AlgerienEU-Beobachter zufrieden mit Wahl in Algerien

Die Beobachter der Europäischen Union lobten vor allem die ordentliche Organisation. Die Islamistenallianz Grünes Algerien hatte nach der Wahl Betrugsvorwürfe erhoben.

Die Beobachter der Europäischen Union sind mit der Parlamentswahl in Algerien zufrieden. Zwar seien bei der Abstimmung am Donnerstag einige Unregelmäßigkeiten registriert worden, die das Wahlergebnis jedoch nicht in Frage stellten, teilten die Beobachter mit. Der Urnengang sei "ein erster Schritt im Reformprozess" gewesen und müsse "unterstützt werden", sagte Missionschef José Ignacio Salafranca im algerischen Rundfunk. Er betonte: "Die Wahlen haben ruhig und unter guten Bedingungen stattgefunden und die Organisation war allgemein gut."

Politiker der als gemäßigt geltenden Islamistenallianz Grünes Algerien hatten nach der Wahl Betrugsvorwürfe erhoben. Sie waren als drittstärkste Kraft aus der Wahl hervorgegangen.

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Die Wahl war von etwa 500 ausländischen Beobachtern überwacht worden. Salafranca bedauerte, dass keine einheimischen Beobachter zugelassen worden waren. Zudem kritisierte er, dass den internationalen Überwachern die Einsicht in das Wählerregister verweigert worden sei.

"Es gab zusätzliche Transparenzkriterien im Vergleich zu den vorangegangenen Wahlen. Doch es gibt noch Punkte, wo es möglich wäre, andere Transparenzkriterien einzuführen", sagte Salafranca. Denkbar sei die Veröffentlichung der Ergebnisse jedes einzelnen Wahlbüros. Am Vortag hatten auch die Leiter der Beobachter der Afrikanischen Union und der Arabischen Liga von einer freien und transparenten Wahl gesprochen.

Nach Angaben des algerischen Innenministeriums vom Freitag gewann die Nationale Befreiungsfront (FNL) von Präsident Abdelaziz Bouteflika 220 der 462 Sitze im Parlament. Mit ihr nahestehenden Unabhängigen kommt die FLN auf eine absolute Mehrheit. Zweitstärkste Partei wurde mit 68 Sitzen die RND (Demokratische Nationale Sammlung) von Ministerpräsident Ahmed Ouyahia, die mit der FLN verbündet ist. Grünes Algerien erhielt 48 Sitze, alle Islamisten zusammen 61 Mandate. Es waren die ersten demokratischen Wahlen seit Aufhebung des langjährigen Ausnahmezustands im flächenmäßig größten Land Afrikas.
 

 
Leserkommentare
  1. Das Lied hören die Algerier jetzt seit 1962, also seit exakt 50 Jahren. Mittlerweile haben sie aber schon den zweiten (!) Bürgerkrieg seit der Unabhängigkeit hinter sich und der dritte steht vor der Tür.

    ca 75% der Jugendlichen unter 30 sind arbeitslos, derweil wird die Arbeit von den Chinesen erledigt. (Alle Großprojekte werden von Chinesen gebaut- Airport Algier; Autobahn; Wohnungsbau). Selbst die Textilindustrie ist jetzt fest in chinesischer Hand. Das Land hat den französischen Kolonialismus nur durch den chinesischen ausgetauscht.

    Meine Theorie des Untergangs der islamischen Welt durch China findet in Algerien seine volle Bestätigung.

    IMHO hat es bis jetzt nur deshalb noch nicht geknallt weil selbst die Islamisten dem Niedergang des Islam (bzw des Maghreb) vollkommen ratlos gegenüberstehen. Sie wissen das ein Bürgerkrieg die Macht Chinas nicht beseitigen kann. Er wird nichts "klären" sondern nur die Preise steigen lassen. Vom Blutbad ganz zu schweigen.

    Die islamische Welt kann nicht mehr isoliert existieren. Sie muß in der globalisierten Welt ganz von Unten anfangen. Und selbst dafür stehen die Chancen schlecht- denn es gibt mehr Chinesen als Araber. Die Chinesen sind motivierter, strebsamer und gebildeter als die Araber. Aus dieser Sackgasse gibt es kein Entkommen. Es sei denn Europa nimmt ihnen ihre Probleme ab. Was ebenfalls unwahrscheinlich ist.

    Die Agonie Algeriens ist das was der "Arabellion" andernorts noch bevorsteht.

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    "Die Chinesen sind motivierter, strebsamer und gebildeter als die Araber."
    -
    So kann man das nicht sagen, denn die Chinesen haben eine ganz andere Geschichte. Sie haben - als Kaiserreich - immer im Kollektiv und immer als Glieder in einem Staatsapparat fungiert, sie kennen es gar nicht anders. Sie sind die Ameisen im Ameisenstaat immer schon gewesen, während die Araber noch nicht einmal in Nationen organisiert waren, die Staatsgrenzen wurden von den Kolonialmächten mit dem Lineal auf der Landkarte gezogen. Von Natur aus ist die arabische eine Stammesgesellschaft, immer regiert von irgendwelchen Kolonialmächten (auch die Osmanen sind schließlich Eroberer gewesen), eigenständig waren sie nur als Angehörige eines Stammes oder eines Familienclans. Und das sind sie bis heute. Die Tragödie ist, dass ein Familienclan alleine praktisch ein Nichts ist gegenüber anderen Mächten.

