Filmemacher : Griechenlands Michael Moore
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 Über Spenden finanziert

So einseitig Catastroika sein mag, der Film ist eine Erfolgsgeschichte des alternativen Journalismus. Er wurde ausschließlich über private Spenden finanziert und ist gratis zu sehen. Die Spender nennt Chatzistefanou "Koproduzenten". Fernsehstationen, Kinos oder Veranstalter können das Werk in hoher Auflösung ausstrahlen, ohne dafür Nutzungs- und Senderechte zu bezahlen. Untertitel sind in mehreren Sprachen verfügbar – auch auf Deutsch.

Die angesichts der handwerklichen Qualität der Doku durchaus überschaubaren Produktionskosten von 25.000 Euro habe Catastroika mittlerweile in etwa gedeckt, sagt Chatzistefanou. Fließen die Spenden weiter, würden die Überschüsse in das nächste Filmprojekt gesteckt. Geld verdienen will er mit seinem Film ohnehin nicht. Er will aufrütteln und den Widerstand gegen die Sparpolitik anheizen.

Erfolgreicher Vorgängerfilm

Das scheint ihm zu gelingen. Bereits im Vorjahr hatte Chatzistefanou den Dokumentarfilm Debtocracy produziert. Darin werden Gründe und Lösungen für Griechenlands Schuldenkrise beschrieben. Mehr als zwei Millionen Mal wurde er im Netz bislang abgerufen. Fernsehsender in Japan , Lateinamerika, Portugal und Rumänien strahlten die Doku aus. In Griechenland selbst wurde Debtocracy im Frühjahr und Sommer 2011 zum Kultfilm. Zigtausende Protestler sahen ihn auf Plätzen im ganzen Land.

Nun also Catastroika . Er wird den Erfolg seines Vorgängers übertreffen, so viel ist sicher. "Geht nicht wählen, bevor ihr Catastroika seht !" Das sei ein Tweet, der derzeit in Griechenland die Runde mache, sagt Chatzistefanou sichtlich stolz. Schon in den ersten Tagen sei sein Film im Netz mehr als 500.000 Mal geklickt worden. Public Viewings werden veranstaltet, Lokalstationen strahlen die Doku aus, Universitäten laden Chatzistefanou zu Vorträgen ein. Für nicht wenige Griechen ist der Filmemacher ein Held. Er ist ihr  Michael Moore .

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Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

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"Penibel werden die überaus negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft aufgearbeitet. "

Penibel? Wohl kaum...

Mehr als verscherbeln geht da auch nicht. Als ob ein Privater der noch ganz bei Trost ist sich in griechische Staatsunternehmen einkaufen will.

Und von Zwang kann wohl auch keine Rede sein. Die Griechen haben alle Freiheiten, müssen dann aber halt auch mit den Konsequenzen leben.

#2. So richtig verstanden haben sie den Film ganz sicher nicht!

Selbstverständlich lohnt es sich in Staatsunternehmen zu investieren, wenn keine Regeln vorhanden und die Aussichten auf maximale Profite groß sind. Die Vorherrschaft von Politik (Bürgerwille) oder zügelloser Wirtschaftsinteressen (Konzerne) ist ein Grundthema dem wir uns stellen müssen.
Es geht nicht um Raubtierkapitalismus, sondern um die politische Regulierung von Profitgier und Lebensgrundlagen der Menschen. Solange die Wirtschaft immer wieder zu viel Macht in den Parlamenten erhält, wird es so weiter gehen wie in Griechenland.
Sehen sie sich den Film ruhig zweimal an. Vielleicht geht ihnen dann irgendwann ein Licht auf.
Es wurde nicht nur auf die enge Verflechtung der Macht- und Profitinteressen mit der Politik verwiesen, sondern hat sich seit Jahrtausenden bewiesen. Wir erleben lediglich einen kleinen Ausschnitt des ganzen Problems, das sich noch viel weiter zuspitzen wird als wir bisher ahnen. Sollten wir in Deutschland weiterhin ohne Bürgerwillen im Parlament den erzwungenen Bedingngen der Wirtschaft folgen, haben wir im eigenen Land bald die selben Probleme. Sparen bis nichts mehr geht. Auf dem besten Weg dort hin sind wir schon. Es will nur keiner wahrhaben.

