Nach dem Sieg von François Hollande in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen bereiten sich beide Seiten für die entscheidende Stichwahl am 6. Mai vor. Hollande zeigte sich am Wahlabend siegessicher. Er sei "der Bestplatzierte, um der nächste Präsident der Republik zu werden", sagte er vor Anhängern in Tulle. Das Ergebnis sei eine "Abstrafung" für den konservativen Präsidenten.

Noch in der Nacht begab er sich nach Paris , wo er zwei Stunden im Hauptquartier seiner Partei verbrachte. Beim Verlassen des Gebäudes am Montagmorgen sagte er : "Ich habe den Sieg noch nicht, aber er ist nah." Sollte er die Stichwahl gewinnen, wäre Hollande der erste Sozialist seit der Wiederwahl von François Mitterrand 1988, der in den Elysée-Palast einzieht.

Auch Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gab sich trotz seines Rückstandes kämpferisch. "Wir können mit Zuversicht in die zweite Runde gehen", rief er nach der Wahl seinen Anhängern in Paris zu. "Ich werde alle Energie reinstecken, derer ich fähig bin", sagte er mit Blick auf die kommenden zwei Wochen. "Alles fängt erst an."

Sarkozy schlug zudem drei Fernsehdebatten mit Hollande vor – dieser winkte jedoch sofort ab und ließ wissen, ein einziger Fernsehauftritt reiche ihm.

Linksfront und Grüne werben für Hollande

Entscheidend für den 6. Mai wird sein, hinter wen sich die Wähler der anderen Kandidaten stellen. Noch am Sonntagabend rief Jean-Luc Mélenchon indirekt zur Unterstützung Hollandes auf: Seine Wähler sollten am 6. Mai wieder zur Abstimmung gehen, "um Sarkozy zu schlagen", forderte der Linkskandidat. Auch die Grünen-Politikerin Eva Joly, die auf 2,3 Prozent der Stimmen kam, empfahl ihren Anhängern, in der Stichwahl für Hollande zu stimmen.

Marine Le Pens Wähler hatte Sarkozy mit einer gegen Einwanderung gerichteten Rhetorik im Wahlkampf umworben, sie selbst will ihre Empfehlung am 1. Mai abgeben. Experten halten es allerdings für ausgeschlossen, dass Le Pen ein Votum für Sarkozy empfiehlt. Das Ergebnis, das die frühere Anwältin am Sonntag erzielte, ist das beste der Parteigeschichte. "Die Schlacht um Frankreich fängt erst an", kündigte die Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen an. Ebenfalls vorerst keine Empfehlung gab François Bayrou ab.

Umfragen sehen Hollande in Stichwahl vorne

Laut Umfragen zweier Meinungsforschungsinstitute vom Sonntag kann François Hollande in der Stichwahl mit rund 54 Prozent der Stimmen rechnen und Sarkozy mit bis zu 46 Prozent. Die Zahlen sind seit Monaten relativ stabil.

Hollande errang laut amtlichem Endergebnis in der ersten Runde 28,63 Prozent der Stimmen, teilte das Innenministerium mit. Sarkozy kam auf 28,18 Prozent. Überraschend stark schnitt mit 17,9 Prozent die Rechtsextreme Le Pen ab. Der Linkskandidat Mélenchon kam demnach auf 11,1 Prozent, der Zentrumspolitiker Bayrou auf 9,1 Prozent. Der Grünen-Politikerin Joly gaben 2,3 Prozent der Wähler ihre Stimme. Die Wahlbeteiligung lag bei 79,47 Prozent und damit deutlich über den Erwartungen.