ÄgyptenSchafik-Gegner stürmen Wahlkampfzentrale

Kaum war das Wahlergebnis in Ägypten offiziell, haben Unbekannte die Wahlkampfzentrale von Kandidat Schafik gestürmt. Auf dem Tahrir-Platz protestierten Hunderte. von afp und dpa

Ägyptische Demonstranten bewerfen ein Wahlplakat von Präsidentschaftkandidat Schafik mit Schuhen.

Ägyptische Demonstranten bewerfen ein Wahlplakat von Präsidentschaftkandidat Schafik mit Schuhen.  |  © Khaled Desouki/AFP/GettyImages

Nach der Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses der ersten Runde der Präsidentenwahl ist es in Ägypten zu Protesten gekommen. Demonstranten griffen am späten Montagabend in Kairo das Wahlkampf-Hauptquartier des Kandidaten Ahmed Schafik an und legten Feuer. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera berichtete von 2.000 Menschen, die auf dem zentralen Tahrir-Platz gegen den Ausgang der ersten Wahlrunde protestierten. Sie riefen: "Das Volk will das Regime zum zweiten Mal stürzen!"

Gegner Schafiks , die in dem 70-Jährigen vor allem einen Vertreter des alten Regimes und der seit dem Sturz Hosni Mubaraks im Februar 2011 herrschenden Militärs sehen, legten nach Berichten arabischer Sender in einem Gebäude seines Hauptquartiers in Kairo Feuer und warfen Fensterscheiben ein. Der Brand wurde jedoch schnell gelöscht.

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Schafik, der frühere Luftwaffenchef und letzte Regierungschef Mubaraks, wird sich als Zweitplatzierter Mitte Juni in einer Stichwahl dem Kandidaten der Muslimbruderschaft , Mohammed Mursi , stellen, der in der ersten Runde laut Wahlkommission die meisten Stimmen erhielt.

Schafiks Teilnahme an Stichwahl ist unklar

Ob Schafik überhaupt zur Stichwahl antreten darf , soll offenbar erst wenige Tage vorher entschieden werden. Das Verfassungsgericht werde laut einem Bericht der Zeitung Al-Achbar am 11. Juni über die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes entscheiden, das die Kandidatur von Mitgliedern der früheren Führung des Landes untersage . Aufgrund dieses Gesetzes hatte die Wahlkommission Schafiks Kandidatur zunächst nicht zugelassen. Er hatte jedoch Ende April mit einem Einspruch Erfolg.

Beobachter rechnen damit, dass sich die Proteste in den kommenden Wochen noch ausweiten könnten. Vor allem ein Sieg Schafiks könnte unter der sogenannten Revolutionsjugend zu weiteren Aufständen führen.

Der fast 30 Jahre herrschende autoritäre Präsident Mubarak war im Februar 2011 durch einen Volksaufstand gestürzt worden . Dessen Zentrum war von Anfang an der Tahrir-Platz in Kairo. Die Stichwahl um das Präsidentenamt findet am 16. und 17. Juni statt, der Wahlsieger soll am 21. Juni feststehen. Danach will der seit Mubaraks Sturz regierende Militärrat die Macht abgeben.

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Leserkommentare
    • APGKFT
    • 29. Mai 2012 7:51 Uhr

    Offenbar nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Reif ist das Volk schon, aber nicht die alte Clique der Militärs. Das ägyptische Militär bestimmt immernoch über die Belange der Ägypter in jeder Hinsicht. Sogar die Zulassung der Kandidaten durfte der Militärrat bestimmen. Dieser Rat bestimmt nicht nur die Aussenpolitik und den militärischen Aspekt Ägyptens, er hat auch die Macht über weite Teile der ägyptischen Wirtschaft.

    Und weil diese Kleptokraten von den USA seit Jahrzehnten mit Milliarden gepeppelt wurden um den Frieden mit Israel zu sichern und Stützpunkte bereitzustellen, wird es auch so schnell keine Demokratie geben in Ägypten.

    Die Ägypter würden bei freien Wahlen das Verhältnis zu Israel in Frage stellen und vielleicht sogar den Einfluss der USA auf das Militär und die Stützpunkte.

    Das ist der Grund, warum Demokratie in Ägypten nicht erwünscht ist. Beschwerden bitte direkt an Ms. Clinton, die engagierte Verfechterin der Freiheit und Demokratie in der ganzen Welt.

    • E.Wald
    • 29. Mai 2012 10:53 Uhr

    ... einen so glatten und vorbildlichen Übergang zur Demokratie schaffen wie Deutschland nach 1918, nicht wahr?
    (Vorsicht: Ironie)

    • joG
    • 29. Mai 2012 7:58 Uhr

    ....dass der Übergang zur Demokratie holprig ist. Die Unruhe ist jedoch auch ein Warnschuss.

  1. Das dauert eben und führt zu viel Durcheinander.

    Ich sehe jedoch die Gefahr, dass sich die Demokratie überhaupt nicht entwickelt, weil entweder die Muslimbrüder siegen werden und aus Ägypten einen weiteren islamischen Staat mit Scharia machen werden oder die alte Garde ihre Männer erneut positionieren kann und das Land weiter ausbluten lässt. Man muss abwarten.

  2. Demonstranten legen eigentlich keine Brände!
    Sie basteln sich den Staat wie es Ihnen gefällt.
    Dem normalen Volk geht es heute eher schlechter als früher
    daher auch die geringe Wahlbeteiligung.
    Weil sich für Sie nichts positiv ändern würde

  3. Reif ist das Volk schon, aber nicht die alte Clique der Militärs. Das ägyptische Militär bestimmt immernoch über die Belange der Ägypter in jeder Hinsicht. Sogar die Zulassung der Kandidaten durfte der Militärrat bestimmen. Dieser Rat bestimmt nicht nur die Aussenpolitik und den militärischen Aspekt Ägyptens, er hat auch die Macht über weite Teile der ägyptischen Wirtschaft.

    Und weil diese Kleptokraten von den USA seit Jahrzehnten mit Milliarden gepeppelt wurden um den Frieden mit Israel zu sichern und Stützpunkte bereitzustellen, wird es auch so schnell keine Demokratie geben in Ägypten.

    Die Ägypter würden bei freien Wahlen das Verhältnis zu Israel in Frage stellen und vielleicht sogar den Einfluss der USA auf das Militär und die Stützpunkte.

    Das ist der Grund, warum Demokratie in Ägypten nicht erwünscht ist. Beschwerden bitte direkt an Ms. Clinton, die engagierte Verfechterin der Freiheit und Demokratie in der ganzen Welt.

    • E.Wald
    • 29. Mai 2012 10:53 Uhr

    ... einen so glatten und vorbildlichen Übergang zur Demokratie schaffen wie Deutschland nach 1918, nicht wahr?
    (Vorsicht: Ironie)

  4. Demokratie, sondern zunehmend als Folge des Youth Bulge, ein gewalttätiger Aufstand frustrierter junger Männer ohne Zukunftsaussichten und Machtteilhabe.

    Schlechte Aussichten für Demokratie, Laizismus und Frauenrechte.

    k.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Ahmed Schafik | Militär | Mohammed Mursi | Brand | Muslimbruderschaft | Protest
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