US-Wahlkampf : Das Kalkül hinter Obamas Ja zur Homo-Ehe
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Junge Wähler dürften positiv reagieren

Allerdings ist die Polarisierungskraft der Debatte ebenso für Herausforderer Mitt Romney von Vorteil: Mit einer artikulierten Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe kann er in der rechten Mitte punkten, bei den extrem Konservativen sowieso – und sicher auch eine Reihe wichtiger Geldgeber motivieren.

Wenn es um die Auswirkungen auf verschiedene Wählergruppen geht, wird Obamas neue Linie vor allem unter jungen Wählern unter 30 Jahren positive Resonanz erfahren, deren Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Ehe überdurchschnittlich hoch ist. Sie waren bei der Wahl 2008 eine solide Basis für Obamas Erfolg und könnten es auch diesmal sein.

Afro-Amerikaner und Latinos haben andere Sorgen

Problematischer ist Obamas Vorstoß für zwei weitere wichtige Wählergruppen, die bisher in der großen Mehrheit geschlossen hinter ihm stehen: Afro-Amerikaner und Latinos. Beide stehen der gleichgeschlechtlichen Ehe eher kritisch gegenüber; die Mehrheit lehnt sie ab. Jedoch ist nicht absehbar, dass sie sich angesichts einer Reihe für sie viel relevanterer Themen nun von ihm abwenden. So dürfte gerade die Latino-Community besonders hinsichtlich Romneys harter Linie in der Einwanderungspolitik kaum das Lager wechseln. Und auch den Afro-Amerikanern dürfte die wirtschaftliche Lage derzeit noch wichtiger sein.

Spannend wird, wie sich die Umfragen in den wahlentscheidenden Staaten mit einer großen Zahl an parteiunabhängigen Wechselwählern entwickeln werden. In North Carolina etwa hat die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung soeben in einem Referendum für einen Verfassungszusatz gestimmt, der gleichgeschlechtliche Ehen ausschließt. Andererseits zeigen Erhebungen dort, dass grundsätzlich eine Mehrheit für solche Partnerschaften – mit oder ohne Trauschein – besteht und mehr als der Hälfte der Bürger noch kurz vor der Abstimmung nicht klar war, dass der Verfassungszusatz genau dies verbieten würde.

Solche Widersprüche und die generell dynamische Entwicklung der Debatte selbst in den rund 30 Staaten, in denen die gleichgeschlechtliche Ehe illegal ist, machen es nur noch schwerer, die Auswirkungen von Obamas neuer Linie vorherzusehen. Auch für den republikanischen Gegner.

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Entscheiden wird Anthony Kennedy

Ich hatte bisher es ihm immer verziehen, dass er hier von der Agenda der demokratischen Partei abweicht, schließlich muss es ja eine Mehrheit schaffen in einem Land wo 85% sich als gläubig bezeichnen und es einfach leider Fakt ist, dass die demokratische Partei keine gesellschaftliche Mehrheit hat und nur durch charismatische Persönlichkeiten eine Chance hat.

Obama geht ein Risiko ein, ein Risiko, das Roosevelt und Kennedy eingegangen ist, entscheidend dürfte hier aber sein, ob Obama es schafft eine öffentliche Mehrheit für die Homo-Ehe zu schaffen, die dann Anthony Kennedy vom Supreme Court in die richtige Richtung schubsen wird.