UgandaWie Soldaten Joseph Kony im Dschungel jagen

Im Internet hat die "Kony 2012"-Kampagne für Furore gesorgt. Dabei suchen ugandische Einheiten schon seit Jahren nach dem Kriegsverbrecher. Der Druck auf Kony wächst. von afp

Einen Moment bleibt Leutnant Kasim Lukumo stehen und weist in den dichten Dschungel Zentralafrikas. "Sehen Sie, wie schwierig es ist, hier jemanden zu finden, der sich vor Ihnen versteckt?", fragt Lukumo, dem der Schweiß aus dem Bartstoppeln rinnt. Er rückt sein Sturmgewehr und seinen schweren Rucksack zurecht. "Du kannst kaum mehr als ein paar Meter sehen. Oft sieht man Leute nicht einmal, wenn sie ganz nahe sind." Wenn es eine Frontlinie im Kampf zwischen der ugandischen Armee und den Rebellen von Joseph Konys Lord's Resistance Army (LRA) gibt, dann verläuft sie hier.

Lukumo und die sechzig anderen Soldaten der Einheit 77-Juliet sind nur eine von mehreren Dutzend Trupps der ugandischen Armee, die seit Jahren in dem unzugänglichen Gebiet im Osten der Zentralafrikanischen Republik auf der Jagd nach Kony sind. In den vergangenen zwei Monaten haben sich die Soldaten von 77-Juliet fast 1.000 Kilometer durch ein unbesiedeltes Gelände zwischen zwei Flüssen gekämpft. Dichter Dschungel und sonnenverbrannte Felsen wechseln sich in dem Gebiet ab, in dem Kony mit seinen wichtigsten Kommandeuren vermutet wird.

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"Der Mann ist schwach. Er fühlt den Druck. Er ist in schlechter Verfassung", ist Hauptmann Daud Muhamad überzeugt. Der Befehlshaber von 77-Juliet lehnt an einem Baum und versucht, die winzigen Fliegen zu verscheuchen, die unablässig um seinen Kopf kreisen. Er ist sich sicher, dass Kony und die letzten LRA-Kämpfer ohne Vorräte, in kleine Gruppen aufgespalten, ständig auf der Flucht sind. Nach Angaben der ugandischen Armee zählen die Rebellen nur noch 120 Kämpfer sowie noch einmal hundert entführte Kinder und Frauen.

Strafgerichtshof sucht Kony seit 2005

Vor einem Jahrzehnt sah das noch anders aus. Damals verbreitete die LRA im Norden Ugandas Angst und Schrecken. Die Rebellengruppe war Ende der 80er Jahre gegründet worden, um für die Interessen der nordugandischen Volksgruppe der Acholi zu kämpfen. Doch in den folgenden Jahren gelangte sie vor allem durch die Zwangsrekrutierung von Kindern als Soldaten und Sexsklaven sowie die Verstümmelung ihrer Opfer zu grausiger Berühmtheit. 2005 stellte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen Kony aus.

Nachdem sich die LRA unter dem Druck der Armee 2006 aus Uganda zurückzog, war in den Medien nur noch selten von ihr zu hören. Im März aber lenkte ein Internetvideo der US-Kinderhilfsorganisation Invisible Children die Aufmerksamkeit erneut auf Kony . In dem umstrittenen Film wirbt die Gruppe für die Entsendung von US-Soldaten nach Zentralafrika, um Kony zu verhaften.

US-Spezialkräfte unterstützen die ugandische Armee

Seit dem Start wurde das halbstündige Video im Internet mehr als 90 Millionen Mal angeklickt. Doch gab es auch viele Vorwürfe: Kritiker halten Invisible Children vor, eine undifferenzierte und überholte Sicht zu vertreten und einfache Lösungen für einen komplexen Konflikt zu propagieren. Schon heute sind hundert US-Spezialkräfte vor Ort. Die von US-Präsident Barack Obama entsandten Soldaten sollen die ugandische Armee bei ihrer Jagd nach Kony vor allem bei Aufklärung, Koordination und Logistik unterstützen.

Joseph Balikudembe lobt den "Mehrwert" der US-Truppen bei dem Einsatz. Der Offizier, der im ugandischen Hauptquartier in Nzara im Südsudan den Einsatz gegen Kony leitet, hofft, gemeinsam mit den USA der LRA ein Ende machen zu können. Hauptmann Muhamad von der 77-Juliet kommuniziert regelmäßig mit US-Aufklärungsflugzeugen, doch von US-Soldaten selbst hat er noch nichts gesehen. Bis auf weiteres bleibt es wohl an 77-Juliet und den anderen ugandischen Einheiten, Kony in dem unzugänglichen Dschungel aufzuspüren.

