Der Berliner Charité-Chef Karl Max Einhäupl hat die Ukraine aufgefordert, die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko ausreisen zu lassen. "Ich appelliere an den ukrainischen Präsidenten: Seien Sie ein den humanitären Werten verpflichteter Präsident und lassen Sie Frau Timoschenko ausreisen", sagte Einhäupl.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) forderte die Ausreise: "Die Ärzte sind der Meinung, dass die Behandlung am besten in einem deutschen Krankenhaus durchgeführt werden sollte. Darum bemüht sich das Auswärtige Amt , und darum bemüht sich auch das Kanzleramt."

Eine Behandlung außerhalb der Ukraine sei der erfolgversprechendste Therapieansatz, sagte Charité-Chef Einhäupl. Die 51-Jährige leidet seinen Angaben zufolge an einem Bandscheibenvorfall und habe inzwischen chronische Schmerzen.

Große Sorge um Gesundheitszustand

Nach Einhäupls Angaben erhielt die Charité kürzlich Fotos von Timoschenko, auf denen Blutergüsse an ihrem Körper zu sehen seien. Timoschenko wirft den Behörden vor, sie unlängst unter Gewaltanwendung vorübergehend aus ihrem Gefängnis in Charkiw in die dortige Klinik verlegt zu haben. Einhäupl hatte sich vor zwei Wochen in Charkiw ein Bild von Timoschenko gemacht, nachdem er die 51-Jährige bereits im Februar erstmals untersucht hatte.

Die Charité sieht den Gesundheitszustand Timoschenkos mit großer Sorge. Dieser habe "sich deutlich verschlechtert", heißt es in einem neuen Gutachten zu dem Fall. Die Charité-Ärzte seien gebeten worden, Timoschenko in der Ukraine zu behandeln. Diese Möglichkeit werde intensiv geprüft.

"Doch ich habe erhebliche Zweifel, ob so das medizinische Problem gelöst werden kann", sagte Einhäupl. Er kündigte einen weiteren Besuch bei Timoschenko in den nächsten sieben Tagen an. Der Hungerstreik habe ihren gesundheitlichen Zustand verschlechtert.

Timoschenko verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Am vergangenen Freitag trat sie aus Protest gegen ihre Haftbedingungen in einen Hungerstreik. Dieser erhöhe ihr Risiko für weitere Erkrankungen, sagte Einhäupl. Ein großes Problem sei zudem, dass sie "kein Vertrauen" in ihre Ärzte habe, weshalb sie aus Angst vor ansteckenden Krankheiten auch jegliche Injektionen oder Blutentnahmen verweigere.

Einhäupl sei "von hoher politischer Seite" gebeten worden, darauf zu achten, dass bei Timoschenko keine lebensbedrohliche Situation eintrete. So schätze er ihren Zustand derzeit noch nicht ein, wolle sich aber vor Ort vergewissern.