An der Küste von Henoko nahe der US-Militärbasis Camp Schwab in Nago, Okinawa © Koichi Kamoshida/Getty Images

Einen Vorposten zur Verteidigung der freien Welt nennen ihn die Strategen des Westens: Auf dem japanischen Archipel Okinawa im westlichen Pazifik sind seit dem Zweiten Weltkrieg US-Garnisonen stationiert. Gegen die Kommunisten in China , Russland , Vietnam , Nordkorea . Einzig die Bewohner Okinawas können sich bis heute mit dieser ihnen auferlegten Aufgabe nicht anfreunden. Sie sehnen den Abzug der amerikanischen Truppen herbei. Am 15. Mai jährt sich die Übergabe Okinawas an Japan durch die USA zum vierzigsten Mal, und dafür soll offiziell die Stabilität des Bündnisses gefeiert werden. Doch im Hintergrund wird genau das Gegenteil verhandelt: die Verlegung der US-Garnisonen.

Annähernd 35.000 US-Soldaten und 5.500 Zivilisten samt ihrer Angehörigen sind in Okinawa stationiert. 217 Milliarden Yen, rund 20 Milliarden Euro, bezahlt der japanische Steuerzahler für deren Unterhalt jährlich, im Staatshaushalt als "Sympathie-Titel" ausgewiesen. Viele Japaner haben dafür freilich wenig Sympathie, in Okinawa praktisch niemand, denn dort betrachtet man die amerikanische Militärpräsenz als das, was sie ist: die Fortsetzung der Besatzung . Immerhin 9.000 US-Marines werden nun verlegt, beispielsweise ins pazifische Guam. Die Japaner müssen dafür 3,1 Milliarden US-Dollar beisteuern.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich die Präfektur im äußersten Westen Japans für 27 Jahre unter amerikanischer Verwaltung. Der Friedensvertrag von San Francisco beendete 1952 zwar die Besatzung Japans, doch Okinawa blieb unter US-Kontrolle. Washington wollte sich von den strategisch wertvollen Inseln im Ostchinesischen Meer nicht trennen und begann Anfang der 1950er Jahre die dortigen Stützpunkte für den dauerhaften Gebrauch auszubauen. Die lokale Bevölkerung wurde gegen erbitterten Widerstand zu diesem Zweck von ihrem Land vertrieben. Während des Koreakriegs (1950-1953) und danach während des Vietnamkriegs (1955-1975) wurde Okinawa zum wichtigsten amerikanischen Stützpunkt in Ostasien, ohne den der Vietnamkrieg nach Einschätzung von Admiral Grant Sharp, 1965 Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte im Pazifik, nicht hätte geführt werden können.

Am 15. Mai 1972 wurde Okinawa wieder zu einer japanischen Präfektur

Vom Air-Force-Stützpunkt Kadena flogen täglich B-52-Bomber nach Vietnam. In den Häfen Okinawas und auf den Stützpunkten wurden Nachschub und militärisches Gerät von Bier bis Senfgas und dem Entlaubungsmittel Agent Orange umgeschlagen und gelagert. Im Dschungel der subtropischen Inseln wurden ganze Dörfer errichtet, um die Marines den Kampf gegen den Vietcong üben zu lassen. Land wurde requiriert, bis mehr als zehn Prozent der Hauptinsel des Archipels – und ein wesentlich größerer Teil des nutzbaren Landes – für die einheimische Bevölkerung unzugänglich waren.

Neben der großen Unzufriedenheit der Einwohner Okinawas wurde die Präfektur durch die Vietnam-Einsätze zu einem Brennpunkt der Antikriegsproteste. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung Okinawas war gegen die US-Stützpunkte, was Washington schließlich dazu bewog, dem Drängen Tokios auf Rückgabe des Archipels nachzugeben. Am 15. Mai 1972 wurde Okinawa für 65 Millionen US-Dollar, die Tokio an Washington bezahlte, wieder zu einer japanischen Präfektur. Doch für die Bevölkerung änderte sich nichts, die amerikanische Militärpräsenz wurde nicht verringert. Die Hoffnung der japanischen Regierung, dass die Stützpunkte mit der Zeit zu einem akzeptierten Teil der Landschaft würden, hat getrogen. Die US-Garnisonen sind heute so unbeliebt wie eh und je.