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Leserkommentare
  1. Mittlerweile weiß jeder das Kony nicht mehr in Uganda ist, wie es im Artikel auch steht. Nur steht im selbigen Artikel auch das die ugandische Armee in noch "jagt" ?! Kann mir jemand bitte erklären warum man einen Warlord jagt der sich 2006 schon zurückgezogen hat. Außerdem hat der doch noch 100 Kindersoldaten (wenn nicht mehr) und wenn man ihn dann festnehmen möchte muss man diese wahrscheinlich erst einmal töten. Außerdem hat er ja auch keine Macht mehr laut dem Artikel und ist sehr geschwächt. Und warum geht jetzt ausgerechnet die amerik. Armee nach Uganda ?! Vielleicht wegen dem Ölfund 2009 in Uganda ?! Ich glaube es gibt genug Warlords in Afrika,aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das die erst interessant werden, wenn es einen Grund geben könnte, aus dem man Profit schlagen kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sondern vertreten ihre Interessen. Ein Warlord und Kriegsverbrecher wird leider nicht wegen seiner Verbrechen allein abserviert, er muß außerdem noch irgendwie die politischen Interessen irgendwelcher Großmächte stören. Bis zur Einrichtung einer Weltregierung wird sich daran nichts ändern. Die UN, der gern Versagen vorgeworfen ist, ist nichts weniger als eine Weltregierung. Sie ist ein wertvoller diplomatischer Marktplatz, nicht mehr.

  2. sondern vertreten ihre Interessen. Ein Warlord und Kriegsverbrecher wird leider nicht wegen seiner Verbrechen allein abserviert, er muß außerdem noch irgendwie die politischen Interessen irgendwelcher Großmächte stören. Bis zur Einrichtung einer Weltregierung wird sich daran nichts ändern. Die UN, der gern Versagen vorgeworfen ist, ist nichts weniger als eine Weltregierung. Sie ist ein wertvoller diplomatischer Marktplatz, nicht mehr.

    Antwort auf "Paradox"
  3. Wie so oft in Afrika sind die vermeintlich rechtsschaffenden Regierungssoldaten genauso marodierende Soldateska wie die Kony und seine LRA.

    Es gibt zahlreiche Berichte über Kriegsverbrechen der Armee zB. im Kongo.
    http://www.france24.com/en/20100930-un-report-implicates-ugandan-army-de...

    • kamau
    • 24. April 2012 19:32 Uhr

    bei dem ganzen kony-hype habe ich ein ungutes gefühl. ich frage mich was damit bezweckt ist. kony ist seit jahren aus uganda verschwunden.
    sollen durch diese aktion der "gefällt-mir-button" generation zukünftige "gute" kriege moralisch vorbereitet werden?
    ich befürchte dass der informations- und kenntnisstand vieler aktionisten nicht über den kony-hype hinaus gehen.
    wer sich mit uganda auskennt, der weiß, dass im norden ugandas als humanitäre verkleidete ethnische säuberungen vor sich gehen. die nomadenstämme der jei im karamajong distrikt werden auf betreiben der ugandischen regierung, unter der schirmherrschaft die frau von museveni, mit hilfsgeldern der eu (ca 4-4,5 millionen)vertrieben und in dauerhafte unterbringungen zwangsumgesiedelt. ihre kultur wird dadruch zertsört. die "argumente" der ugandischen regierung: zu weit abgelegen, keine medizinische versorgung & schulbildung usw.
    die eu finanziert diese unmenschliche aktion.
    weshalb berichten die kony-hyper nicht davon? sie waren doch im norden ugandas.
    wo war die welt mit ihrer aufmerksamkeit als kony jahrzehntelang sein unswesen treiben konnte. die flüchlinge strömten damals bis nach kampala.

    es geht wieder um bodenschätze: öl und andere rohstoffe, die in diesen gegenden gefunden wurden. was ölfunde in diesen regionen bedeuten erleben wir gerade im süden-sudan. was aus einer öl-gesellschaft in den händen korrupten politiker wird, schaue auf nigeria oder lese das buch von m. peel "a swamp full of dollars"

    • kamau
    • 24. April 2012 19:41 Uhr

    wer genaueres über die kony zeit lesen möchte derm sei das buch von soto "tall grass - stories off suffering and peace in northern uganda" empfohlen. pfarrer soto lebte und arbeitete von 1984-1987 und 1991-2008 in uganda! sehr empfehlenswert! eines der besten bücher zu diesem thema.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Barack Obama | Dschungel | Jagd | Soldat | Logistik | US-Präsident
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