschland nicht ganz so wichtig, weil er meist das Ergebnis von Koalitionen ist. Daher gibt es bei uns schon die echte Alternative, zwischen mehr als zwei Parteien.

    In den USA liegt leider mehr Macht bei Präsidenten und ebenfalls direkt gewählten "Abgeordneten" (Senat und Repräsentantenhaus). Ob die "ein deutlich weiteres Spektrum" abbilden als hierzulange, sei mal dahingestellt. Der Wähler kann jedenfalls in diesem Spektrum nicht wählen sondern nur einen der beiden an seinem Wohnort antretenden Kandidaten (was natürlich lokal konzentriert auftretenden Interssengruppen einen anderen Einfluss gewährt als verteilt lebenden) oder sein Stimme (so zynisch es klingt) verschenken.

  4. Darf ich dann darauf hoffen, daß dieses hier der letzte Artikel zum republikanischen Vorwahlkampf ist?

  5. Romney: "Später war er Gründungspartner der 1984 gegründeten Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital, die er bis 1999 leitete. Sein Privatvermögen von geschätzt 250 bis 350 Millionen Dollar[4][5][6] stammt aus den Erträgen seiner Tätigkeit bei Bain Capital. Die Tatsache, dass er im Jahr 2010 den niedrigen Steuersatz für Vermögenserträge von 13,9 Prozent (2011: 15,4 %) bezahlte, wurde von politischen Gegnern während der Vorwahlperiode thematisiert."
    Quelle Wikipedia
    Welche Einsichten kann ein solcher Mensch in das Leben eines einfachen, armen Bürgers schon haben?
    Merkwürdig, dass immer die reichen, gut abgesicherten Bürger der USA gegen eine gesetzliche Krankenversicherung sind.
    Ich wage hier die These zu vertreten, dass Romney nichts für die Mehrheit der Menschen in den USA wird leisten können - ihm fehlen einfach die Einsichten.

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    Ich beneide die Amerikaner. Sie haben wenigstens eine Partei die sich für mehr Eigenverantwortung und gegen die Bevormundung durch den Staat ausspricht. In Deutschland fehlt mir diese Wahlmöglichkeit völlig.

  6. Satzes "Die US-Vorwahlen sind gelaufen" ein kleines aber feines Video mit Mitt Romney

    http://www.youtube.com/wa...

    Nur mal als Appetithäppchen auf zukünftige Dialoge und seine Antworten auf ein bisschen Nachfragen...

  7. Diese Tea-Party ist doch genau einer der beiden Möglichkeiten.
    Ich habe aber noch nie von dritten Parteien/ Oppositionen in USA gehört.
    Kann aber auch sein, dass dies einfach nicht berichtet wird, da zu unbedeutend.

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    Es gibt durchaus Alternativen siehe hier http://en.wikipedia.org/w...
    davon zu nennen sind die Green Party (unter Ralph Nader) und die Libertarian Party. Die sind aber alle zu unbedeutend/chancenlos als dass man extensiv über sie berichten würde. Nader hat im 2000er Wahlkampf, so vermuten manche Demoskopen, Gore entscheidende Stimmen abgeluchst.

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