Chen Guangcheng : Bürgerrechtler Chen will China verlassen
Der aus seinem Hausarrest geflohene Chen hat die USA um Hilfe bei seiner Ausreise aus China gebeten. Zugleich wirft er US-Diplomaten vor, ihn im Stich gelassen zu haben.
© US Embassy Beijing Press Office/Handout/Reuters

Chen Guangcheng (2.v.l.) mit Mitarbeitern der US-Botschaft in Peking
Der Bürgerrechtler Chen Guangcheng will aus China ausreisen, da er sich dort nicht sicher fühlt. Nachdem er seinen vorübergehenden Aufenthaltsort, die US-Botschaft, verlassen hatte, bat der blinde Aktivist die USA um Hilfe bei der Ausreise. "Ich will ins Ausland. Ich möchte, dass die USA mir und meiner Familie helfen. Sie haben mir zuvor geholfen", sagte Chen in einem Interview.
Der blinde Aktivist war in einem Pekinger Krankenhaus wegen einer Fußverletzung behandelt worden, die er sich vergangene Woche bei seiner Flucht aus dem Hausarrest zugezogen hatte. Trotz der ihm vor Verlassen der US-Botschaft gemachten Zusicherungen der Behörden fühle er sich nicht sicher in China, sagte Chen. Seine Frau Yuan Weijing habe gesagt, dass in ihrem Haus in Shandong bereits die Sicherheitskräfte auf ihn warteten, sagte er. Die Behörden drohten demnach, dass er nie wieder aus dem Haus gehen dürfe.
Chen hatte die US-Botschaft nach sechs Tagen unter ungeklärten Voraussetzungen verlassen. US-Botschafter Gary Locke wies Berichte zurück, wonach China oder die USA Druck auf Chen ausübten, damit er geht. In einem Telefoninterview mit CNN warf Chen den US-Diplomaten vor, ihn im Stich gelassen zu haben.
Würde nicht verweigern
Ein hochrangiger US-Beamter sagte, Diplomaten stünden im Kontakt mit Chen und seien bereit, ihn bei der Ausreise zu unterstützen. Es sei aber noch unklar, was Chen wolle. Chen hatte zuvor betont, er wolle in China bleiben, um dort seine Menschenrechtsarbeit fortzusetzen. Von US-Seite hatte es geheißen, ihm sei von den chinesischen Behörden versichert worden, er werde nicht weiter behelligt und könne an einer Universität studieren.
Chens Vorwürfe gegen die USA und China überlagerten den Auftakt einer neuen Runde des strategischen und wirtschaftlichen Dialogs zwischen beiden Staaten in der chinesischen Hauptstadt, zu denen US-Außenministerin Hillary Clinton und Finanzminister Timothy Geithner nach China reisten. Ohne Chen namentlich zu erwähnen, sagte Clinton, kein Land dürfe seinen Menschen Würde und Rechtsstaatlichkeit verweigern.
Der seit seiner Kindheit blinde Chen hatte sich als autodidaktischer Anwalt mit seinem Einsatz für die Opfer von Zwangssterilisierungen und Landenteignungen einen Namen gemacht. Der 40-Jährige war 2006 zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt und anschließend in seinem Haus unter Arrest gestellt worden. Am 22. April war es ihm mit Hilfe von Unterstützern gelungen, aus dem Hausarrest zu fliehen. Seitdem befand er sich in der US-Botschaft.





Während die FAZ zu berichten weiß, Chen habe sich telefonisch bei H. Clinton bedankt und gesagt, "er wolle sie küssen", wird hier nun behauptet, er sei über das Verhalten der USA in seinem Fall verärgert, sie haben ihn im Stich gelassen?!
Man weiss nicht wie man selber reagieren würde in solcher Situation. Vielleicht ist er zwiegespalten zwischen dem Willen zu bleiben aber nicht zu wissen, wem er nun wirklich vetrauen kann.
China müsste sein Zusagen nicht einhalten, und keiner würde sich drum scheren, und die USA nehmen Rücksicht auf die anstehenden Gespräche.
Deswegen könnte nma daruf kommen, sein Verhalten habe etwas querulatorisches. Aber worum gehts? Nicht eingesperrt zu sein, leben und Kritik üben können. In Deustchland selbsverständlich.
Befand sich Chen nicht bis gestern rein formal auf US-Territorium?
Und wenn Chen Ali hieße und die US-Botschaft (oder irgendeine andere) in Teheran stünde, dann wäre Ali/Chen doch noch in der Botschaft, oder?
Wir würden dann so etwas hören wie...Menschenrechte...BrummelBrummel...Verfolgung im Heimatland...BrummelBrummel...
Oder bin ich da zu skeptisch?
eigene interessen, und erst dann... ist schon bekannt, bäh
"kein Land dürfe seinen Menschen Würde und Rechtsstaatlichkeit verweigern."
glücklicherweise liegt guantanamo nicht in den usa, sonst wäre diese aussage an perfidität kaum zu übertreffen.
es i s t perfide, dass die USA in Guatanamo einen rechtsfreien Raum geschaffen hat. Hier kann sie permanent gegen die Menschenwuerde handeln, ohne das es einen Anklaeger gibt.
Ich sehe finstere Zeiten auf Chen GuangCheng zukommen. Er war in einer grauenhaften Lage und sah in der Flucht in die US-amerikanische Botschaft offenbar die einzige Möglichkeit zu Verbesserung seiner Situation.
In einer Videobotschaft äußerte er, dass er und seine Familie Tag für Tag den Drohungen und Übergriffen der staatlichen Schlägern ausgeliefert war, die sein Haus seit über einem Jahr einkreisten. Man kann sich dabei in Erinnerung rufen, wie es ausgesehen hat, als der Schauspieler Christian Bale mit einem CNN-Kamerateam 2011 Chen treffen wollte und von mehreren dieser Gefängniswärter geschlagen und weggeschoben wurde.
Als die US-Amerikaner Chen nach mehreren Tagen ins städtische Krankenhaus und damit raus aus der Botschaft brachten, hatte ich das Gefühl, sie lieferten ihn damit letztlich ans Messer. Dass der Druck der chinesischen Regierung schließlich zu groß war und man fürchtete mit diesem Fall die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu stark zu belasten, mag sicher der Hauptgrund für diese Aktion gewesen sein. In den englischsprachigen Medien gibt es momentan ganz unterschiedliche Meldungen zu seinen Rückkehrgründen.
Ober es einen Sinneswandel gab oder nicht, Chen äußerte nun laut New York Times den Wunsch mit Clintons Maschine das Land Richtung USA zu verlassen.
Es erhebt sich die Frage, was die Zusagen der chin. Parteikader denn wert sind. Anderen Medien ist zu entnehmen, dass Chen's Frau in Peking auf einen Stuhl gebunden wurde. Die Schergen schleppten Knüppel herbei und der Frau wurde gedroht, man würde sie totprügeln. Das ist ungeheuerlich und in der Tat sehr beängstigend.
Angesichts der Themen der chinesisch-amerikanischen Gesprächsrunde war die Flucht Chens wohl eher ein Schatten auf dieser wichtigen Tagung.
Ich hoffe, dass Chen und seiner Familie die Ausreise gewährt wird, damit er endlich in Frieden leben kann.
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