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    "Die Chinesen sind motivierter, strebsamer und gebildeter als die Araber."
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    So kann man das nicht sagen, denn die Chinesen haben eine ganz andere Geschichte. Sie haben - als Kaiserreich - immer im Kollektiv und immer als Glieder in einem Staatsapparat fungiert, sie kennen es gar nicht anders. Sie sind die Ameisen im Ameisenstaat immer schon gewesen, während die Araber noch nicht einmal in Nationen organisiert waren, die Staatsgrenzen wurden von den Kolonialmächten mit dem Lineal auf der Landkarte gezogen. Von Natur aus ist die arabische eine Stammesgesellschaft, immer regiert von irgendwelchen Kolonialmächten (auch die Osmanen sind schließlich Eroberer gewesen), eigenständig waren sie nur als Angehörige eines Stammes oder eines Familienclans. Und das sind sie bis heute. Die Tragödie ist, dass ein Familienclan alleine praktisch ein Nichts ist gegenüber anderen Mächten.

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    Bravoleser hat Recht.
    Wenn Sie in einem islamischen Land Nordafrikas leben würden, hätten Sie den selben Eindruck. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass man so blind sein kann, dass man das NICHT sieht.
    Man muss doch nur einmal durch die Straßen einer großstadt gehen, dann bricht einem doch schon das Herz. Es gibt allerdings Ansätze "von unten anzufangen", die Bravoleser nicht erwähnt, denen sehr zu wünschen wäre, sie würden mehr und setzten sich durch.

    Bravoleser hat Recht.
    Wenn Sie in einem islamischen Land Nordafrikas leben würden, hätten Sie den selben Eindruck. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass man so blind sein kann, dass man das NICHT sieht.
    Man muss doch nur einmal durch die Straßen einer großstadt gehen, dann bricht einem doch schon das Herz. Es gibt allerdings Ansätze "von unten anzufangen", die Bravoleser nicht erwähnt, denen sehr zu wünschen wäre, sie würden mehr und setzten sich durch.

  3. Wenn die ausländischen Prüfer keinen Einblick in Wählerregister bekamen, was haben sie dann überprüfen können? - Nicht einmal die Höhe der Wahlbeteiligung, denn selbst die ist ja zweifelhaft.

    In den wenigen Lokalen, die von den "internationalen" überprüft wurden, fand keine "Füllung" der Urnen statt, und es gab keine Drohungen/Gewalt, so weit so gut. Warum ließ man keine algerischen Beobachter zu. Wäre ihre schiere Zahl vielleicht eine Bedrohung für das angestrebte Wahlergebnis gewesen?

    Und jetzt: Weichen die Ergebnisse in den überprüften Lokalen vielleicht signifikant vom Rest des Landes ab? Das wäre doch sehr interessant zu wissen. Die FLN hat inzwischen soooo viiiiiiel Erfahrung.

    Und die Algerier sind inzwischen so desillusioniert.

  4. Bravoleser hat Recht.
    Wenn Sie in einem islamischen Land Nordafrikas leben würden, hätten Sie den selben Eindruck. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass man so blind sein kann, dass man das NICHT sieht.
    Man muss doch nur einmal durch die Straßen einer großstadt gehen, dann bricht einem doch schon das Herz. Es gibt allerdings Ansätze "von unten anzufangen", die Bravoleser nicht erwähnt, denen sehr zu wünschen wäre, sie würden mehr und setzten sich durch.

  5. Algerien, die "Kornkammer Afrikas und ein strategischer Knotenpunkt in Sachen Gas- und Erdöl-Piplines.

    Die Hafenstädte Algier und Oran sind hier die Drehkreuze Algerien von den alten Handels- und Pilgerstrassen ganz mal abgesehen.

    Algerien mausert sich still und leise zu einem (ge-)wichtigen politischen Partner und der Westen sollte dies nicht nur mit einer Fußnote bemerken. Der arabische Fruhling ist noch längs nicht abgeschlossen, auch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich könnte hier weiterhelfen, wie steht es mit ehemaligen Kontakten und Wirtschaft?

  6. "Die Chinesen sind motivierter, strebsamer und gebildeter als die Araber."
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    So kann man das nicht sagen, denn die Chinesen haben eine ganz andere Geschichte. Sie haben - als Kaiserreich - immer im Kollektiv und immer als Glieder in einem Staatsapparat fungiert, sie kennen es gar nicht anders. Sie sind die Ameisen im Ameisenstaat immer schon gewesen, während die Araber noch nicht einmal in Nationen organisiert waren, die Staatsgrenzen wurden von den Kolonialmächten mit dem Lineal auf der Landkarte gezogen. Von Natur aus ist die arabische eine Stammesgesellschaft, immer regiert von irgendwelchen Kolonialmächten (auch die Osmanen sind schließlich Eroberer gewesen), eigenständig waren sie nur als Angehörige eines Stammes oder eines Familienclans. Und das sind sie bis heute. Die Tragödie ist, dass ein Familienclan alleine praktisch ein Nichts ist gegenüber anderen Mächten.

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