AfghanistanEinigung über umstrittene Nato-Nachteinsätze

Afghanistan und die USA haben nach langen Verhandlungen die Vereinbarung zu den Nachteinsätzen besiegelt. Künftig finden sie unter afghanischer Führung statt.

US-amerikanische Isaf-Soldaten bei einer nächtlichen Einsatzbesprechung

US-amerikanische Isaf-Soldaten bei einer nächtlichen Einsatzbesprechung

In Afghanistan sollen nächtliche Kommandoaktionen künftig vom dortigen Militär geführt werden. Eine entsprechende Vereinbarung über die umstrittenen Nachteinsätze westlicher Spezialkräfte wurde nach monatelangen Verhandlungen am Sonntag von der afghanische Regierung und den USA unterzeichnet. Damit ist eine Voraussetzung für ein militärisches Partnerschaftsabkommen beider Länder erfüllt.

"Die Unterzeichnung dieses Dokuments ist ein grundlegender Schritt hin zur nationalen Souveränität Afghanistans", sagte der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak. Der Chef der Nato-Truppen in Afghanistan, US-General John Allen sagte: "Heute sind wir dem Aufbau einer strategischen US-afghanischen Partnerschaft einen Schritt näher gekommen." Beide haben die Vereinbarung unterschrieben.

Aimal Faisi, Sprecher von Staatschef Hamid Karsai, sagte, ausländische Soldaten – etwa aus den USA – würden fortan "eine Unterstützerrolle bei den nächtlichen Einsätzen einnehmen". Nach Angaben Faisis soll künftig ein Gremium aus afghanischen und Nato- beziehungsweise US-Vertretern die nächtlichen Einsätze beschließen. "Wenn die Notwendigkeit eines nächtlichen Einsatzes besteht, wird dieses Gremium entscheiden, und die letzte Entscheidung wird von Afghanen gefällt." Die Afghanen würden außerdem festlegen, ob und in welcher Form westliche Unterstützung benötigt werde. Möglich sei Unterstützung aus der Luft.

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Kritik an den Nachteinsätzen

In der vergangenen Woche hatten US-Regierungsvertreter ähnliche Angaben zu der Übereinkunft gemacht. Demnach war einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen, wie lange die US-Armee festgenommene Verdächtige festhalten darf. Nach Angaben von Karsais Sprecher sind künftig aber die afghanischen Behörden für die Häftlinge zuständig.

Viele Afghanen verurteilen die nächtlichen Razzien westlicher Spezialkräfte als Verletzung ihrer Privatsphäre. Diese Suchen nach feindlichen Kämpfern haben in der Vergangenheit auch immer wieder für schwere Verstimmungen zwischen der Regierung in Kabul und dem Westen gesorgt. Die USA bestehen aber darauf, da mit den Nachteinsätzen große Erfolge gegen die Taliban erzielt würden. 2011 sollen US-Angaben zufolge 2.200 solcher nächtlichen Einsätze erfolgt sein. In 90 Prozent der Fälle sei dabei kein Schuss gefallen, zivile Opfer seien selten.

Die Übereinkunft zu den nächtlichen Einsätzen ist ein wichtiger Schritt hin zu einem Abkommen zwischen den USA und Afghanistan für die militärische Zusammenarbeit nach 2014. Bis dahin soll die Nato-geführte Isaf-Truppe ihren Kampfeinsatz in dem Land beendet haben – die meisten der derzeit rund 130.000 Isaf-Soldaten sollen bis dahin abgezogen werden. Die USA planen laut Regierungsvertretern, nach 2014 noch rund 15.000 US-Soldaten in Afghanistan zu belassen, unter anderem für die Ausbildung der afghanischen Armee und für den Kampf gegen den Terrorismus.

 
Leserkommentare
  1. sowieso schon von den Taliban initiiert gewesen!

    • WiKa
    • 08.04.2012 um 18:48 Uhr

    … da werden Verträge unterzeichnet die uns und auch den Afghanen das Gefühl von Normalität oder Normalisierung vermitteln sollen. Warum kommt es nicht überzeugend rüber?

    Erstens sehe ich diesen Papierkrieg als Teil des Alliierten Rückzugsgefechts zur Gesichtswahrung, um noch irgendwie unter letzten Mühen den (Pyrrhus)Sieg nach Hause schleppen zu können, aber auch der wird wohl auch blanke Theorie bleiben. Die Alliierten haben diesen Feldzug in den Sand gesetzt.

    Zweitens kann ich mir nicht vorstellen, aus welchen Gründen auch immer, dass sich die Amerikaner tatsächlich daran halten werden. Eine außergewöhnliche Situation und das Papier sackt wieder in sich zusammen.

    Drittens wird da auf dem Vertragswege, sicherlich nicht nur mit diesem Papier, etwas zusammengezimmert, was mit Sicherheit innerhalb Afghanistans wieder zerrieben wird sobald die fremde Macht außer Landes ist.

    Ergo reden wir über papierne Beruhigungspillen und werden dennoch, so meine Vermutung, weiter mit dem von den Invasoren verursachten Leid konfrontiert. Wo und an welcher Stelle will man denn in den Verträgen hernach die alliierten Rechte festhalten. Sind die Ansprüche überhaupt legitim? Werden es Geheimverträge? Das Zerrbild will nicht klar werden. Es bleibt aus meiner Sicht Unrecht was dort praktiziert wird und manchmal scheint da nur der abrupte Wechsel des Blickwinkels um 180° zu helfen, um diesen Wahnsinn zu erfassen >>> http://qpress.de/2010/10/...

    Eine Leserempfehlung
  2. ...es ändert sich nichts !

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