Den Versuch der Bundesregierung die kleinen Gewerkschaften in ihrer Bewegungsfreiheit einzuschränken, weil sie endlich wieder ihre Macht gegen Konzerne erkannt haben, gab es gerade vor kurzem.

Damit fängt es an!

Wäre ich ein Banker...

...würde ich mir günstig für 1% Zinsen Milliarden leihen von der EZB. Dann würde ich diese einem Land leihen von dem ich weiss dass es fast pleite ist. Für diese eine Überweisung würde ich meine Milliarden vervielfachen. Und weil ich weiss, dass dieses Land nicht bankrott gehen darf, nehme ich dieses Geschenk ganz ohne Risiko.

Falls ich die Anleihen nicht aus meinen Büchern bekomme, rufe ich meine Freunde in der Politik an. Ich werde Ihnen mit dem Weltuntergang drohen. Denn ich bin systemrelevant. Die werden mir meine Aktiva abnehmen. In einer Bad-Bank verbuddeln und einen Stempel mit Adler draufmachen. Dort hafte ich dann nichtmehr. Nur der Steuerzahler. Doch da wo ich Steuern zahle, gibt es keine Bad-Banks.

Und weil ich nie genug bekomme, werde ich von den wundersam vermehrten Milliarden etwas reales kaufen. Etwas mit Hand und Fuss. Etwas was noch da ist, selbst wenn der Euro über die Wuppr geht. Ich habe gehört in diesem fast bankrotten Land bekommt man billig Eigentum. Vielleicht ein Stadion? Ein Flughafen? Vielleicht auch nur ein Energieunternehmen oder eine Autobahn? Für meine Milliarden bekomme ich viel zum Schnäppchenpreis. Ich greife zu.

Damit mache ich nicht nur ein gutes Geschäft, ich kaufe mir auch Macht. Denn all die Menschen brauchen diesen Flughafen oder diese Autobahn oder nur den Strom. Sie haben garkeine Wahl. Denn ich bin der König der Welt.

Chatzi

Welche Lösung schlägt denn Chatzi vor, um den griechischen Staatshaushalt zu gesunden?
Sicherlich waren viele Privatisierungen nicht prickelnd, das lag aber meist an der zuvor entstandenen Misswirtschaft.
Man kann doch z.B. nicht behaupten, dass die Privatisierung von VW schlecht war. Die Post funktioniert auch nicht schlechter vom Telefon zu schweigen.

Privatisierung

Sie schreiben, die Post funktioniere nach der Privatisierung auch nicht schlechter. Richtig. Haben Sie mal Ihre Postbotin gefragt, was Sie dafür bekommt? Folgender Kommentar zur Aufdeckung von Sklavenhalterverhältnissen bei den Postnachfolgerinnen stammt aus der faz - nicht gerade ein linkes Blättchen, wenn ich recht sehe:

http://www.faz.net/aktuel...
Daraus: "über die Fahrer und die Subunternehmer, die sich totschuften für nichts oder am Ende mit einem Berg von Schulden dastehen, "

Um nicht nur auf Wallraff hinzuweisen

sind hier die Machenschaften des Paketzustellers Hermes beschrieben

http://www.youtube.com/wa...

Davon abgesehen empfinde ich es nicht als Verbesserung, dass tausende von Filialen geschlossen wurden. Wo früher eine Post für so gut wie jeden zu Fuß erreichbar war, kann es in einer Großstadt z.B. dazu führen, dass man zweimal umsteigen muss, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine der verbliebenen Filialen zu erreichen. Eine Tortur für ältere oder behinderte Menschen.