Einen Moment bleibt Leutnant Kasim Lukumo stehen und weist in den dichten Dschungel Zentralafrikas. "Sehen Sie, wie schwierig es ist, hier jemanden zu finden, der sich vor Ihnen versteckt?", fragt Lukumo, dem der Schweiß aus dem Bartstoppeln rinnt. Er rückt sein Sturmgewehr und seinen schweren Rucksack zurecht. "Du kannst kaum mehr als ein paar Meter sehen. Oft sieht man Leute nicht einmal, wenn sie ganz nahe sind." Wenn es eine Frontlinie im Kampf zwischen der ugandischen Armee und den Rebellen von Joseph Konys Lord's Resistance Army (LRA) gibt, dann verläuft sie hier.

Lukumo und die sechzig anderen Soldaten der Einheit 77-Juliet sind nur eine von mehreren Dutzend Trupps der ugandischen Armee, die seit Jahren in dem unzugänglichen Gebiet im Osten der Zentralafrikanischen Republik auf der Jagd nach Kony sind. In den vergangenen zwei Monaten haben sich die Soldaten von 77-Juliet fast 1.000 Kilometer durch ein unbesiedeltes Gelände zwischen zwei Flüssen gekämpft. Dichter Dschungel und sonnenverbrannte Felsen wechseln sich in dem Gebiet ab, in dem Kony mit seinen wichtigsten Kommandeuren vermutet wird.

"Der Mann ist schwach. Er fühlt den Druck. Er ist in schlechter Verfassung", ist Hauptmann Daud Muhamad überzeugt. Der Befehlshaber von 77-Juliet lehnt an einem Baum und versucht, die winzigen Fliegen zu verscheuchen, die unablässig um seinen Kopf kreisen. Er ist sich sicher, dass Kony und die letzten LRA-Kämpfer ohne Vorräte, in kleine Gruppen aufgespalten, ständig auf der Flucht sind. Nach Angaben der ugandischen Armee zählen die Rebellen nur noch 120 Kämpfer sowie noch einmal hundert entführte Kinder und Frauen.

Strafgerichtshof sucht Kony seit 2005

Vor einem Jahrzehnt sah das noch anders aus. Damals verbreitete die LRA im Norden Ugandas Angst und Schrecken. Die Rebellengruppe war Ende der 80er Jahre gegründet worden, um für die Interessen der nordugandischen Volksgruppe der Acholi zu kämpfen. Doch in den folgenden Jahren gelangte sie vor allem durch die Zwangsrekrutierung von Kindern als Soldaten und Sexsklaven sowie die Verstümmelung ihrer Opfer zu grausiger Berühmtheit. 2005 stellte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen Kony aus.

Nachdem sich die LRA unter dem Druck der Armee 2006 aus Uganda zurückzog, war in den Medien nur noch selten von ihr zu hören. Im März aber lenkte ein Internetvideo der US-Kinderhilfsorganisation Invisible Children die Aufmerksamkeit erneut auf Kony . In dem umstrittenen Film wirbt die Gruppe für die Entsendung von US-Soldaten nach Zentralafrika, um Kony zu verhaften.

US-Spezialkräfte unterstützen die ugandische Armee

Seit dem Start wurde das halbstündige Video im Internet mehr als 90 Millionen Mal angeklickt. Doch gab es auch viele Vorwürfe: Kritiker halten Invisible Children vor, eine undifferenzierte und überholte Sicht zu vertreten und einfache Lösungen für einen komplexen Konflikt zu propagieren. Schon heute sind hundert US-Spezialkräfte vor Ort. Die von US-Präsident Barack Obama entsandten Soldaten sollen die ugandische Armee bei ihrer Jagd nach Kony vor allem bei Aufklärung, Koordination und Logistik unterstützen.

Joseph Balikudembe lobt den "Mehrwert" der US-Truppen bei dem Einsatz. Der Offizier, der im ugandischen Hauptquartier in Nzara im Südsudan den Einsatz gegen Kony leitet, hofft, gemeinsam mit den USA der LRA ein Ende machen zu können. Hauptmann Muhamad von der 77-Juliet kommuniziert regelmäßig mit US-Aufklärungsflugzeugen, doch von US-Soldaten selbst hat er noch nichts gesehen. Bis auf weiteres bleibt es wohl an 77-Juliet und den anderen ugandischen Einheiten, Kony in dem unzugänglichen Dschungel aufzuspüren.