Nach Angaben der syrischen Staatsmedien und der Regimegegner sind drei Sprengsätze in Damaskus und Banias detoniert. Landesweit starben nach unbestätigten Berichten 20 Menschen, darunter drei Angehörige der Einsatzkräfte.

Der folgenreichste der insgesamt drei Sprengstoffanschläge ereignete sich in dem Damaszener Viertel al-Midan. Laut Berichten des syrischen Staatsfernsehens kamen hierdurch mindestens elf Menschen ums Leben. Ein Mann habe sich um die Mittagszeit neben einer Moschee im Al-Midan-Viertel in die Luft gesprengt.

In dem vorwiegend von sunnitischen Muslimen bewohnten Viertel hatte es seit Beginn des Aufstandes gegen Präsident Baschar al-Assad jeweils nach dem Freitagsgebet mehrfach Demonstrationen gegen das Regime gegeben. Dass der Anschlag von Regimegegnern verübt wurde, gilt daher als wenig wahrscheinlich. Bislang bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Tausende hatten auch an diesem Freitag erneut gegen das Assad-Regime demonstriert. Motto der Proteste war eine Koran-Sure. Sinngemäß übersetzt bedeutet sie: Gottes Wille wird geschehen, deshalb versuche nicht, es zu beschleunigen. Trotz der Gewalt und der Proteste gingen die Vorbereitungen für die Parlamentswahl am 7. Mai weiter. Die Nachrichtenagentur Sana meldete, 7.195 Kandidaten hätten sich registrieren lassen.

Annan soll Friedensmission für beendet erklären

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte die Lage "unannehmbar". "Beobachter berichten von schweren Waffen, militärischer Ausrüstung und Militärpersonal in bewohnten Gebieten. Das steht in klarem Widerspruch zu dem, was uns die syrische Regierung versichert", sagte er. Vorrang für die UN habe die beschleunigte Entsendung von Beobachtern vor Ort. "Doch zuerst müssen sie die Gewalt einstellen, damit humanitäre Hilfe möglich wird."

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete, in Aleppo hätten Deserteure drei Angehörige der Einsatzkräfte getötet. In der Provinz Homs sei ein Deserteur bei einem Gefecht mit den Regierungstruppen getötet worden, hieß es. In Deir as-Saur fanden Regimegegner nach eigener Aussage die Leiche eines durch Folter entstellten Mannes. Am Vortag sollen die Regierungstruppen 37 Menschen getötet haben, davon 16 in Deir as-Saur.

Die syrische Muslimbruderschaft forderte Moon auf, die Friedensmission des Sondergesandten Kofi Annan offiziell für beendet zu erklären. Sie forderte wegen der andauernden Gewalt außerdem den Ausschluss Syriens aus den Vereinten Nationen , solange Präsident Baschar al-Assad an der Macht ist. Die islamistische Organisation ist zwar in Syrien offiziell verboten, gehört aber dennoch zu den wichtigsten Oppositionsgruppen.

Der Sprecher der UN-Militärbeobachter in Damaskus, Neeraj Singh, sagte, von den insgesamt 15 Beobachtern hielten sich inzwischen zwei dauerhaft in der Provinz Daraa auf, zwei weitere in Homs und zwei in Hama. Die restlichen neun Militärs seien in Damaskus, von wo aus sie täglich zu Beobachtungsmissionen aufbrechen. Erst wenn die Zahl der Beobachter steige, werde es möglich sein, ständig in allen Regionen präsent zu sein.