Die Parteizentrale der Goldenen Morgenröte liegt in einer Gegend von Athen , die viele Bürger abends eher meiden. Am Eingang zu den Büros gibt es kein Schild, die Wände des engen Treppenhauses sind verschmutzt. Im zweiten Stock öffnet ein breitschultriger Mann mit schwarzem T-Shirt und kurz rasierten Haaren die Tür.

In den Tagen vor der Parlamentswahl am Sonntag kommen viele Unterstützer hierher, um Stimmzettel für ihren Bezirk abzuholen. In Griechenland muss jede Partei ihre eigenen Wahlbögen drucken lassen. Die Zettel werden dann von Helfern in den Wahllokalen ausgelegt. Es sind fast ausschließlich Männer, die sich die Bögen geben lassen.

" Griechenland muss gesäubert werden", schimpft ein Mann um die 50, als er seine Wahlzettel bekommt. "Damit meine ich nicht unbedingt die Ausländer, sondern unser korruptes System." Der Mann will nur seinen Vornamen nennen: Georgos. Er sagt, dass er Taxifahrer sei und im Stadtteil Peristeri wohne, einer Arbeitergegend.

Zum ersten Mal in seinem Leben engagiere er sich für eine Partei, früher habe er nur immer die konservative Nea Dimokratia gewählt. "Aber die haben uns all die Jahre in die Misere hineingeführt, und wir haben das nicht sehen wollen", sagt er. Wenn die Goldene Morgenröte nun in das Parlament einziehe, "dann werden es die Lügner nicht mehr so leicht haben".

Mit Vierkanthölzern gegen linke Demonstranten

Seit dem Ende der Militärdiktatur 1974 hat keine so offen rechtsradikale Partei die Hürde von drei Prozent der Stimmen überschreiten können und den Einzug in das Parlament geschafft. Bei den vorgezogenen Neuwahlen dieses Jahr liegt die Goldene Morgenröte , oder griechisch Chrysi Avgi, den jüngsten Umfragen zufolge bei vier bis fünf Prozent. Bisher war die Gruppe mit dem unverkennbar an ein Hakenkreuz angelehnten Parteiemblem eher als gewalttätiger Schlägertrupp bekannt.

In der Vergangenheit stürmten Anhänger der Goldenen Morgenröte immer wieder Demonstrationen linker Gruppen in Athen und Thessaloniki . Dabei waren sie oft bewaffnet mit Vierkanthölzern, an denen die griechische Nationalfahne hing.

Die Mitglieder gelten als extrem gewaltbereit und sind auch für Angriffe auf Einwanderer bekannt. Die Polizei lässt sie dabei häufig gewähren. Es heißt, die Schläger seien mit Militär und Sicherheitsapparat eng verbandelt. Der 31-jährige Parteisprecher und Kandidat für den Bezirk Attika, Elias Kasediaris, war früher Angehöriger einer Spezialeinheit in der griechischen Armee.

Auch er schlägt im Wahlkampf nicht mehr nur die bekannte, fremdenfeindliche Rhetorik an. Ihr wahres Potenzial hat die Außenseiterpartei im Protest gegen die griechische Politiker-Elite identifiziert und erfolgreich ausgeschöpft. "Die Goldene Morgenröte stellt sich gegen das korrupte Herrschaftssystem dieses Landes", sagt Parteisprecher Kasediaris. "Alle, die verantwortlich sind für die Verschwendung öffentlicher Gelder, müssen ins Gefängnis. Das hat absolute Priorität."