Frankreich : Das Duell Sarkozy gegen Hollande

Bei der Wahl in Frankreich liegt der Sozialist Hollande laut Umfragen vor dem Amtsinhaber Sarkozy. Die Entscheidung könnte den Kurs der Europäischen Union beeinflussen.
Die beiden Kandidaten der Stichwahl, Hollande und Sarkozy © Laurent Fievet / Getty Images

In Frankreich hat die entscheidende zweite Runde der Präsidentenwahl begonnen. Der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy tritt gegen den Sozialisten François Hollande an. Hollande ist klarer Favorit. In den letzten Tagen vor der Wahl hat sich allerdings der Vorsprung Hollandes in den Umfragen verkleinert. Im konservativen Lager ging man deshalb zuletzt von einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus.

Kaum einzuschätzen, doch möglicherweise wahlentscheidend ist das Verhalten der Anhänger jener Kandidaten, die im ersten Wahlgang ausgeschieden sind. Mit Blick auf die Wähler der Rechtsextremen Marine Le Pen , die als Parteichefin des Front National (FN) in der ersten Runde auf knapp 18 Prozent gekommen war, hatte Sarkozy in der Schlussphase seines Wahlkampfs stark auf die nationale Karte gesetzt.

Zukunft des europäischen Sparkurses fraglich

Der Ausgang der französischen Präsidentenwahl könnte auch den künftigen Sparkurs in der Europäischen Union beeinflussen . Hollande hatte erklärt, bei seiner Wahl den europäischen Fiskalpakt neu aushandeln zu wollen. Statt der Sparmaßnahmen fordert er angesichts der Finanzkrise ein Wachstumsprogramm.

Die erste Runde am 22. April hatte Hollande mit weniger als zwei Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Bei einem Wahlsieg wäre er der erste sozialistische Präsident seit François Mitterrand , der von 1981 bis 1995 französischer Staatschef war. Die Amtszeit Sarkozys endet am 15. Mai um Mitternacht. Hollande hatte für den Fall eines Erfolgs eine Amtsübernahme an diesem Tag angekündigt. Dann will der Sozialist auch bekanntgeben, wer neuer Regierungschef wird.

Bereits am Samstag konnten knapp 900.000 Franzosen in den Überseegebieten abstimmen. Wegen des großen Zeitunterschiedes zum Kernland wurde die Wahl auf den Inseln Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Atlantikküste, den Karibikinseln Guadeloupe und Martinique sowie in den französischen Konsulaten weltweit vorgezogen. Mehrere Beobachter sprachen im TV-Nachrichtensender BFM von einer relativ hohen Wahlbeteiligung.

Die ersten offiziellen Hochrechnungen soll es am Abend um 20.00 Uhr nach Schließung der letzten Wahllokale geben. Bis dahin dürfen nach französischem Gesetz keine Prognosen verbreitet werden. Es wird jedoch erwartet, dass dieses Verbot wie bei vorangegangenen Wahlen von französischsprachigen Medien etwa in Belgien oder der Schweiz unterlaufen wird.

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Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Haben Sie mit der Regulierung der Banken...

...je zu tun gehabt oder auch nur kursorisch gesichtet?

Man muss annehmen, dass nicht. Sonst wurden Sie nicht fördern, man müsse die Banken bzw den Finanzmarkt regulieren. Sie wüssten wie stark er geregelt ist und hatten eine Ahnung wie viele Tausend Seiten und Einzelgesetze sie umfasst. Sie wüssten, dass der Chaos nichts aber auch gar nichts damit zu tun hat, dass der Finanzmarkt ungeregelt war; dass er vielleicht überregiliert war.

Mensch! Machen Sie sich wenigstens die Mühe zu durchdenken, was da die Probleme sind. Oder wollen Sie nur von den Problemen ablenken wie ein Politiker, der die Überschuldung den Kredit Agenturen am liebsten anlastet.

Seit fünf! Jahren leiden die Menschen unter der Bankenkrise...

...gemacht wurde nichts. NICHTS!

In der selben Zeit wurde das Renteneintrittsalter angehoben, die Mehrwertsteuer erhöhe, die Kassenbeiträge, Sozialleistungen abgeschafft, sinnlose Verschrottungsprämien funktionierender Güter, Giftige Glühbirnen in den Umlauf gebracht, drei fremde Staaten angegriffen, Rentner besteuert, Meinungsfreiheit und Karrikaturefreiheit abgeschafft, etc...

Bitte verzichten Sie auf übermäßige Polemik. Danke, die Redaktion/mk

Ja ja, das liebe Geld....

Ich bin auch der Meinung, daß die Finanzmärkte stärker reguliert werden - bzw. einige "Spielarten" darin schlicht verboten werden sollten. Nicht, weil die jetzigen Regelungen grottenschlecht wären, sondern weil der Mensch in seiner Gier zu oft über die Ziele hinausschießt.

Beispiel: Hätte ein deutscher unterschriftsberechtigter Banker auch nur eines dieser Sub-Prime-Darlehen ausgezahlt, hätte man den nicht nur achtkantig rausgeschmissen, er hätte sich vermutlich auch noch eine Betrugsklage eingehandelt. Aber Bankvorstände, die solche Darlehen im Bewußtsein ihrer Schwächen millionenfach ankaufen und weiterverkauften, also damit handelten - geschieht nichts.

Nicht nur, daß sie damit die Finanzkrise erst auslösten, sie haben auch durch den handel mit diesen Papieren das Geld ihrer Anleger veruntreut und die Käufer dieser Papiere bewußt betrogen. Sehen Sie nur einmal, wie viele Klagen alleine gegen die Deutsche Bank laufen. Menschen mit einer "normalen" Ethik würden diese Geschäfte niemals tätigen...

Hier gehört der Riegel vorgeschoben, diese Systemzocker gehören auf die Anklagebank. Solange sich das nicht ändert, werden die immer einen Weg finden, solche Produkte zu kreieren.

Ansonsten sollte Muttchen Hollande, falls er gewinnt, klipp und klar sagen: Ihr habt eure Sozialsyteme wie Renten, Krankenkassen usw. seit zwanzig Jahren über Kreditaufnahmen im Ausland finanziert. Die lassen weitere Wohltaten nicht mehr zu - und wir stellen euch dafür keine neuen Schecks mehr aus.

Das habe ich nicht....

....verstanden: "Beispiel: Hätte ein deutscher unterschriftsberechtigter Banker auch nur eines dieser Sub-Prime-Darlehen ausgezahlt, hätte man den nicht nur achtkantig rausgeschmissen, er hätte sich vermutlich auch noch eine Betrugsklage eingehandelt." Ausgezahlt?

Aber zum anderen Teil.
Ich glaube nicht, dass Ihnen bewusst ist, wie stark die staatliche Regulierung ist und wie strickt sie von Beamten ausgelegt wird. Aber das ist eine der Probleme. Die Regeln richteten alle Banken so aus, dass sie mehr oder minder das Gleiche gleichzeitig tun mussten. Andere Behörden fütterten die Banken mit Staatsschulden, die die Banken kaufen mussten. Da die Regeln die Banken über eine Klippe schickten gab es ein riesen Problem.*)

*)Es gab natürlich weitere Fehlregulierungen, aber belassen wir es mit dieser und lassen wir die Verstärkende Wirkung der LB Reglung weg.