Russlands Außenminister Sergej Lawrow vor dem UN-Sicherheitsrat (Archiv) © Lucas Jackson/Reuters

Russland ist offenbar bereit, einer neuen Syrien-Erklärung im UN-Sicherheitsrat zuzustimmen. Außenminister Sergej Lawrow sagte, Russland könne die Initiative mittragen, wenn sie zur Umsetzung des Friedensplans des Syrien-Sondergesandten von UN und Arabischer Liga, Kofi Annan , beitrage. Die syrische Regierung habe Annans Vorschläge geprüft und bereits damit begonnen, sie umzusetzen. Allerdings sei es "sehr wichtig, diesen Prozess nicht durch Ultimaten und Drohungen zu untergraben".

Russland ist einer der wichtigsten Verbündeten von Syrien . Gemeinsam mit China hat die Regierung in Moskau bereits zweimal die Verabschiedung einer Resolution im UN-Sicherheitsrat zur Verurteilung der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste blockiert. Russland unterstützt allerdings Annans Friedensplan.

Die syrische Führung hatte einer Waffenruhe ab Dienstag kommender Woche zugestimmt. Zudem versprach sie nach Angaben von Annan, bis dahin alle Truppen aus den Städten abzuziehen. 48 Stunden später sollen auch die Rebellen das Feuer einstellen. Angesichts der anhaltenden Gewalt wollen die westlichen Vetomächte im UN-Sicherheitsrat mit einer Erklärung Präsident Baschar al-Assad nun dazu auffordern, den 10. April als Frist für eine Waffenruhe einzuhalten.

Nach Angaben des Assad-Regimes haben Vorbereitungen für die Waffenruhe bereits begonnen. Die syrische Armee habe den Truppen-Abzug aus einigen Regionen des Landes gestartet.  Aus Regierungskreisen in Damaskus hatte es zuvor bereits geheißen, die Truppen hätten einige Gebiete, die fest in der Hand des Sicherheitsapparates seien, bereits verlassen.

Flüchtlingszahl steigt

Unterdessen steigt die Zahl der Flüchtlinge . Im Süden der Türkei seien in den vergangenen zwei Tagen mehr als 1.600 Syrer angekommen, teilte die türkische Regierung mit. Insgesamt leben in den türkischen Provinzen Hatay und Gaziantep mittlerweile mehr als 21.000 syrische Flüchtlinge.

In Syrien verstärkten die Regierungstruppen ihre Angriffe auf die Zentren des Widerstandes . Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete von heftigen Gefechten zwischen den Truppen von Präsident Baschar al-Assad und Deserteuren im nördlichen Umland von Aleppo . Drei Soldaten seien getötet worden. In zwei Ortschaften seien die angreifenden Soldaten über die Lautsprecher der Moscheen zur Fahnenflucht aufgerufen worden.

Aktivisten in Duma im Umland von Damaskus berichteten, die Armee habe die Stadt am Morgen mit Panzern angegriffen. "Die Zivilisten sind in Panik, Kinder weinen, überall hört man Schreie", hieß es. Am Vortag sollen landesweit 92 Menschen von den Regierungstruppen getötet worden sein. Wegen der Medienblockade durch die Regierung sind derartige Angaben nicht von unabhängiger Seite zu überprüfen.

Seit Beginn des Volksaufstands gegen Assad sind nach Zählung der UN mehr als 9.000 Menschen getötet worden. Die Regierung in Damaskus spricht von über 6.000 Toten, unter denen mehr als 2.500 Einsatzkräfte sind.