Knapp vier Wochen vor der Neuwahl in Griechenland schließen sich die Konservativen zu einem Bündnis zusammen, um stärkste Kraft im Parlament zu werden. Die Chefin der kleinen bürgerlichen Partei Demokratische Allianz, Dora Bakogianni, und ihre Mitstreiter sind in die konservative Partei Nea Dimokratia (ND) zurückgekehrt. Auch ehemalige Abgeordnete der rechtsorientierten Völkischen Orthodoxen Gesamtbewegung ( Laos ) sollen in den kommenden Tagen in die ND zurückkehren.

Die Parlamentswahl am 6. Mai hatten die Konservativen mit 18,85 Prozent gewonnen. Zweitstärkste Kraft war die linksradikale Syriza mit 16,8 Prozent. Wegen der Zersplitterung der Parteienlandschaft hatte aber keine der Parteien eine regierungsfähige Mehrheit zustande gebracht. Deshalb müssen die Griechen am 17. Juni neu wählen.

Bakogianni sagte, das Land müsse jetzt seine Kräfte vereinen, damit die pro-europäischen Kräfte Griechenland auf Kurs halten. Andernfalls könnte das Land alles verlieren, was es in den vergangenen Jahrzehnten erreicht habe. "Uns steht ein harter Kampf bevor", sagte sie.

Konservative streben Wahlsieg an

Der Chef der Konservativen, Antonis Samaras, hieß die Rückkehrer willkommen. "In Momenten, wo das Land vor gewaltigen Gefahren steht, bildet die Nea Dimokratia eine große patriotische Front", sagte er. Das Linksbündnis Syriza wolle das Land aus der Euro-Zone führen. Das würden die europäischen Kräfte in Griechenland nicht erlauben.

Nach Umfragen zeichnet sich bei der Neuwahl Juni ein knappes Rennen um den ersten Platz zwischen den Konservativen, die am Reformkurs festhalten wollen, und den radikalen Linken der Syriza ab, die das Sparprogramm beenden wollen. Die Sozialisten der Pasok könnten als dritte Kraft den Konservativen zur Mehrheit verhelfen.

Tsipras in Berlin

Auch die griechischen Linksradikalen suchen nach Unterstützung – und zwar im Ausland. Der Chef des Syriza-Bündnisses, Alexis Tsipras , reist am Dienstag nach Paris und Berlin . Tsipras will sich in Berlin mit der Führung der Linkspartei treffen . Dabei will der 37-Jährige den Schwesterparteien in Deutschland und Frankreich seine Position zum griechischen Sparprogramm erläutern.

Die Finanzminister von Deutschland und Frankreich betonten, dass sie Griechenland in der Euro-Zone halten wollen. An den Vereinbarungen mit der Regierung in Athen könne jedoch nicht gerüttelt werden, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei seinem ersten Treffen mit dem neuen französischen Finanzminister Pierre Moscovici. Reformen seien notwendig, sagte Moscovici. Allerdings müssten die Anstrengungen der Griechen auch anerkannt werden. Europa sollte den Griechen in der Rezession starke Signale senden und sie ermutigen.

Laut einer neuen Studie verdienen die Griechen derzeit nahezu ein Viertel weniger als noch vor einem Jahr. Der durchschnittliche Nettoverdienst liege inzwischen bei jährlich 13.167 Euro, ergab eine Untersuchung der New Direction Foundation in Brüssel . Damit liegen die Griechen immer noch weit vor Bulgarien und Rumänien mit durchschnittlichen Nettolöhnen von derzeit 2.772 beziehungsweise 3.594 Euro pro Jahr. Am meisten verdienen die Luxemburger (34.066), gefolgt von den Dänen (28.997), Iren (28.164) und Niederländern (28.004).